{"id":641136,"date":"2011-06-01T00:19:05","date_gmt":"2011-05-31T22:19:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/?p=641136"},"modified":"2011-06-01T00:19:05","modified_gmt":"2011-05-31T22:19:05","slug":"unternehmen-sparen-und-erniedrigen-die-kunden-an-service-telefonen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/06\/01\/unternehmen-sparen-und-erniedrigen-die-kunden-an-service-telefonen\/","title":{"rendered":"Unternehmen sparen &#8211; und erniedrigen die Kunden an Service-Telefonen"},"content":{"rendered":"<p>Automaten-Emma hie\u00df mal in Freiburg ein Laden, in dem man rund um die Uhr gegen M\u00fcnzeinwurf allerlei Lebensmittel ziehen konnte von der Milch bis zur Erbsendose. Lebensmittel eben in den Zeiten, als das Ladenschlussgesetz noch daf\u00fcr sorgte, dass man ab 18 Uhr nichts mehr einkaufen konnte.\u00a0 Schon damals hatten die Leute in Freiburg ambivalente Gef\u00fchle gegen\u00fcber so einem Gesch\u00e4ft ohne jeden Menschen.<\/p>\n<p><strong>Der Parkautomat der Firma heisst Mitarbeiter willkommen &#8211; und nur der<\/strong><\/p>\n<p>Heute ist man allerorten &#8211; und das unfreiwillig, anders als bei der Freiburger Automaten-Emma &#8211; nicht mehr gefeit vor Automatenansprache. Da liest meine Freundin in M\u00fcnchen beim Einfahren in die Tiefgarage ihrer Company wenn sich die Schranke \u00f6ffnet ein &#8222;Herzlich willkommen&#8220;- und sie \u00e4rgert sich jeden Tag aufs Neue &#8222;was f\u00fcr ein Unfug!&#8220;\u00a0 Dass in einem Betrieb, der seit Jahren unentwegt Leute entl\u00e4sst oder in den Vorruhestand schickt, deren Weihnachtsgeld k\u00fcrzt, keine Gehaltserh\u00f6hungen gew\u00e4hrt oder sonstwelche mitarbeiterfeindlichen Gesten unternimmt wie den Mitarbeitern unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel Geld f\u00fcr Firmenparkpl\u00e4tze und Kaffee aus dem Automaten in der Teek\u00fcche abkn\u00f6pft und dergleichen mehr. Da muss sie allmorgendlich lesen, sie sei pl\u00f6tzlich &#8222;willkommen&#8220;. Ah so. Es klingt eben wie Spott und Hohn. Programmiert hat\u00b4s vermutlich ein ahnungsloser Techniker.<\/p>\n<p>Wie Spott und Hohn klingen auch die Ansagen der Telefonanbieter, die einem entgegenquaken, wenn man ohnehin schon verzweifelt ist: Weil irgendetwas an seinem Handy nicht funktioniert, man aber trotzdem daf\u00fcr zahlen muss und sich irgendwie in der Falle f\u00fchlt. Dann soll man mit einer Maschine kommunizieren, allen Ernstes. Sie stellt einem Fragen und gibt Antworten vor, die irgendwie nie passen. &#8222;Dr\u00fccken Sie\u00a0 die 1&#8230;.&#8220;\u00a0 Das geht ja noch,weil irgendwann kommt &#8222;sonstiges&#8220;, das passt immer\u00a0 &#8211;\u00a0 aber dieses sinnentleerte Hineinreden ins Telefon, das geht gar nicht. Zum Beispiel wenn man eine Nummer aufsagen soll und die Maschine diese st\u00e4ndig falsch versteht. Sie wiederholt das, was sie verstanden hat und das war nicht das was Sie gesagt haben. Super. Also von vorne. Und das ganze x-mal hintereinander. Immer wieder. W\u00fcrden Felix und Paola pl\u00f6tzlich aus der Ecke springen, k\u00f6nnte man wenigstens erleichtert lachen, ach ja, versteckte Kamera&#8230; Tun\u00a0 sie aber leider nicht.<\/p>\n<p><strong>15 Minuten sinnloses Gebrabbel in einen Telefonh\u00f6rer &#8211; weil die Maschinen den Anrufer nicht verstehen wollen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>So kann man spielend &#8211; ich weiss, wovon ich spreche &#8211; 15 Minuten am Telefon verbringen und kommt keinen Schritt weiter, nichts ist erreicht, nur Zeit und Telefonkosten verloren und ein Entrinnen aus den Automatenschleifen ist nicht in Sicht.<\/p>\n<p>Telefonanbieter O2 hat die Nervenzerm\u00fcrbung schon vor drei Jahren erkannt und eine eigene Werbekampgane gestartet: dass man bei ihnen immer einen Menschen an der Strippe h\u00e4tte. Ein echter unique selling point.<\/p>\n<p>So ganz stimmt\u00b4s nicht, Zahlen muss man auch da ins Telefon rufen, wenn gar kein Mensch am anderen Ende ist. Aber immerhin, irgendwann kommt dann doch ein menschliches Wesen ans Telefon. Ob die einem helfen kann oder nur neue Unsinnsmassnahmen startet, die Ihnen weitere Arbeit machen und weitere SMS-Anfragen bescheren, ist eine andere Frage.<\/p>\n<p><strong>Sie telefonieren mit der Hotline &#8211; und um Sie herum unterdr\u00fccken die Kollegen m\u00fchsam ihr Kichern<\/strong><\/p>\n<p>Eins haben die Unternehmen, die ihre Kunden den Antwortmaschinen ausliefern, aber erreicht: Man tut alles, um nicht bei ihnen anrufen zu m\u00fcssen. K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, wie l\u00e4cherlich man sich macht, wenn man nicht zuhause im stillen K\u00e4mmerlein verzweifelt mit der Maschine redet, die einen nicht versteht &#8211; sondern zum Beispiel in einem Gro\u00dfraumb\u00fcro? Tags\u00fcber eben, weil die Hotlines abends nicht erreichbar sind. Klasse, wenn man \u00fcber lange Minuten haareraufenderweise immer wieder verzweifelt etwas in den Telefonh\u00f6rer spricht, ruft, br\u00fcllt, knurrt, st\u00f6hnt, seufzt, ganz egal was\u00a0 &#8211; und kommt einfach nicht weiter. Die einen Kollegen werden m\u00fchsam auf ihre Papiere gucken, sich hinter ihrem PC-Bildschirm verstecken und in sich hinein kichern. Die anderen werden offen feixen. Und sie m\u00fcssen das Ganze noch irgendwie rechtfertigen. Kurz: Man macht sich l\u00e4cherlich ohne Ende.<\/p>\n<p>Will man das im B\u00fcro? Neverever.<\/p>\n<p>L\u00e4sst es sich verhindern? Ebensowenig.<\/p>\n<p>Also was bleibt? Firmen meiden mit Automaten am Service-Telefon. Das nur Service-Telefon heisst, aber in Wirklichkeit &#8211; auch &#8211; f\u00fcr Pannen und Reklamationen da ist. Von denen man nicht mal Service will, sondern einfach nur die Leistung, f\u00fcr die man bezahlt. Man wird ja bescheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieben Sie ihn auch? Den Kampf gegen Automaten am sogenannten Service-Telefon. Wo man sich l\u00e4cherlich macht und betet, dass einem keiner zuschaut.  <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/06\/01\/unternehmen-sparen-und-erniedrigen-die-kunden-an-service-telefonen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[483,818,962],"class_list":["post-641136","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-grosraumburo","tag-o2","tag-service-hotline"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641136","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=641136"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641136\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=641136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=641136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=641136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}