{"id":641462,"date":"2011-07-22T02:21:45","date_gmt":"2011-07-22T00:21:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/?p=641462"},"modified":"2011-07-22T02:21:45","modified_gmt":"2011-07-22T00:21:45","slug":"whistleblower-mussen-nicht-mehr-automatisch-um-ihren-job-furchten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/07\/22\/whistleblower-mussen-nicht-mehr-automatisch-um-ihren-job-furchten\/","title":{"rendered":"Whistleblower m\u00fcssen nicht mehr automatisch um ihren Job f\u00fcrchten"},"content":{"rendered":"<p>Ich h\u00f6re es sie schon sagen &#8211; frei nach dem Liedermacher Georg Danzer: &#8222;am besten hat\u00b4s in diesem Land der Denunziant, der Denunziant&#8220; <a href=\"http:\/\/www.lyricstime.com\/georg-danzer-wir-werden-alle-berwacht-lyrics.html\">http:\/\/www.lyricstime.com\/georg-danzer-wir-werden-alle-berwacht-lyrics.html .<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Oder diese Variante: Untreue Mitarbeiter, illoyal und undankbar. Denn heute erging ein Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) , dass Whistleblower nicht von ihrer Firma mit K\u00fcndigung bestraft werden d\u00fcrfen. Weil sie Missst\u00e4nde \u00f6ffentlich machen, die der Arbeitgeber als Firmeninterna ansieht und nicht der \u00d6ffentlichkeit mitteilen wollte<\/p>\n<p>Nebenbei bemerkt: Die stetig zunehmende Illoylit\u00e4t deutscher Arbeitnehmer wurde in den vergangenen Jahren bereits durch mehrere Umfragen belegt &#8211; europaweit ist sie wohl am niedrigsten . Diese d\u00fcrfte keinen Arbeitgeber mehr \u00fcberraschen. Er muss vielmehr damit rechnen.<\/p>\n<p>Doch hin wie her: Heute verk\u00fcndete der EGMR entgegen der Unterinstanz, dem Landesarbeitsgericht Berlin im Fall eines Altenpflegeheims , dass\u00a0 bei solch einer vermeintlichen Treulosigkeit &#8222;das \u00f6ffentliche Interesse an Information \u00fcber M\u00e4ngel in der Altenpflege in einem staatlichen Unternehmen&#8220; so wichtig ist, dass es schwerer wiegt als die Unternehmensinteressen (Aktenzeichen ECHR 115 (2011)) an einem unbefleckten Image.<\/p>\n<p><strong>Wackerer Anwalt<\/strong><\/p>\n<p>Ausgerechnet der Anwalt namens Benedikt Hopmann, der der Berliner Supermarktkassiererin Emmily zur\u00fcck an ihren Arbeitsplatz verholfen und Durchhalteverm\u00f6gen bis in letzte Instanz bewiesen hatte, errang f\u00fcr die Berliner Krankenpflegerin Brigitte Heinisch einen klaren Sieg. Er gab sich nicht mit einer m\u00f6glichst hohen Abfindung zufrieden wie die meisten seiner Kollegen, sondern k\u00e4mpfte f\u00fcr den Arbeitsplatz der Frau, die sich \u00f6ffentlich &#8211; negativ -ge\u00e4ussert hatte \u00fcber Mi\u00dfst\u00e4nde in dem Altenpflegeheim, in dem sie arbeitete. Und sogar Flugbl\u00e4tter hatte sie verteilt, auf denen sie ihren Br\u00f6tchengeber, den Klinikbetreiber Vivantes, angeprangert hatte. Die Rede war von Betrug. Die Staatsanwaltschaft zwar sp\u00e4ter die\u00a0 Ermittlungen aufgenommen, sie aber wieder eingestellt.<\/p>\n<p>Dass sich ein Arbeitgeber verraten und verkauft f\u00fchlt, wenn ihm die eigenen Mitarbeiter in den R\u00fccken fallen, ist nachvollziehbar. Dass auch Chefs oder Inhaber sich pers\u00f6nlich gekr\u00e4nkt oder beleidigt f\u00fchlen, ist nur normal.<\/p>\n<p>Doch im Fall der Altenpflegerin lag es anders. Alte Menschen wurden in dem Heim nur unzureichend versorgt, Pflegem\u00e4ngel waren bereits amtlich festgestellt worden &#8211; vom medizinischen Dienst der Krankenkassen. Es gab also Opfer. Mehrere Kollegen hatten schon vergebliche Versuche zuvor gestartet, zuerst die Gesch\u00e4ftsleitung selbst \u00fcber die Missst\u00e4nde zu informieren. \u00dcber die \u00dcberlastung des Pflegepersonals und den daraus resultierenden Notstand. Aber offenbar fruchtlos.<\/p>\n<p><strong>Die Kernfrage<\/strong><\/p>\n<p>Die Kernfrage ist: W\u00fcrden Sie, lieber Leser(in), Ihre Mutter oder Ihren Vater in so ein Altenpflegeheim geben wollen? Wo offensichtlich zu wenige Menschen zur Pflegen der Senioren-Patienten sind? Oder w\u00fcrden Sie nicht auch lieber selbst als erste erfahren, wenn Ihre Elternteile schlecht versorgt sind?<\/p>\n<p>Noch ist die Entscheidung nicht rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>Zum Urteil: <a href=\"http:\/\/www.lto.de\/de\/html\/nachrichten\/3822\/EGMR_Whistleblowing_kein_kuendigungsgrund\/\">http:\/\/www.lto.de\/de\/html\/nachrichten\/3822\/EGMR_Whistleblowing_kein_kuendigungsgrund\/<\/a><\/p>\n<p>Kommentar Wiwrtschaftswoche-Redakteur Manfred Engeser: <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/management-erfolg\/lizenz-zum-verpfeifen-474235\/print\/\">http:\/\/www.wiwo.de\/management-erfolg\/lizenz-zum-verpfeifen-474235\/print\/<\/a><\/p>\n<p>S\u00fcddeutsche Magazin \u00fcber das Risiko der Whistleblower: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/karriere\/whistleblower-im-buero-denunzianten-vom-dienst-1.1086760\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/karriere\/whistleblower-im-buero-denunzianten-vom-dienst-1.1086760<\/a><\/p>\n<p>Eine Ex-Glaxo-Mitarbeiterin kassierte wegen ihres Whistleblowings Millionen Dollar: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/tippgeberin-erhaelt-millionen-von-glaxo\/3573922.html\">http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/tippgeberin-erhaelt-millionen-von-glaxo\/3573922.html<\/a><\/p>\n<p>FB_Addon_TelNo{ height:15px !important;  white-space: nowrap !important;  background-color: #0ff0ff;}<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Firmeninterna sind nichts Heiliges, vor allem dann nicht, wenn Betrug oder K\u00f6rperverletzung wegen unterlassener Pflege von Senioren im Spiel sind. Dass Whistleblower &#8211; Petzen &#8211; von ihrer Firma nicht einfach gefeuert werden d\u00fcrfen, hat heute der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte &#8211; EGMR &#8211; entschieden. Und konkret hatten tats\u00e4chlich mehrere Mitarbeiter zuerst versucht, zur Gesch\u00e4ftsleitung vorzudringen und ihr klar zu machen, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/07\/22\/whistleblower-mussen-nicht-mehr-automatisch-um-ihren-job-furchten\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-641462","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=641462"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641462\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=641462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=641462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=641462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}