{"id":641271,"date":"2011-06-30T19:17:14","date_gmt":"2011-06-30T17:17:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/?p=641271"},"modified":"2017-12-08T01:21:33","modified_gmt":"2017-12-08T00:21:33","slug":"wenn-die-ganze-kuche-kokst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/06\/30\/wenn-die-ganze-kuche-kokst\/","title":{"rendered":"Wenn die ganze K\u00fcche kokst &#8211; Interview mit Arbeitsrechtler Thomas Hey"},"content":{"rendered":"<p align=\"left\"><span style=\"text-decoration: underline\"><em>Interview mit Arbeitsrechtler Thomas Hey von Clifford Chance \u00fcber Drogen und Alkohol in Unternehmen und dem Risiko der Vorgesetzten.<\/em><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_641290\" style=\"width: 243px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-641290\" class=\"size-medium wp-image-641290\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2011\/06\/hey_thomas-233x300.jpg\" alt=\"Thomas Hey, Arbeitsrechtler und Partner bei Clifford Chance\" width=\"233\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2011\/06\/hey_thomas-233x300.jpg 233w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2011\/06\/hey_thomas-796x1024.jpg 796w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2011\/06\/hey_thomas.jpg 505w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><p id=\"caption-attachment-641290\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Hey, Arbeitsrechtler und Partner bei Clifford Chance<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr Hey, Sie halten Seminare f\u00fcr Arbeitgeber wegen Drogen im Betrieb. Liegen da heute im Unternehmensalltag tats\u00e4chlich akute Probleme?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hey<\/strong>: Durchaus, auch wenn das nicht jedem Personalchef oder Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer dauernd pr\u00e4sent ist &#8211; es kann ganz schnell brenzlig werden.<\/p>\n<p><strong>&#8230;zum Beispiel?\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Hey<\/strong>: Wenn ein Gabelstaplerfahrer morgens um zehn Uhr mit 1,4 Promille Blutalkoholgehalt einen Kollegen umf\u00e4hrt, sind die Beh\u00f6rden schnell im Unternehmen und ermitteln. Und zwar gegen den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und den Vorgesetzten des Gabelstaplerfahrers wegen fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung. Das Problem bei Alkoholsucht von Mitarbeitern besteht viel weniger darin, dass sie tageweise ausfallen, sondern im Einsatz von Ger\u00e4ten, der Nutzung von Dienstwagen und vor allem in der Gef\u00e4hrdung anderer Mitarbeiter.<\/p>\n<p><strong>Und das wollen Entscheider in Unternehmen nicht sehen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hey<\/strong>: Wer will schon als Arbeitgeber haften, wenn verbotene Drogen im Spiel sind? Da riskieren Arbeitgeber wom\u00f6glich sogar den Vorwurf, dass sie Drogenhandel im eigenen Betrieb zulassen, etwa wenn eine Drogenrazzia in der K\u00fcche eines Luxushotels stattfindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und das ist keine Theorie?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hey<\/strong>: Nein, ich habe solche F\u00e4lle erlebt. In einem Hotel zum Beispiel kokste die gesamte K\u00fcche und nahm obendrein Joints. Doch es kam nicht zum Zugriff von Beh\u00f6rden, weil die Hotelleitung es rechtzeitig gemerkt und die drei Hauptt\u00e4ter selbst rausgefischt hat.<br \/>\nExtrem war es bei einem Softwareunternehmen. Da wollte die Unternehmensleitung nicht, dass in die Betriebsvereinbarung etwas gegen Drogen hineingeschrieben wird, weil kiffende IT-Experten angeblich kreativer seien.<\/p>\n<p><strong>F\u00e4llt es den Unternehmenslenkern eher oft oder eher selten auf, was in ihrem Betrieb los ist? Was sch\u00e4tzen Sie?<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<strong>Hey<\/strong>: Ich empfehle\u00a0allen Verantwortlichen, unbedingt wachsam zu sein. Schwierig wird es, wenn nicht geraucht wird, sondern wenn Drogen in Tee oder Pl\u00e4tzchen &#8222;versteckt&#8220; sind.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Und was ist mit Drogentests?<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Hey<\/strong>: Ich habe schon amerikanische Mandanten erlebt, die von ihren Mitarbeitern hier in Deutschland monatliche Drogentests wollten.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>&#8230;.das geht in den USA, aber nicht hier?<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<strong>Hey:<\/strong> Richtig, Reihenuntersuchungen &#8211; das sind serienm\u00e4\u00dfige Untersuchungen ohne konkreten Verdacht &#8211; sind in Deutschland verboten. Die Arbeitsschutzrechte vor Ort kann man nicht abbedingen im Vertrag, und dazu geh\u00f6ren auch Haar- oder Urintests auf Drogen.<br \/>\nAber das Problem ist nicht zu untersch\u00e4tzen. Angeblich kiffen sieben Prozent der 18-25j\u00e4hrigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und das wird nicht verboten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hey:<\/strong> Manche Unternehmen verbieten auch Alkohol am Arbeitsplatz &#8211; und sind dann selbst inkonsequent. So hatte ein Unternehmen ein Trinkverbot im Betrieb, machte aber dauernd Ausnahmen f\u00fcr Feste.\u00a0In Bayern gibt es immer noch Unternehmen mit Bierautomaten. Bei Arbeitgebern im Bewachungsgewerbe oder in allen Betrieben, wo Drogenkonsumenten andere gef\u00e4hrden, ist der Fall klar. Bei dem, der einen Kran lenkt, und auch f\u00fcr Piloten gilt Null-Toleranz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bleiben Vorgesetzte bei dem Thema oft so passiv, weil sie hilflos sind?<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Hey<\/strong>: F\u00fcr die ist es oft selbst wahnsinnig schwer. Zun\u00e4chst m\u00fcssen Vorgesetzte \u00fcberhaupt die Chance haben zu merken, was passiert. Dann sind die Themen in aller Regel unangenehm. Stellen Sie sich einmal vor, Sie m\u00fcssten einen Mitarbeiter auf sein von Ihnen wahrgenommenes Alkoholproblem, seine denkbare Tablettensucht oder gar auf eine Magersucht ansprechen.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Gibt es Unternehmen, wo Koks \u00fcberdurchschnittlich oft im Spiel ist?<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Hey<\/strong>: In K\u00fcchen zum Beispiel. Das sind Menschen, die Stress haben, lange Arbeitszeiten, hohen Qualit\u00e4tsdruck und wenig Schlaf. Es ist ungemein wichtig, rechtzeitig zu erkennen, wenn ein Mitarbeiter noch vor dem Abrutschen steht. Wer immer bedr\u00fcckt ist, nicht mehr lacht &#8211; daf\u00fcr muss man als Vorgesetzter Sensibilit\u00e4t entwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Raten Sie zu Zwang?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hey<\/strong>: Vor dem Einsatz arbeitsrechtlicher Ma\u00dfnahmen &#8211; also noch vor Er- oder Abmahnung &#8211; sollte man mit den Leuten reden, sie dann zum Betriebsarzt, externen Arzt oder Therapeuten schicken, der ihnen eine Therapie verordnet. Dazu geh\u00f6rt, dass der Kandidat gezwungen wird nachzuweisen, dass er binnen sechs Wochen einen Therapieplatz hat und belegt, dass er die Therapie tats\u00e4chlich besucht &#8211; per Unterschrift. Aber das klappt nicht, wenn jemand auf harten Drogen ist wie Heroin. Da habe ich noch nie eine erfolgreiche Wiedereingliederung gesehen, das lief immer auf eine K\u00fcndigung hinaus. Denn der Arbeitgeber macht sich sonst mitschuldig, zum Beispiel wenn der Betroffene harte Drogen an Kollegen weitergibt &#8211; egal ob verkauft oder verschenkt.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Genie\u00dft ein Suchtkranker besonderen Schutz?<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Hey<\/strong>: Grunds\u00e4tzlich nein.<\/p>\n<p><strong>Was ist also die praktikabelste L\u00f6sung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hey<\/strong>: Ein absolutes Drogenverbot f\u00fcr den Betrieb in der Betriebsvereinbarung festschreiben &#8211; ohne Kompromisse, mit Zustimmung des Betriebsrats, ist ein Weg. F\u00fcr Betriebsfeiern kann man eine Ausnahme vorsehen.<\/p>\n<p>Das Schlechteste aber ist: Dulden und Wegsehen. Denn damit handelt man sich sogenannte betriebliche \u00dcbung &#8211; nach dem Motto, das haben wir immer so gemacht &#8211; und obendrein Gleichbehandlungsprobleme ein. Dreimal mit Alkohol gefeiert kann schon die betriebliche \u00dcbung begr\u00fcnden.<\/p>\n<p align=\"left\">Es ist manchmal schon ungeheuerlich, was so passiert. Ich habe schon einen Betriebsrat erlebt, der sich beschwerte, als das Unternehmen pl\u00f6tzlich die Pornoseiten gesperrt hatte. Man d\u00fcrfe ja wohl nochmal etwas Spa\u00df haben in der Pause, meinte er.<\/p>\n<p align=\"left\">Und dann gibt es die F\u00e4lle, in denen g\u00fctliche Einigungen nicht m\u00f6glich sind, und die l\u00f6sen wir dann vor Gericht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exklusiv-Interview im Management-Blog auf wiwo.de mit Arbeitsrechtler Thomas Hey von Clifford Chance \u00fcber Drogen und Alkohol im Betrieb: Wenn Chefs durchs Wegschauen riskieren, dass der Staatsanwalt sie selbst als Drogenh\u00e4ndler einstuft oder wegen fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung, weil ein angetrunkener Mitarbeiter seinen Kollegen umf\u00e4hrt.  <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/06\/30\/wenn-die-ganze-kuche-kokst\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[33,232,300,1545,1043],"class_list":["post-641271","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-alkohol","tag-clifford-chance","tag-drogen","tag-interview","tag-thomas-hey"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=641271"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641271\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=641271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=641271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=641271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}