{"id":640032,"date":"2011-01-26T17:03:26","date_gmt":"2011-01-26T15:03:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/?p=640032"},"modified":"2011-01-26T17:03:26","modified_gmt":"2011-01-26T15:03:26","slug":"erst-die-leute-verjagen-und-dann-jammern-dass-man-keine-mehr-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/01\/26\/erst-die-leute-verjagen-und-dann-jammern-dass-man-keine-mehr-hat\/","title":{"rendered":"Erst die Leute verjagen und dann jammern, dass man keine mehr hat"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt jammern sie wieder, die Unternehmen. Dass man ihnen nicht &#8211; auf Abruf &#8211;\u00a0 neue Facharbeiter frei Haus liefert. Obwohl sie doch gerade jetzt wieder welche brauchen. Kurz: Man ist emp\u00f6rt.<\/p>\n<p>Abgefragt hat diese Emp\u00f6rung die Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft Ernst &amp; Young\u00a0 und zwar beim deutschen Mittelstand. Und der beklagt Umsatzeinbussen von 30 Milliarden Euro. Befragt haben die WP`s daf\u00fcr 3000 mittelst\u00e4ndische Unternehmen mit f\u00fcnf bis 250 Millionen Euro Millionen Euro Umsatz. <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen-maerkte\/fachkraeftemangel-kostet-mittelstaendler-milliarden-454488\/\">http:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen-maerkte\/fachkraeftemangel-kostet-mittelstaendler-milliarden-454488\/<\/a><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Rache des raschen Kostensparens<\/strong><\/p>\n<p>Doch andersherum wird ein Schuh draus. Dem Mittelstand entgehen 30 Milliarden Euro Umsatz, weil er trotz Millionen von Arbeitslosen &#8211; die er selbst zum Teil ja auch mit auf die Strasse gesetzt hat &#8211; den richtigen Moment verpasst hat, sich Leute zu suchen. Oder Leute zu halten oder\u00a0sie notfalls selbst weiterzubilden. Oder erst mal auszubilden. Oder sich Quereinsteiger und Branchenwechsler zu suchen.<\/p>\n<p>Soll das vorausschauende, umsichtige Unternehmensf\u00fchrung sein? Wenn man nur reflexartig reagiert und die Mitarbeiter, kaum dass die ersten Krisenanzeichen erkennbar werden, zu Hunderten oder gar Tausenden in die W\u00fcste schickt? Um rasch Kosten zu sparen und\u00a0 nur ja die Rendite zu sch\u00fctzen? Wenn man das unternehmerische Risiko dadurch auf den einzelnen Mitarbeiter verlagert und,\u00a0kaum dass der absehbare Aufschwung einsetzt,\u00a0 lauthals nach neuen Leuten &#8211; aber bitte mit passender Fachausbildung &#8211; lauthals kr\u00e4ht. Und nat\u00fcrlich nicht nach denselben Menschen, die man vorher leichtfertig weggeschickt hat. Gefragt sind\u00a0viel j\u00fcngere, billigere. Scheinbar bessere eben, weil j\u00fcnger an Jahren.<\/p>\n<p>Ganz platt ausgedr\u00fcckt: Wenn ich alle Schirme wegwerfe, weil ich den Platz im Lager brauche, kann ich nicht anschlie\u00dfend zetern, wenn ich beim n\u00e4chsten Regengu\u00df keine mehr habe. Und dass ich furchtbar viel Geld eingenommen h\u00e4tte, wenn ich diese Schirme jetzt noch h\u00e4tte und teuer verkaufen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Wer durchhielt und nicht einfach nur Personal entlie\u00df oder in Rente schickte, wird jetzt belohnt<\/strong><\/p>\n<p>Dass Ernst &amp; Young dies nun als &#8211; jetzt wissenschaftlich untersuchte &#8211; Neuigkeit verkauft und sich damit auf die Seite ihrer Zielgruppe Mittelstand schl\u00e4gt, war klar: Ernst &amp; Young\u00a0 spielt nur geschickt die Klaviatur. Dass drei von vier Mittelst\u00e4ndlern Schwierigkeiten haben, genug qualifizierte (!) Mitarbeiter zu finden. Und dass &#8211; welche \u00dcberraschung &#8211; deshalb jeder zweite Mittelst\u00e4ndler Umsatzeinbu\u00dfen bef\u00fcrchtet. Das mag bedauerlich sein, war aber absehbar. Es gab durchaus Unternehmen, die die gegenteilige Strategier fuhren und bekannten, dass sie keinen einigen Mitarbeiter gehen liessen. Das d\u00fcrften diejenigen sein, die\u00a0 f\u00fcr ihr Durchhalten nun belohnt werden.<\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Personalchefs haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht, vers\u00fcndigten\u00a0sich an ihrem Unternehmen &#8211; und spielen mit seiner Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Ebensowenig \u00fcberrascht, dass zwei Drittel der Unternehmen in den n\u00e4chsten Jahren mit einer weiteren Zuspitzung der Situation rechnen. Wie sollte es angesichts der lange bekannten Demografie anders sein? Warner gab es genug und das schon seit bald zehn seit Jahren.<\/p>\n<p>Dabei haben die jetzt klagenden Mittelst\u00e4ndler selbst die Schuldigen an Bord: Die Personalchefs, die jahrelang nur eilfertig die Kostensenkungsw\u00fcnsche exekutiert haben, statt R\u00fcckgrat und Verantwortungsbewusstsein zu beweisen und die Unternehmenslenker aufzukl\u00e4ren. \u00dcber das, was man schon jahrelang hat kommen sehen. Offenbar haben die Unternehmenschefs die Personalfrage an Personalchefs delegiert, die<\/p>\n<p>a) entweder v\u00f6llig gedankenlos sind oder<\/p>\n<p>b) willf\u00e4hrig ohne R\u00fcckgrat.<\/p>\n<p>Kann man da tiefes Mitleid empfinden? Irgendwie nicht.<\/p>\n<p><strong>Und das dicke Ende kommt erst noch<\/strong><\/p>\n<p>Die Ernst &amp; Young- Studie weiter: Der Fachkr\u00e4ftemangel werde in Zukunft zu einem erheblichen Problem f\u00fcr die deutsche Wirtschaft werden. Ernst &amp; Young-Mittelstandsprofi Peter Englisch erwartet: &#8222;Der aktuelle Mangel an Fachkr\u00e4ften ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wir in zehn Jahren erleben werden.&#8220; Im Klatext: Noch viel mehr Millionen Umsatzeinbusse drohen.<\/p>\n<p>Etliche Unternehmer untersch\u00e4tzten dieses Problem jedoch noch und h\u00e4tten bislang keinen Plan, wie sie der Herausforderung begegnen k\u00f6nnten, so erkennt Ernst &amp;Young.<\/p>\n<p>Das klingt nun endg\u00fcltig drollig. Der Kausal-Zusammenhang scheint offenbar zu sein und sollte auch den Unternehmenslenkern selbst kaum entgehen k\u00f6nnen. Denn eigentlich bleibt doch nur eins: Leute suchen und sie zur Not selbst qualifizieren &#8211; was sonst?<\/p>\n<p>Und \u00e4hnliches haben\u00a0die Ernst &amp; Young-Studienverantwortlichen nun auch\u00a0eruiert: Dass die Mittelst\u00e4ndler in den kommenden Monaten kr\u00e4ftig Personal einstellen wollen.<\/p>\n<p>Ein kleiner Tipp: Schauen Sie mal in Ihre Gehaltslisten von vor f\u00fcnf Jahren, da sinden Sie genug Namen von Leuten mit Know-how, die heute wom\u00f6glich aufs Rosen-Z\u00fcchten oder Enkel-H\u00fcten unfreiwillig reduziert sind. Und wom\u00f6glich heilfroh w\u00e4ren, wenn sie wieder gefragt sind. Weil sie eigentlich ohnehin zu jung f\u00fcrs Altenteil sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Mittelstandsstudie von Ernst Young enth\u00fcllt, dass den Unternehmen die Mitarbeiter fehlen &#8211; die sie selbst erst gefeuert haben. Was die Studie vornehm verschweigt: Welche Rolle die Personalchefs in diesem Szenario spielen und gespielt haben. Und dass diese Personal-Experten ihre eigentlichen Aufgaben nicht erf\u00fcllt haben: Langfristig die Personallage ihrer Company ordentlich managen &#8211; und nicht kritiklos jede Streichidee des erstbesten Unternehmensberaters vollziehen.   <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/01\/26\/erst-die-leute-verjagen-und-dann-jammern-dass-man-keine-mehr-hat\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[333,358,783,849,949],"class_list":["post-640032","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-ernst-young","tag-facharbeiter","tag-mittelstand","tag-personalchefs","tag-schlagwort-hinzufugen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/640032","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=640032"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/640032\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=640032"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=640032"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=640032"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}