{"id":640995,"date":"2011-05-12T00:19:16","date_gmt":"2011-05-11T22:19:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/?p=640995"},"modified":"2011-05-12T00:19:16","modified_gmt":"2011-05-11T22:19:16","slug":"wenn-datenschutz-den-falschen-schutzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/05\/12\/wenn-datenschutz-den-falschen-schutzt\/","title":{"rendered":"Wenn Datenschutz den Falschen sch\u00fctzt"},"content":{"rendered":"<p>Da heften sich die Unternehmen alle irgendwelchen Werte an, nach denen sie sich angeblich richten. jeder weiss nat\u00fcrlich, dass die nichts mit dem Firmenalltag zu tun haben oder etwa gelebt werden, sondern dass sich die irgendwer am gr\u00fcnen Tisch eigens ausgedacht hat, die Werbeagentur etwa oder jemand aus der Pressestelle oder sonstwer. Jedenfalls kommen die Werte nicht aus den Unternehmen und auf ihre Einhaltung pocht auch keiner. Aber sie machen sich eben gut auf den Brosch\u00fcren, am Eingang oder der Homepage &#8211; und da ruhen sie in Frieden.<\/p>\n<p>Vermutlich auch bei der Telekom. Welche Werte dieses Unternehmen ernst nimmt, frage ich mich schon lange &#8211; aber vor allem seit wir erfuhren, dass die Bonner jahrelang ihre vermeintlichen Erzfeinde, einige Journalisten abh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Nebenbei bemerkt: Erst einer von denen, mein Ex-Kollege Reinhard Kowalewsky, hat inzwischen Schmerzensgeld daf\u00fcr bekommen. Der Presse zufolge gut 30 000 Euro.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Telekom: Wenn sie selbst den Datenschutz einhalten soll, nimmt sie diese Pflicht nicht wirklich ernst. Anders dagegen, wenn es um Leben und Tod geht bei ihren eigenen Kunden &#8211; dann nimmt die Firma den Datenschutz ernst bis zum bitteren Ende, bis ein Selbstmordkandidat \u00fcbern den Jordan ist und die Polizei zu sp\u00e4t kommt, um ihn zu retten. Richtig, der Polizei gegen\u00fcber verteidigt die Telekom den Datenschutz mit Inbrunst. Ich berichtete an dieser Stelle schon \u00fcber mindestens einen konkreten, sehr tragischen Fall\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/2010\/03\/01\/telekom-dienstanweisungen-versus-zivilcourage\/\">http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/2010\/03\/01\/telekom-dienstanweisungen-versus-zivilcourage\/<\/a><\/p>\n<p>Nun hat die Telekom noch ein weiteres Gut aufgetan, das sie dem Datenschutz unterordnet und sogar Rechtsbrecher auf diese Weise versucht zu sch\u00fctzen. Doch das Amtsgericht Bonn hat diesem irren Treiben jetzt ein Ende gemacht. Doch jetzt erst mal der Fall im Detail: Da hatte sich eine Frau mit einem Mann eingelassen, von dem sie nur den Vornamen und die Handynummer hatte. So weit so schusselig. Die Sache hatte Folgen: Doch nachdem sie den geheimnisvollen Unbekannten auf eben diesem Handy anrief und ihre Schwangerschaft mitteilte, handelte der flott. Der Mann verschwand komplett von der Bildfl\u00e4che, war f\u00fcr die Frau unauffindbar &#8211; und meldete sein Handy ab.<\/p>\n<p>Als die Frau dann die Telekom verklagte, um dessen Namen herauszufinden &#8211; und um vermutlich Unterhaltszahlungen einfordern zu k\u00f6nnen &#8211;\u00a0 schaltete das Unternehmen auf stur. Ganz pl\u00f6tzlich fiel der Telekom der Datenschutz ein und verteidigte dieses Grundrecht heiss. Tats\u00e4chlich machte das Gericht mit, schildert die Nachrichtenagentur dpa. Die Mutter blitzte ab und musste langen Atem beweisen.<\/p>\n<p>Was das Gericht dann im n\u00e4chsten Anlauf dann n\u00e4mlich doch nicht mehr mitmachte: Als der inzwischen 5-j\u00e4hrige Junge im n\u00e4chsten Anlauf selbst gegen die Telekom klagte, um sein Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung durchzusetzen und auf dem Weg an den Namen seines Erzeugers zu kommen. Das zog, denn dieses Interesse \u00fcberwiege gegen\u00fcber dem des Vaters auf Schutz seiner Daten. Das Urteil ist rechtskr\u00e4ftig (Amtsgericht Bonn, 104 C 593\/10).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Telekom lebt den Datenschutz am liebsten nur passiv aus &#8211; wenn andere von dem Unternehmen wissen m\u00fcssen, wer sich hinter einer Handynummer verbirgt. Die Polizei etwa im Fall eines Selbstm\u00f6ders, oder ein uneheliches Kind, das herausfinden will, wer sein Vater ist.  <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/05\/12\/wenn-datenschutz-den-falschen-schutzt\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[42,252,497,499,1040],"class_list":["post-640995","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-amtsgericht-bonn","tag-datenschutz","tag-handy","tag-handynummer","tag-telekom"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/640995","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=640995"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/640995\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=640995"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=640995"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=640995"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}