{"id":640986,"date":"2011-05-17T09:53:23","date_gmt":"2011-05-17T07:53:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/?p=640986"},"modified":"2011-05-17T09:53:23","modified_gmt":"2011-05-17T07:53:23","slug":"ein-dax-30-ceo-darf-heute-im-schnitt-sechs-statt-vier-jahre-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/05\/17\/ein-dax-30-ceo-darf-heute-im-schnitt-sechs-statt-vier-jahre-bleiben\/","title":{"rendered":"Ein Dax-30-CEO darf heute im Schnitt sechs &#8211; statt vier Jahre &#8211; bleiben"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Ein Umzug kommt f\u00fcr die Familie nicht infrage, die durchschnittliche Verweildauer von einem Manager im Job betr\u00e4gt doch nur noch drei Jahre&#8220;, erz\u00e4hlte mir k\u00fcrzlich ein besorgter Manager, der bald einen neuen Posten antritt. Er will erst mal eine Weile pendeln, sicherheitshalber. Woche f\u00fcr Woche \u00fcber 1000 km Kilometer eine Strecke. Aber egal. Sein Abenteuer `neue Firma` soll seine Family lieber nicht mitmachen.<br \/>\nDoch der Mann hat Hoffnung: Das Blatt hat sich gewendet, sagt die neueste Global CEO-Succession-Studie von der internationalen Strategieberatung Booz &amp; Company. Analysiert wurden daf\u00fcr die Ver\u00e4nderungen in der f\u00fchrungsspitze von den 2.500 gr\u00f6\u00dften b\u00f6rsennotierten Unternehmen weltweit. Und so ganz recht hatte der Top-Manager auch nicht: Die durchschnittliche Verweildauer von CEO\u00b4s betrug 2009 rund vier Jahre. Doch neuerdings betr\u00e4gt sie sechs Jahre.<\/p>\n<p>Bei den Dax-30-Konzernen fanden die Berater heraus: Musste 2009 noch jeder f\u00fcnfte Vorstandschef (CEO) in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz seinen Chefsessel r\u00e4umen, so war es 2010 pl\u00f6tzlich nur noch jeder elfte. Die Wechselqote hat sich damit fast gedrittelt &#8211; von 21,3 Prozent auf 8,7 Prozent &#8211; dem niedrigsten Stand seit elf Jahren. International war diese Differenz dagegen nicht ganz so gro\u00df: Weltweit betrug die CEO-Wechselqoute &#8211; oder sollte man lieber sagen Austauschquote? &#8211; 14,3 Prozent in 2009 und sank 2010 auf nur noch 11,6 Prozent. Und: R\u00e4umten nur noch 20 Prozent der Top-Manager ihre Sessel 2010 unfreiwillig, so musste das ein Jahr vorher immerhin noch rund 30 Prozent<\/p>\n<p>Warum hat sich die Situation so rasch &#8211; und ausgerechnet in Deutschland so stark &#8211; ge\u00e4ndert? Klaus-Peter Gushurst, Deutschland-Chef von Booz &amp; Company urteilt: &#8222;F\u00fcr den starken R\u00fcckgang der CEO-Fluktuationsquote in Deutschland gibt es mehrere Gr\u00fcnde.&#8220;. Zum einen war 2008\/2009 ein absolutes Krisenjahr mit einem H\u00f6hepunkt an CEO-Wechseln, ausgel\u00f6st durch die globale Finanzkrise und der zum Teil hohe Restrukturierungsbedarf in einzelnen Branchen. Daraus resultierte massiver Druck auf die Aufsichtsr\u00e4te, durch Wechsel des<br \/>\nTop-Managements das Ruder zum Wohle des gesamten Unternehmens herumzureissen.&#8220; Aber das war nicht alles: &#8222;Zum anderen verschaffte 2010 die \u00fcberraschend gute Konjunktur der deutschen Industrie und ihren CEOs enormen R\u00fcckenwind.&#8220; Gushurst lobt besonders: &#8222;Man kann auch feststellen, dass die Berufungen &#8211; gerade von Outsidern &#8211; exzellente Entscheidungen waren. Hier wurden nicht nur kurzfristige Turn-Around-Themen angegangen, sondern auch nachhaltige Strategiefragen.&#8220;<\/p>\n<p>\u00dcbrigens seien bei vielen Besetzungen auch Ausl\u00e4nder zum Zuge gekommen. Das ist das, was die Unternehmensberatungen seit Jahren immer wieder anmahnen gegen\u00fcber den Nationalit\u00e4ten, mit denen deutsche Firmen besonders eifrig Handel treieben &#8211; aber eben nur bei den deutschen Unternehmen und nicht etwa den chinesischen, die viel an deutsche Unternehmen liefern. Komisch, oder? Fest steht aber auch, dass weder der Henkel-Chef aus D\u00e4nemark &#8211; Kasper Rohrsted &#8211; noch der Bayer-Lenker &#8211; Marijn Dekkers &#8211; sich besonders schwertun, wenn\u00b4s ums Schassen hunterderter oder tausender deutscher Mitarbeiter geht. Im Gegenteil: Das gro\u00dfe Bayer-Kreuz als traditionelles Wahrzeichen konnte nur nach l\u00e4ngeren, erbitterten Protesten der Bayer-Belegschaft bleiben.<br \/>\nDoch zur\u00fcck zum Thema: Booz &amp; Company erwartet, dass in den n\u00e4chsten Jahren die Wechselrate bei den CEO\u00b4s hierzulande wieder ansteigt &#8222;auf ein gesundes Niveau von 12 bis 14 Prozent. Peaks von bis zu 20 Prozent sind nicht mehr zu erwarten.&#8220;<\/p>\n<p>Gibt\u00b4s auch Kritik der Unternehmensberater? Ja, zum Beispiel das immer noch zu wenige Frauen &#8211; das Gleichstellungsthema &#8211; an die Spitze der Gro\u00dfunternehmen kommen.<br \/>\nDasselbe gelte f\u00fcr das Stichwort Diversity: Die Nationalit\u00e4t der Kunden spiegele sich in den Vorst\u00e4nden nicht wider &#8211; siehe oben.<br \/>\nDoch ebensowenig finden sich Kandidaten aus gro\u00dfen Bev\u00f6lkerungsgruppen wie den T\u00fcrken in den Top-F\u00fchrungsgremien.<\/p>\n<p>Wo wird besonders schnell ausgetauscht? Top-Manager aus Health Care und IT l\u00f6sen die CEOs der Energiebranche auf den deutschen Schleudersitzen ab. Insgesamt \u201ekehrt mit dem Aufschwung wieder mehr Ruhe und langfristiges Denken ein&#8220;, hofft Gushurst. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-641046\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2011\/05\/gushurstboozcompany_kpgushurst11-150x150.jpg\" alt=\"gushurstboozcompany_kpgushurst11\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>Vorstandsvorsitzende scheiden im Schnitt schon zw\u00f6lf Jahre vor ihrem offiziellen Pensionsalter mit 55,4 Jahren aus dem Amt. In den europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern sind es immerhin im Durchschnitt zwei Jahre sp\u00e4ter. Auch weltweit hat kaum ein Unternehmenslenker l\u00e4nger als sieben Jahre Zeit, den Erfolg seiner strategischen Entscheidungen unter Beweis zu stellen &#8211; ganz unabh\u00e4ngig davon, ob er vom Aufsichtsrat als externer Kandidat (Outsider) oder als Eigengew\u00e4chs (Insider) an die Spitze berufen wird, so die Booz-Studie.<br \/>\nBei der Erfolgsbilanz dieser Manager mit Kaminkehrer-Karriere beziehungsweise der Protagonisten von aussen nimmt Deutschland laut der Booz-Studie ebenfalls eine Sonderstellung ein.<\/p>\n<p>Weltweit schlug das Pendel in den vergangenen Jahren zugunsten des firmeneigenen Nachwuchses aus: CEO`s aus den eigenen Reihen schienen eine gr\u00f6\u00dfere Akzeptanz zu genie\u00dfen und erzielten bessere Ergebnisse. Diese Kluft zwischen Kamin-Karrieristen und Outsidern hat sich in 2010 sogar weiter verst\u00e4rkt. Erreichten CEO`s mit Unternehmensvergangenheit eine durchschnittliche Aktienrendite von 4,6 Prozent, so brachten es Outsider gerade mal auf 0,1 Prozent.<\/p>\n<p>Anders sieht es in der Schweiz und \u00d6sterreich aus: Da verl\u00e4uft die Entwicklung seit vier Jahren genau umgekehrt: Outsider k\u00f6nnen in 2010 mit einer Aktienrendite von 12,5 Prozent punkten. Insider hingegen bringen es nur zu durchschnittlich 0,8 Prozent.<\/p>\n<p>Insofern scheint im deutschsprachigen Raum auch die Regel nicht zu gelten, dass Outsider eher vom Aufsichtsrat entlassen werden als Insider. Im globalen Vergleich waren das mit 40,5 Prozent gegen\u00fcber 19,6 Prozent mehr als doppelt so viele.<\/p>\n<p>Die Booz-Studie im Detail: Auch bei den Branchen zeigt sich 2010 im deutschsprachigen Raum ein ganz anderes Bild als 2009. So fanden 2010 mit fast 27 Prozent die meisten Wechsel im Health-Care-Sektor statt: &#8222;In der IT waren es 20 Prozent und in der Energiebranche 17 Prozent. Die im Vorjahr noch heftig betroffene Bank- und Versicherungswirtschaft konnten dagegen zwei Jahre nach dem H\u00f6hepunkt der globalen Finanzkrise etwas ruhiger arbeiten. Die CEO-Wechselquote lag hier gerade noch bei 10,1 Prozent.&#8220; In 2010 stammten erstmals knapp die H\u00e4lfte der 2.500 untersuchten Unternehmen nicht aus den USA und Westeuropa. Mit 29 Prozent sind die USA zwar noch immer die st\u00e4rkste Wirtschaftskraft, doch die sogenannten Emerging Markets machen mit 27 Prozent bereits \u00fcber ein Viertel der gr\u00f6\u00dften Weltkonzerne aus. Im Jahr 2000 lag diese Quote noch bei sieben Prozent.<\/p>\n<p>Unternehmensberater Gushurst zeigt auf: \u201eDer Anteil der Unternehmen aus Brasilien, Indien oder China an den untersuchten 2.500 Top-Playern ist seit der Jahrtausendwende durchschnittlich um eindrucksvolle 24 Prozent pro Jahr gewachsen. Diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen. Allein ein F\u00fcnftel der neuen globalen Blue Chips stammt mittlerweile aus China.&#8220;<\/p>\n<p>Das Fazit des M\u00fcnchners: \u201eMit dieser Entwicklung ver\u00e4ndert sich die F\u00fchrungs- und Coporate-Governance-Kultur aber auch Diversity-Anforderungen grundlegend. Wir sehen in den Konzernen einen klaren Trend zu einer international denkenden und vor allem global agierenden F\u00fchrungselite.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Booz &amp; Company hat wieder analysiert, wie lange sich ein Dax-30-Vorstand aktuell als CEO h\u00e4lt. Wieviel Zeit im bleibt, um seine F\u00e4higkeiten unter Beweis zu stellen &#8211; und wie ungeduldig die Aufsichtsr\u00e4te sind.  <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/05\/17\/ein-dax-30-ceo-darf-heute-im-schnitt-sechs-statt-vier-jahre-bleiben\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[179,215,290,1127],"class_list":["post-640986","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-booz-company","tag-ceo","tag-diversity","tag-verweildauer"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/640986","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=640986"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/640986\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=640986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=640986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=640986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}