{"id":642539,"date":"2011-11-24T00:03:44","date_gmt":"2011-11-23T23:03:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=642539"},"modified":"2011-11-24T00:07:25","modified_gmt":"2011-11-23T23:07:25","slug":"wenn-mitarbeiter-whistleblowen-ist-es-emporend-bei-firmen-gar-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/11\/24\/wenn-mitarbeiter-whistleblowen-ist-es-emporend-bei-firmen-gar-nicht\/","title":{"rendered":"Wenn Mitarbeiter whistleblowen ist es emp\u00f6rend, bei Firmen gar nicht"},"content":{"rendered":"<div id=\"subheader\">Interessant, wie schnell die Interessenslagen so wechseln. Irgendwann hatte Henkel auf einer Pressekonferenz Sp\u00fclmaschinentabs vorgestellt, die alles aufeinmal konnten. Die Maschine pflegen, Geschirr reinigen und das Geschirr zum Gl\u00e4nzen bringen. Ich erinnere mich noch gut, gabs als Give-away doch ein dreidimensionales Lineal in Form einer Toblerone-Schokolade mit einer blauen Fl\u00fcssigkeit mit auf den Weg. Es vergingen mehrere Jahre und irgendwann meldete sich die Rechtsabteilung des Konzerns und bat mich um eine Zeugenaussage, was sie da und vor allem wann genau sie diese Tabs auf ihrer Pressekonferenz vorgestellt hatte. Damals ging es wohl um einen Prozess gegen einen Wettbewerber und das Fakt, wer der erste gewesen war. Es war eine m\u00fchevolle Prozedur, bis die Reisekostent\u00fcte wieder ausgebuddelt war und ich anhand der Presseunterlagen von der Konferenz (ich hatte sie tats\u00e4chlich noch) meine Zeugenaussage abliefern konnte. Wie die Sache insgesamt damals ausging? Keine Ahnung. Zeugen erz\u00e4hlt man das wohl nicht &#8211; so im Nachhinein f\u00fcr ihre M\u00fche.<\/div>\n<div>Das war der erste Akt.<\/div>\n<div>Der zweite, den man jetzt im Nachhinein zum Beispiel in der &#8222;Rheinischen Post&#8220; erf\u00e4hrt: Die Produzenten Reckitt Benckiser und Henkel sollen <strong>verbotene Preisabsprachen<\/strong> \u00fcber diese Sp\u00fclmaschinentabs getroffen haben &#8211; immerhin von 2005 bis 2007 , immer wenn\u00b4s eine Preiserh\u00f6hungsrunde gab\u00a0 &#8211; und wir Verbraucher haben die ganzen Jahre zuviel bezahlt. Danke sehr.<\/div>\n<div>Damit nicht genug: Auch die Waschmittelprodukte Vanish Oxi Action und Sil oder die Allzweckreiniger Cilit Bang und Bref haben wir offenbar zu teuer bezahlt. hatten die Firmen offfenbar die Preise verbotenerweise aufeinander abgestimmt. \u00a0<a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/wirtschaft\/unternehmen\/preisabsprachen-bei-calgonit-und-somat-1.2613485?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=wirtschaft%20-%20newsletter\"> http:\/\/www.rp-online.de\/wirtschaft\/unternehmen\/preisabsprachen-bei-calgonit-und-somat-1.2613485?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=wirtschaft%20-%20newsletter<\/a><\/div>\n<div>Verbotene Preisabsprachen nennt das Bundeskartellamt so was. Und weil sie das nicht mag, verh\u00e4ngt sie <strong>millionenschwere Geldbu\u00dfen<\/strong>. Meistens. Aber nicht f\u00fcr jeden und manche bekommen <strong>Rabatt<\/strong> und wieder andere &#8211; aber das schaffen nur einzelne &#8211; brauchen trotz verbotenem Verhaltens und dem Kassieren sch\u00f6ner Renditen brauchen keinen Cent Busse zahlen. Die Konsumenten, die bekommen soweso nichts wieder &#8211; das gibt\u00b4s n\u00e4mlich in den Vereinigten Staaten.<\/div>\n<div>Denn, und jetzt kommt der dritte Akt: Wer ohne Strafe davonkommt, hat die <strong>&#8222;Kronzeugenregelung genutzt&#8220;<\/strong>. Was sich so vornehm anh\u00f6rt, ist tats\u00e4chlich etwas, was Unternehmen sonst hassen: <strong>Whistleblowing<\/strong>, Petzen bei den Beh\u00f6rden. Jedenfalls wenn es es die Arbeitnehmer tun und\u00a0 sie der Gegenstand des Whistleblowings sind.<\/div>\n<div>Dabei m\u00fcssen die Kronzeugen-Firmen noch mehr tun als Whistleblower: Sie m\u00fcssen in einem Wettlauf\u00a0 antreten gegen die Kartellfreunde, um ja der Erste zu sein &#8211; nur der bekommt 100 Prozent Straffreiheit. Und nicht nur das, sie m\u00fcssen total konstruktiv sein und den H\u00e4schern wirklich alles offenlegen. Dann und nur dann entscheidet die Beh\u00f6rde ganz am Schluss allein und nicht justiziabel,\u00a0 ob jemand 100 Prozent Rabatt oder nur etwas weniger bekommt &#8211; oder gar keinen. In diesem Fall war Henkel der Whistleblower &#8211; 24 Millionen Euro Strafe bleiben insgesamt an Reckitt Benckiser und deren Mitarbeitern h\u00e4ngen. H\u00f6ren Sie Emp\u00f6rung \u00fcber die Verr\u00e4ter? Nienich.<\/div>\n<div>Auch die Deutsche Lufthansa war schon mal Whistleblower gegen\u00fcber Kartellfreunden. Hat da jemand mit dem Finger auf die Airline gezeigt und &#8222;illoyal&#8220; geschrien? Ich habe nichts vernommen.<\/div>\n<div>\u00dcbrigens: In der USA werden Arbeitnehmer-Whistleblower von Beh\u00f6rden zuweilen f\u00fcrstlich belohnt mit hohen Geldsummen. Zwar ist es f\u00fcr die verpfiffenen Unternehmen nicht lustig, aber die Mitarbeiter werden nicht so ge\u00e4chtet wie hierzulande.<\/div>\n<div>Warum Unternehmen aufh\u00f6ren sollten, allen Papierkram schnell zu entsorgen:<\/div>\n<div><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/09\/17\/huldigen-sie-der-riskanten-clean-desk-philosophy\/\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/09\/17\/huldigen-sie-der-riskanten-clean-desk-philosophy\/<\/a><\/div>\n<div>Geschmiert wird nur bei den anderen:<\/div>\n<div><a href=\"http:\/\/corporate-trust.net\/pdf\/pm-090518.pdf\">http:\/\/corporate-trust.net\/pdf\/pm-090518.pdf<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interessant, wie schnell die Interessenslagen so wechseln. Irgendwann hatte Henkel auf einer Pressekonferenz Sp\u00fclmaschinentabs vorgestellt, die alles aufeinmal konnten. Die Maschine pflegen, Geschirr reinigen und das Geschirr zum Gl\u00e4nzen bringen. 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