{"id":641619,"date":"2011-08-08T01:34:37","date_gmt":"2011-08-07T23:34:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/?p=641619"},"modified":"2011-08-08T01:34:37","modified_gmt":"2011-08-07T23:34:37","slug":"vor-lauter-jubel-keine-wahren-grunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/08\/08\/vor-lauter-jubel-keine-wahren-grunde\/","title":{"rendered":"Vor lauter Jubel keine wahren Gr\u00fcnde"},"content":{"rendered":"<p>Warum ist es meist keine Erw\u00e4hnung wert, wenn es um ausl\u00e4ndische Vorst\u00e4nde in deutsche Aktiengesellschaften geht, ob sie der deutschen Sprache m\u00e4chtig sind? Manchmal erf\u00e4hrt man es so ganz nebenbei, am Rande: Dass sie es nicht sind. Aber immer eher zuf\u00e4llig. Kein Wort dar\u00fcber, wie wichtig es ist, dass ein Chef die Sprache seiner Belegschaft spricht.<\/p>\n<p>Was dagegen viel erheblicher ist als dieses Manko, ist allein die Tatsache, dass sie aus einem anderen Land als Deutschland kommen. Da wird landauf landab und besonders von Headhuntern bejubelt, dass es sich eben um Ausl\u00e4nder handele. Und dass man endlich etwas f\u00fcr die Diversity in den F\u00fchrungsetagen t\u00e4te. Oder: dass es Zeit ist, &#8222;sich zu \u00f6ffnen&#8220;. Und dass Deutschland &#8222;Nachholbedarf&#8220; habe.<\/p>\n<p>Doch dahinter stecken eine Reihe von Denkfehlern: Diversity bedeutet eigentlich, dass die Bev\u00f6lkerung in ihrer Zusammensetzung sich auch in den Top-Ebenen widerspiegel solle.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diversity_Management\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diversity_Management <\/a>Das w\u00fcrde im Falle Deutschland zum Beispiel bedeuten, dass besonders T\u00fcrken in deutsche Vorst\u00e4nde einziehen w\u00fcrde. In den Vereinigten Staaten, wo die Diversity ihren Urspung hat, ging es um Farbige und Indianer.\u00a0 Doch mitnichten dringen T\u00fcrken in die hiesigen Vorst\u00e4nde vor, stattdessen ist es ein D\u00e4ne wie bei Henkel,\u00a0 ein Niederl\u00e4nder bei Bayer oder ein Amerikaner bei SAP. Die sind eher keine Bev\u00f6lkerungsgruppen, die\u00a0 hierzulande als benachteiligt gelten.<\/p>\n<p>Und woran macht sich der gerne bem\u00fchte &#8222;<strong>Nachholbedarf<\/strong>&#8220; fest? Gegen\u00fcber wem?\u00a0 Gegen\u00fcber welchem Land? Welche ausl\u00e4ndischen AGs stellen zuhauf deutsche und andere ausl\u00e4ndische Vorst\u00e4nde ein?<\/p>\n<p>Und was &#8222;\u00f6ffnen&#8220; diese Ausl\u00e4nder in den deutschen AG\u00b4s? Was sollen sie tun, was ein Einheimischer nicht auch tun k\u00f6nnte, wenn man es ihm denn aufgeben w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Vor lauter Jubel \u00fcber die Nationalit\u00e4t bleiben die Beobachter die Beweisf\u00fchrung meist schuldig.<\/p>\n<p>Ein letztes Argument, was dann immer kommt, ist dieses: Weil die Deutschen so viel exportieren, m\u00fcssten sie dementsprechend ihre F\u00fchrungsgremien mit denen besetzen, die sie beliefern.<\/p>\n<p>Stimmt auch wieder nicht, oder ist D\u00e4nemark ein so wahnsinnig wichtiges Abnehmerland f\u00fcr Henkel? Oder die Niederlande f\u00fcr Bayer? Oder \u00d6sterreich f\u00fcr Siemens?<\/p>\n<p>Und anders herum &#8211; zum besseren Vergleich: Sitzen in Chinas F\u00fchrungsetagen besonders viele Deutsche?\u00a0 Weil wir doch so viele Waren aus China beziehen? Nicht dass ich w\u00fcsste.<\/p>\n<p>Verstehen Sie mich richtig: Ich habe nichts gegen Ausl\u00e4nder im Job, und auch nicht in den F\u00fchrungsetagen.<\/p>\n<p>Mich st\u00f6ren nur diese Scheinargumente.<\/p>\n<p>Da waren die Pro-Argumente von Deutsche-Bank-Vorstand Ackermann, dass es mit Frauen in den Vorstandsetagen bunter werde, gradezu stichhaltig und vern\u00fcnftig.\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/2011\/02\/08\/ackermanns-sonniges-gemut-2\/\">http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/2011\/02\/08\/ackermanns-sonniges-gemut-2\/<\/a><\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Was las man in der &#8222;S\u00fcddeutschen Zeitung&#8220; zu der<strong> Personalie Stefan Mappus<\/strong> am 5.August 2011, dem Ex-Ministerpr\u00e4sidenten von Baden-W\u00fcrttemberg, der nun f\u00fcr den Pharmakonzern Merck nach Brasilien gehen solle?<\/p>\n<p>Dass in Branchenkereisen Verwunderung \u00fcber diesen Schritt herrsche. Schlie\u00dflich sei es &#8222;fraglich, ob Mappus mit Englisch durchkomme&#8220;. Denn wer nach S\u00fcdamerika gehe, solle wenigstens Spanisch sprechen, besser noch Portugiesisch f\u00fcr Brasilien.<\/p>\n<p>Gleich neben dem dicken Vier-Spalter \u00fcber die vielen ausl\u00e4ndischen Vorst\u00e4nde der Dax-Konzerne.<\/p>\n<p>In dem nur in der Bildzeile erw\u00e4hnt wird, dass der Inder Anshu Jain k\u00fcnftig Deutsche-Bank-Chef wird &#8211; obwohl er kein Deutsch spricht. Kann man sich das von Frankreich vorstellen?<\/p>\n<p>FB_Addon_TelNo{ height:15px !important; white-space: nowrap !important; background-color: #0ff0ff;}<\/p>\n<p>FB_Addon_TelNo{ height:15px !important; white-space: nowrap !important; background-color: #0ff0ff;}<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast jeder dritte Dax-Vorstandschef ist nicht in Deutschland beheimatet, freut sich die Zunft der Headhunter. Mit immer denselben, kruden Argumenten. Jahrelang schon predigen die Personalberater das Heil von Diversity &#8211; anscheinend um benachteiligte Bev\u00f6lkerungsgruppen wie D\u00e4nen, \u00d6sterreicher oder Niederl\u00e4nder endlich auch in den deutschen Topetagen abzubilden. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/08\/08\/vor-lauter-jubel-keine-wahren-grunde\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[113,290],"class_list":["post-641619","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-auslander","tag-diversity"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641619","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=641619"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641619\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=641619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=641619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=641619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}