{"id":641764,"date":"2011-08-28T03:01:01","date_gmt":"2011-08-28T01:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/?p=641764"},"modified":"2023-11-24T18:27:15","modified_gmt":"2023-11-24T17:27:15","slug":"der-chef-als-krimineller-laut-kpmg-ein-normalfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/08\/28\/der-chef-als-krimineller-laut-kpmg-ein-normalfall\/","title":{"rendered":"Der Chef als Krimineller &#8211; laut KPMG ein Normalfall"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"CENTER\">Warum werden Mitarbeiter pl\u00f6tzlich kriminell, die schon jahrelang in ihrer Firma arbeiten, denen man hohes Vertrauen entgegen bringt und die obendrein schon eine F\u00fchrungsposition haben?\u00a0 Die sind n\u00e4mlich ausgerechnet die typischen Wirtschaftskriminellen. Frank H\u00fclsberg von der Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft KPMG erkl\u00e4rt das Ph\u00e4nomen so: Ver\u00e4nderungen der pers\u00f6nlichen Lebensumst\u00e4nde, Frust oder Leistungsdruck f\u00fchrten zu Betr\u00fcgereien. Belegt wird dies durch eine Umfrage von KPMG. Danach ist der typische T\u00e4ter ein Mann (87 Prozent), sitzt auf einem Chefsessel (82 Prozent) und das in Vertrieb oder Finanzbereich. 41 Prozent derjenigen sind 36 bis 45 Jahre alt. 60 Prozent sind zum Zeitpunkt ihrer \u00dcberf\u00fchrung als T\u00e4ter schon l\u00e4nger als f\u00fcnf Jahr bei ihrer Company, 33 Prozent sogar zehn Jahre und mehr.<\/p>\n<p align=\"CENTER\">\u00dcberraschend auch die <strong>durchschnittliche Schadensh\u00f6he: eine Million Euro.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p align=\"CENTER\">Und: In 75 Prozent der F\u00e4lle fanden nur laxe Kontrollen statt.<\/p>\n<p>KPMG-Partner Frank H\u00fclsberg beschreibt: Der T\u00e4ter \u201ekennt die Prozesse in- und auswendig und kann Kontrollmechanismen dadurch viel leichter au\u00dfer Kraft setzen&#8220;. Und: Kaum einer f\u00e4ngt schon mit dem Vorsatz in einer Firma an, um einen Betrug zu begehen oder sich auf Kosten des Unternehmens zu bereichern. \u201eOft f\u00fchren Ver\u00e4nderungen der pers\u00f6nlichen Lebensumst\u00e4nde oder Frustration und Leistungsdruck dazu, einen Betrug zu begehen&#8220;, erkl\u00e4rt H\u00fclsberg.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Was die Chefs im einzelnen anstellen?<\/strong> <strong>Veruntreuung und Betrug im Einkauf passieren am h\u00e4ufigsten <\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In 43 Prozent der F\u00e4lle veruntreuen die T\u00e4ter Verm\u00f6genswerte oder betr\u00fcgen beim Einkauf beim Einkauf vom Waren und Dienstleistungen. Viele f\u00e4lschen oder sch\u00f6nen Zahlen im Finanz-Reporting, andere lassen sich bestechen oder akzeptieren \u00fcberh\u00f6hte Projektkosten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Wie gehen die Chefs bei ihren kriminellen Handlungen vor?<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">H\u00fclsberg wei\u00df: \u201eDie Methoden sind oft simpel, wie etwa die Anlage von fiktiven Lieferantenkonten. Sie werden aber gut verschleiert und Kontrollen durch Mitt\u00e4ter ausgehebelt.&#8220; Erschreckend: In 61 Prozent der F\u00e4lle weltweit stecken mehrere Mitarbeiter unter einer Decke und arbeiten zusammen mit Kollegen, Kunden, Lieferanten oder sogar Beratern. In Deutschland gab es mehr Einzelt\u00e4ter, aber immerhin waren es bei rund der H\u00e4lfte der Delikte mehrere T\u00e4ter.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Indizien, wann Unternehmen Verdacht sch\u00f6pfen sollten <\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland, aber auch im internationalen Durchschnitt gab es in 56 Prozent der F\u00e4lle Warnsignale &#8211; die aber keiner registriert hat. Zum Beispiel dass jemand urpl\u00f6tzlich einen exzessiven Lebensstil hatte und \u00fcber seine Verh\u00e4ltnisse lebte. Oder wenn jemand nie seinen Urlaub nimmt, weil er Angst hat, durch einen Vertreter enttarnt zu werden. Laut KPMG-Studie wurden nur in sechs Prozent der F\u00e4lle Warnsignalen nachgegangen &#8211; obwohl in fr\u00fcheren Studien immerhin in 20 Prozent der F\u00e4lle nachgeforscht wurde. Kommentar von KPMG-Partner H\u00fclsberg: \u201eDas ist umso fataler, als die ganz \u00fcberwiegende Mehrheit der Betr\u00fcger, n\u00e4mlich 96 Prozent, Mehrfacht\u00e4ter sind&#8220;.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Enttarnte T\u00e4ter werden mit dem M\u00e4ntelchen des Schweigens gesch\u00fctzt<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wird Kriminalit\u00e4t entdeckt, verschweigen die Firmen der \u00d6ffentlichkeit meist den Vorfall. Ergebnis der Studie: In mehr als 50 Prozent der F\u00e4lle wurde nicht mal die Mitarbeiter informiert. Genau das h\u00e4lt H\u00fclsberg f\u00fcr dumm: \u201eDas ist eine vertane Chance mit Blick auf Pr\u00e4vention. Das Management muss sich in allen L\u00e4ndern der Welt klar und eindeutig zu einer Null-Toleranz-Haltung gegen\u00fcber Regel- und Gesetzesverst\u00f6\u00dfen bekennen. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Unternehmenskultur. Damit unterst\u00fctzt man die Einf\u00fchrung ethischer Richtlinien und Standards und schafft Akzeptanz f\u00fcr die Installation solider Kontrollmechanismen.&#8220; Sei Rat f\u00fcr Pr\u00e4vention: <strong>Unangek\u00fcndigte Stichprobenpr\u00fcfungen<\/strong>.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Was KPMG noch herausfand: Fast die H\u00e4lfte der befragten Gro\u00dfunternehmen einschlie\u00dflich Dax30-AG\u00b4s\u00a0 &#8211; 45 Prozent &#8211; hat ein eigenes Vorstandsressort \u201aCompliance&#8216; oder die Zust\u00e4ndigkeit direkt dem Vorstandschef zugeordnet. 46 Prozent haben einen Chief Compliance Officer (CCO), in Unternehmen mit \u00fcber 100.000 Mitarbeitern ist das sogar bei zwei Dritteln der Fall. Ebenfalls 46 Prozent haben bereits eine konzernweite Compliance-Abteilung mit mehr als 20 Vollzeitstellen.**<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Studie macht auf einen grundlegenden Irrtum in den Unternehmen aufmerksam: F\u00fcr alle Unternehmen hei\u00dft \u201aCompliance&#8216; die\u00a0 Erf\u00fcllung der gesetzlichen Regeln. 83 Prozent definieren auch auch die Befolgung interner Richtlinien dorthin. Doch nur 17 Prozent der Befragten subsumiert unter Compliance auch Ethik, Moral oder nachhaltiges Wirtschaften. \u201eUntersch\u00e4tzt wird also das Risiko eines Reputationsschadens durch unethisches, wenngleich nicht rechtswidriges Verhalten&#8220;, warnt KPMG.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Unternehmen f\u00fcrchten zwar am meisten Verst\u00f6\u00dfe gegen das Kartellrecht, Korruption und die Verletzung von Datenschutz und IT-Sicherheit. Aber 83 Prozent glauben, dass ein funktionierendes Compliance-Management Schadensf\u00e4lle vermeiden und Haftungsrisiken verringern kann. KPMG kritisiert: \u201eNur die H\u00e4lfte \u00fcberpr\u00fcft regelm\u00e4\u00dfig, ob ihr Compliance Management-System auch tats\u00e4chlich effektiv ist. Das reicht nicht.&#8220;<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Wie kommen die Taten ans Tageslicht?<\/strong><\/p>\n<p>Oft sind es anonyme Hinweise aus dem Unternehmen oder von Gesch\u00e4ftspartnern.71 Prozent der Gro\u00dfunternehmen r\u00fchmen sich unterdessen einer Telefonhotline oder eines E-Mail-Postfachs f\u00fcr derlei Hinweise.<\/p>\n<p>Jedoch klagt H\u00fclsberg:\u00a0 \u201eLeider steht man gerade bei uns in Deutschland dem so genannten \u201aWhistle-blowing&#8216; vielfach noch sehr skeptisch gegen\u00fcber, insbesondere in mittelst\u00e4ndischen Firmen. Es ist eine F\u00fchrungsaufgabe, die Mitarbeiter davon zu \u00fcberzeugen, dass es hier nicht um Denunziantentum geht, sondern dass damit Schaden vom Unternehmen abgewendet werden kann. Das gelingt am besten durch den Nachweis eines verantwortungsbewussten Umgangs mit den Informationen.&#8220;<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Da hat er wohl recht. Legen die Unternehmen obendrein eine <strong>Doppelmoral beim Thema Verpfeifen<\/strong> an den Tag:\u00a0 Kommt der Pfiff aus der Belegschaft, finden sie es ein widerw\u00e4rtiges illoyales Verhalten, das alsbald bestraft werden sollte. Geht es dagegen um Kartelle, hat man ganz andere Ansichten: Da k\u00f6nnen manche Unternehmen nicht schnell genug den Beh\u00f6rden die ma\u00dfgeblichen Infos zur Aufdeckung und vollst\u00e4ndigen Ausforschung eines Kartells ihre fr\u00fcheren Kartell-Mitt\u00e4ter verraten mit nur dem einen Ziel &#8211; dass das Unternehmen dank Kronzeugenregelung im Kartellrecht ohne eine saftige Geldstrafe (meist in Millionenh\u00f6he) davon kommt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dann findet man ganz pl\u00f6tzlich Verpfeifen v\u00f6llig in Ordnung, auch wenn es die einstigen Verschworenen sind. Anders als wenn Mitarbeiter die Lippen spitzen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In Ordnung finden es Unternehmen dann auch, wenn die besagten Wirtschaftskriminellen hart bestraft werden: Fast alle gro\u00dfen Unternehmen in Deutschland ziehen arbeitsrechtliche Konsequenzen (92 Prozent), stellen Strafanzeige oder erheben Schadenersatzanspr\u00fcche (jeweils 79 Prozent), res\u00fcmiert KPMG.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\n<p align=\"JUSTIFY\">\n<p align=\"JUSTIFY\">*Studie \u201eWho is a typical fraudster?&#8220; &#8211; Musteranalyse wirtschaftskrimineller Handlungen von 348 Delikten aus 69 L\u00e4ndern<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">**\u201eKPMG Compliance Benchmark Studie 2011 &#8211; Aktuelle Trends in Gro\u00dfunternehmen&#8220;. Befragt wurden die DAX 30-Unternehmen sowie sechs weitere deutsche Gro\u00dfunternehmen (R\u00fccklaufquote: 67 Prozent)<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geht Ihr Chef selten in Urlaub? F\u00e4hrt er ein teureres Auto, als man ihm zugestehen w\u00fcrde? Dann ist er vielleicht nur ein durchschnittlicher Krimineller, so wie der Archetyp in deutschen Unternehmen: KPMG hat untersucht, wie der durchschnittliche Wirtschaftskriminelle aussieht.    <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/08\/28\/der-chef-als-krimineller-laut-kpmg-ein-normalfall\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[11634,1652,11635,1020],"class_list":["post-641764","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-frank-huelsberg","tag-kpmg","tag-kriminalitaet-im-unternehmen","tag-studie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=641764"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641764\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":683390,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641764\/revisions\/683390"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=641764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=641764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=641764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}