{"id":642678,"date":"2011-12-06T12:55:04","date_gmt":"2011-12-06T11:55:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=642678"},"modified":"2011-12-26T15:57:11","modified_gmt":"2011-12-26T14:57:11","slug":"wie-sie-mussen-eltern-pflegen-die-ignoranz-der-unternehmen-wenn-mitarbeiter-eltern-pflegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/12\/06\/wie-sie-mussen-eltern-pflegen-die-ignoranz-der-unternehmen-wenn-mitarbeiter-eltern-pflegen\/","title":{"rendered":"Wie, Sie m\u00fcssen Eltern pflegen? Die Ignoranz der Unternehmen wenn Mitarbeiter Eltern pflegen."},"content":{"rendered":"<p>Die optimale Mitarbeiter f\u00e4llt nie aus, funktioniert immer reibungslos und steht allein dem Unternehmen zur Verf\u00fcgung &#8211; weil er bindungslos auf der Welt ist. Am besten ohne jede Familie. Ohne Eltern, Kinder oder Ehepartner\/in, die ihre Rechte einfordern. Mehr wie eine Maschine. Und dann, dann kommen Menschen. Die krank werden, Urlaub haben, denen Fehler unterlaufen und vor allem eins haben: Anhang und Familie.<\/p>\n<p>Deshalb rollt wegen der Demographie in Deutschland ein Problem auf die Unternehmen zu, von dem bislang erst fr\u00fche Ausl\u00e4ufer bemerkbar sind: Wenn Mitarbeiter pl\u00f6tzlich Zeit brauchen, um sich um Ihre Eltern zu k\u00fcmmern, zum Beispiel weil sie zum Pflegefall werden und sie sich wom\u00f6glich selbst um sie k\u00fcmmern. Wom\u00f6glich sind die Eltern nicht mal mehr am selben Ort, sondern Hunderte Kilometer entfernt &#8211; im Zeitalter der Nomaden-Mitarbeiter, die f\u00fcr ihre Karriere jede Flexibilit\u00e4t an den Tag legen und immer dahin ziehen, wo die Firma sie gerade ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Der Marktforscher GFK hat deshalb 500 Arbeitgeber befragt im Auftrag von berufundfamilie, der Initaiative der Gemeinn\u00fctzigen Hertie-Stiftung, wie sie sich dem Thema stellen. Das Ergebnis ist erschreckend:<strong>62 Prozent<\/strong> der deutschen Arbeitgeber haben sich bislang noch<strong> nicht mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege besch\u00e4ftigt<\/strong>. Die Sorge um alte Menschen scheint ihnen v\u00f6llig fremd zu sein. Mehr noch: 71 Prozent k\u00f6nnen nicht einmal betriebliche Ma\u00dfnahmen zu dem Thema nennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stefan Becker, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei berufundfamilie in Wiesbaden urteilt: &#8222;Diese erste repr\u00e4sentative Umfrage ihrer Art macht den hohen Aufkl\u00e4rungsbedarf bei den Arbeitgebern deutlich: Weder die Vielzahl m\u00f6glicher Ma\u00dfnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege noch deren oft einfache und kosteng\u00fcnstige Umsetzung ist bekannt.&#8220;<\/p>\n<p>Warum die Unternehmen derart <strong>ignorant<\/strong> sind beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Laut GFK-Untersuchung fehlt ihnen Unterst\u00fctzung: 83 Prozent der Befragten meinen, dass sie bis jetzt deshalb nicht aktiv waren, &#8222;weil es an Umsetzungshilfen und Tipps mangelt&#8220;. 80 Prozent der Befragten meinen, betriebliche Angebote zur Vereinbarkeit seien zu kosten- und 85 Prozent sogar zu organisationsintensiv. Etliche weisen auch von vornherein\u00a0 die Verantwortung von sich: Rund 30 Prozent der <strong>Arbeitgeber sehen sich selbst nicht in der Verantwortung<\/strong>, sondern eher die betroffenen Familien oder den Staat.<\/p>\n<p>Und je spezieller es wird, um so ahnungloser die Arbeitgeber laut GFK-Umfrage: Von den 29 Prozent der Arbeitgeber, die \u00fcberhaupt Ma\u00dfnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege kennen, z\u00e4hlen je knapp ein Drittel flexible Arbeitszeitmodelle und Teilzeitarbeit auf, doch noch weniger kennen die Pflegezeit.<\/p>\n<p>Das Fazit von Stefan Becker: &#8222;Diese Zahlen verdeutlichen die<strong> dramatische Untersch\u00e4tzung eines demographischen Ph\u00e4nomens<\/strong>, denn Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass der absehbare demographische Wandel in Deutschland zu 20 Prozent mehr Pflegebed\u00fcrftigen im Jahr 2020 f\u00fchrt.&#8220; Und damit steige auch die Zahl der Arbeitnehmer, die ihre berufliche T\u00e4tigkeit mit der Pflege eines Angeh\u00f6rigen vereinbaren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Becker: &#8222;Unternehmen funktionieren nach wirtschaftlichen Grunds\u00e4tzen und werden immer dann aktiv, wenn es sich f\u00fcr sie lohnt. Viele Unternehmen meinen, mit der Nicht-Ber\u00fccksichtigung des Themas Kosten einsparen zu k\u00f6nnen. Dies gilt aber nur vordergr\u00fcndig. Diese Unternehmen agieren zu kurzfristig und <strong>verkennen, dass eine familienbewusste Personalpolitik, verbunden mit einer entsprechenden Wertsch\u00e4tzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, letztlich einer der entscheidendsten Wettbewerbsfaktoren ist.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Und warum genau dieses Thema die Unternehmen <strong>sehr wohl etwas angeht<\/strong>? \u201e<strong>Steigender Krankenstand, sinkende Motivation und verminderte Produktivit\u00e4t<\/strong>. Dies sind nur einige der m\u00f6glichen negativen Auswirkungen auf die betrieblichen Abl\u00e4ufe\u201c, wei\u00df Becker. Und weiter: &#8222;Anders als das Thema Kinderbetreuung, das mittlerweile in den meisten Unternehmen offen thematisiert werden kann, ist die Pflege von Angeh\u00f6rigen ein Thema, bei dem die Besch\u00e4ftigten aufgrund der oftmals unklaren Auswirkungen auf ihre berufliche Stellung mit Befangenheit und Zur\u00fcckhaltung reagieren. Personalabteilungen, die das Thema aktiv ansprechen und zur Enttabuisierung beitragen, merken jedoch, welche Zeitbombe hier auch in ihren Unternehmen tickt.&#8220; Sein Rat an die Unternehmen lautet daher: &#8222;Proaktiv zukunftsweisende Antworten auf das Thema Beruf und Pflege zu geben, sollte viel weiter oben auf der Priorit\u00e4tenliste der deutschen Wirtschaft stehen \u2013 nicht zuletzt,\u00a0 um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu sichern.\u201c<\/p>\n<p>Von <strong>mangelnder Loyalit\u00e4t<\/strong> zum Unternehmen mal ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Berufundfamilie empfiehlt sich denn auch den Unternehmen. Antje Becker, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Gemeinn\u00fctzigen Hertie-Stiftung, weist darauf hin: \u201eMit der Gr\u00fcndung der berufundfamilie gGmbH vor 13 Jahren wollte die Hertie-Stiftung Fragestellungen einer familienbewussten Personalpolitik b\u00fcndeln und zukunftsweisende Antworten liefern. Mit Angeboten wie einem Schnelltest zur Standortbestimmung, einem Stufenplan, einer 130-Ma\u00dfnahmen-Checkliste zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sowie Best-Practice-Beispielen ist berufundfamilie Vorreiter. Die Unternehmen erhalten damit genau die Unterst\u00fctzung, die sie laut Umfrage verlangen.\u201c<\/p>\n<p>Der Hintergrund: Die Gemeinn\u00fctzige Hertie-Stiftung hat 1998 die Initiative berufundfamilie gegr\u00fcndet, die alle Aktivit\u00e4ten der Stiftung im gleichnamigen Themenfeld b\u00fcndelt. Das Bundesfamilienministerium f\u00f6rdert ihr audit berufundfamilie aus Mitteln des Europ\u00e4ischen Sozialfonds.\u00a0 <a href=\"www.beruf-und-familie.de \">www.beruf-und-familie.de <\/a><\/p>\n<p>Zum Thema Pflege das Buch von Christoph Lixenfeld &#8222;Niemand muss ins Heim&#8220;:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/versicherung\/pflegeversicherung-die-heim-suchung-608028.html\">http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/versicherung\/pflegeversicherung-die-heim-suchung-608028.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Niemand-muss-ins-Heim-Menschenw%C3%BCrdig\/dp\/3548372767\/ref=sr_1_3?ie=UTF8&amp;qid=1323126240&amp;sr=8-3\">http:\/\/www.amazon.de\/Niemand-muss-ins-Heim-Menschenw%C3%BCrdig\/dp\/3548372767\/ref=sr_1_3?ie=UTF8&amp;qid=1323126240&amp;sr=8-3<\/a><\/p>\n<p>Lesehinweis wiwo:de:Dammans Jobtalk \u00fcber schlecht vorbereitete Personalabteilungen:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/beruf\/dammanns-jobtalk-die-stunde-der-personaler\/5943078.html\">http:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/beruf\/dammanns-jobtalk-die-stunde-der-personaler\/5943078.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die optimale Mitarbeiter f\u00e4llt nie aus, funktioniert immer reibungslos und steht allein dem Unternehmen zur Verf\u00fcgung &#8211; weil er bindungslos auf der Welt ist. 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