{"id":642493,"date":"2011-11-20T19:13:01","date_gmt":"2011-11-20T18:13:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=642493"},"modified":"2011-11-20T19:17:58","modified_gmt":"2011-11-20T18:17:58","slug":"pr-lektion-aus-china-fur-siemens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/11\/20\/pr-lektion-aus-china-fur-siemens\/","title":{"rendered":"PR-Lektion aus China f\u00fcr Siemens"},"content":{"rendered":"<p>Was waren das noch f\u00fcr gem\u00fctliche Zeiten, als die Mitarbeiter in den Pressestellen nur dann auf Anfragen reagieren mussten, wenn sich ihr Einsatz &#8211; aus ihrer Sicht &#8211; lohnte. Sprich, wenn ein gro\u00dfes \u00fcberregionales Magazin anklopfte und &#8211; noch schlimmer &#8211; wom\u00f6glich etwas schreiben will, was dem Unternehmen nicht passt. Journalisten von vermeintlich unwichtigen Adressen verhungerten schon mal in der Warteschleife. Die r\u00e4chten sich \u00fcbrigens gerne, wenn sie sp\u00e4ter bei einem anderen Arbeitgeber und pl\u00f6tzlich bei einer &#8222;wichtigen&#8220; Adresse arbeiteten, wie mir mal ein Konzern-Pressesprecher sein Leid klagte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Risiko f\u00fcr Pressestellen vervielfacht<\/strong><\/p>\n<p>Nun laufen Unternehmen mit Pressestellen mit dieser Denke ein ziemlich hohes Risiko &#8211; dank Blogs, Facebook und Twitter. Da twittern nicht nur Journalisten kleiner Regionalbl\u00e4tter demokratisch neben denen der ganz gro\u00dfen Bl\u00e4tter und &#8211; schlimmer noch &#8211; Twitterer, Blogger und Facebook-Nutzer, die gar keine Journalisten, sondern reine Kosumenten sind,\u00a0 verbreiten v\u00f6llig frei von einer Chefredaktion und Verlagszw\u00e4ngen ungeniert ihre Erfahrungen mit Produkten. Schlechte vor allem. Gut auffindbar auch noch Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fremde M\u00e4rkte, fremde PR-Sitten<\/strong><\/p>\n<p>Siemens etwa machte gerade diese Erfahrung &#8211; ausgerechnet mit einem Blogger in China. Der Mann, ein Publizist namens Luo Yonghao, hatte sich wohl \u00fcber die Qualit\u00e4t seines Siemens-K\u00fchlschrank ge\u00e4rgert und das Teil prominent vor dem Siemens-Sitz in Peking\u00a0 zertr\u00fcmmert &#8211; mit einem Vorschlaghammer.\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/blogger-zertruemmert-siemens-kuehlschrank\/5867262.html?utm_source=twitterfeed&amp;utm_medium=twitter\">http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/blogger-zertruemmert-siemens-kuehlschrank\/5867262.html?utm_source=twitterfeed&amp;utm_medium=twitter<\/a><\/p>\n<p>Luo Yanghao hatte am 27.September in seinem Blog \u00fcber eine nicht-richtig-schliessende K\u00fchlschrankt\u00fcr berichtet, viele hatten sich seiner Meinung angeschlossen und online \u00e4hnliches von ihrem Siemens-K\u00fchlschrank berichtet. Vor allem: Als Siemens beziehungsweise seine PR-Agentur Blue Focus reagierte und \u00dcberpr\u00fcfung samt Reparatur anbot, war es zu sp\u00e4t beziehungsweise der Blogger wollte inzwischen etwas anderes: Das Eigest\u00e4ndnis von Siemens, ein Qualit\u00e4tsproblem zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Untersch\u00e4tzter Blogger<\/strong><\/p>\n<p>Im Klartext, offenbar fehlte im Hause Siemens obendrein dasVerst\u00e4ndnis f\u00fcr die Mentalit\u00e4t ihrer chinesischen Kunden. M\u00f6glicherweise war ihnen auch nicht klar, dass der Blogger eine Million Leser hat, Gr\u00fcnder einer Sprachschulkette und Autor ist. Doch vorsichtshalber sollte sich auch ein Gro\u00dfunternehmen den Konsumenten-Attacken auf den neuen Kommunikationskan\u00e4len widmen, statt sie abzutun. Auch und gerade in einem fremden Markt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Neuer Reklamationskanal<\/strong><\/p>\n<p>Auch hierzulande ist das Bewusstsein f\u00fcr diesen neuen Reklamationskanal noch wenig ausgepr\u00e4gt: Positivbeispiele aus eigener Anschauung sind die Krankenversicherung Central, die jedenfalls unzufriedene Twitterer halbwegs rasch kontaktet und tats\u00e4chlich den Dingen nachgeht. Oder der Filialist Butlers, der auf ein Foto auf seiner Facebook-Seite zumindest nach mehrmaligem Kommentieren reagierte: Ein K\u00e4sefonduetopf aus Keramik war im Einsatz zerbrochen und der K\u00e4se hatte sich \u00fcber den Tisch ergossen.<a href=\"https:\/\/twitter.com\/#%21\/Toedtmann\/media\/slideshow?url=http%3A%2F%2Fyfrog.com%2Fhstuptbcj\">https:\/\/twitter.com\/#!\/Toedtmann\/media\/slideshow?url=http%3A%2F%2Fyfrog.com%2Fhstuptbcj<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcbrigens, mein Bosch-K\u00fchlschrank hat auch ein Problem mit schlecht-schliessenden T\u00fcren &#8211; und nicht nur das: S\u00e4mtliche Blenden der F\u00e4cher fallen dauernd ab und im ersten Jahr war schon ein neues Flaschenfach f\u00e4llig. Von Gew\u00e4hrleistung wollte man nichts wissen, den Schaden musste ich selbst bezahlen. Erg\u00e4nzender Kommentar einer Freundin via Twitter: &#8222;Wir m\u00fcssen alle halbe Jahr eine neues Flaschenfach kaufen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was waren das noch f\u00fcr gem\u00fctliche Zeiten, als die Mitarbeiter in den Pressestellen nur dann auf Anfragen reagieren mussten, wenn sich ihr Einsatz &#8211; aus ihrer Sicht &#8211; lohnte. 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