{"id":639888,"date":"2011-01-13T03:40:09","date_gmt":"2011-01-13T01:40:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/?p=639888"},"modified":"2011-01-13T03:40:09","modified_gmt":"2011-01-13T01:40:09","slug":"der-bh-ist-ein-muss-ein-deo-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/01\/13\/der-bh-ist-ein-muss-ein-deo-nicht\/","title":{"rendered":"Der BH ist ein Muss, ein Deo nicht"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Urteile, da reibt man sich erst mal die Augen. Oder fragt sich, ob 1.April ist oder ob der rheinische Karneval einen Einfluss hatte. Zumindest wenn das Urteil aus K\u00f6ln kommt, einer der Karnevalshochburgen. Aber da kein R\u00fcckruf oder eine Warnmeldung erfolgte, muss es wohl ernst gemeint sein: Dass ein Dienstleister f\u00fcr Flughafenkontrollen seinen Mitarbeiterinnen BH\u00b4s, Bustiers oder ein Unterhemd vorschreiben darf. Und dass die Unterw\u00e4sche weiss oder hautfarben sein muss, aber kein Muster, Beschriftungen oder Embleme haben darf. Und wenn jemand bunte Unterw\u00e4sche tr\u00e4gt, d\u00fcrfe sie nicht durchscheinen.<\/p>\n<p>Selbst Feinstrumpfhosen und Socken d\u00fcrfen weder Muster noch N\u00e4hte geschweige denn Laufmaschen haben.\u00a0 Das alles hat das Landesarbeitsgericht K\u00f6ln beschlossen (Aktenzeichen 3 TaBV 15\/10). Vors Gericht gezogen war der Betriebsrat.<\/p>\n<p>Schwer ins Detail gingen die Juristen auch f\u00fcr die M\u00e4nner, die bei diesem Dienstleister arbeiten: Sie d\u00fcrfen niemals fettige oder ungewaschene Haare haben. Nur ein gepflegter Bart ist gestattet, doch ansonsten muss Mann gr\u00fcndlich &#8222;komplettrasiert sein bei Dienstantritt&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Suchen sich die Unternehmen \u00fcberhaupt die richtigen Mitarbeiter?<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem k\u00fcrzlich die UBS aus der Schweiz ihren Bankangestellten ebenfalls auf 30 Seiten Vorschriften machte \u00fcber das Erscheinungsbild, beginne ich mich zu wundern. Was f\u00fcr Leute stellen diese Unternehmen ein? Hauptsache, sie sind billig und vermutlich jung &#8211; und den Rest bringen sie ihnen dann schon bei, zur Not per Zwang? Haben die jungen Leute heute tats\u00e4chlich so wenig Kinderstube, dass sie derlei Dinge von ihren Eltern nicht gelernt haben? <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/2010\/12\/16\/business-behave-dress-code-und-benimm-nachhilfe-bei-der-ubs\/\">http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/2010\/12\/16\/business-behave-dress-code-und-benimm-nachhilfe-bei-der-ubs\/<\/a><\/p>\n<p>Haben diese Unternehmen keine mittlere F\u00fchrungsebene, die mit gutem Vorbild voran geht und auch die nachgeordneten Mitarbeiter einnorden kann? Haben sie keine Unternehmenskultur, die stark genug ist, optisch strauchelnde Mitarbeiter auf Kurs zu bringen?<\/p>\n<p>Sind die Unternehmen so unbest\u00e4ndig geworden, dass der Satz &#8222;das tut man hier nicht&#8220; im Betriebsalltag nicht mehr vorkommt? Dass altgediente Mitarbeiter entweder nicht mehr da sind &#8211; und samt und sonders aus Kostenspargr\u00fcnden in die W\u00fcste geschickt wurden &#8211; oder keine Zeit dazu haben, sich um jungen Kollegen zu k\u00fcmmern und ihnen notfalls deutliche Hinweise zu geben? Wenn jene ungepflegt herumlaufen?<\/p>\n<p><strong>Wo bleiben die Vorgesetzten?<\/strong><\/p>\n<p>Andererseits geh\u00f6rt es durchaus zu den Aufgaben eines Vorgesetzten in solchen Unternehmen, wo das Auftreten der Angestellten eine Rolle spielt, nachgeordneten Mitarbeitern zu sagen, wenn sie zum Beispiel K\u00f6rpergeruch haben.\u00a0 Doch ausgerechnet die Vorschrift eines Unternehmens, allmorgendlich ein wirksames Deo zu benutzen, regelm\u00e4ssig zu duschen und die Unterw\u00e4sche und Oberhemden t\u00e4glich zu wechseln, die vermisse ich. F\u00fcr die besteht n\u00e4mlich in fast jedem Unternehmen, das ich kennen gerlent habe,\u00a0\u00a0 Bedarf. Skunkies sind weit verbreitet, da kommt auch noch soviel Axe-Deo-Werbung, die auf sexy macht, nicht gegen an.<\/p>\n<p><strong>Wer m\u00fcffelt, ist die eigentliche Seuche<\/strong><\/p>\n<p>Und wissen Sie, wann die M\u00fcffeler so richtig unzumutbar werden? Wenn eine Schwangere zum Beispiel im Gro\u00dfraumb\u00fcro mit ihnen R\u00fccken an R\u00fccken sitzten muss. Denn Schwangere nehmen solch unangenehme Ger\u00fcche sehr viel st\u00e4rker wahr, ihr Magen reagiert sehr schnell mit heftiger \u00dcbelkeit undsoweiter.<\/p>\n<p>Fast h\u00e4tte sich ja das Landesarbeitsgericht K\u00f6ln im vergangenen Jahr mit K\u00f6rperger\u00fcchen eines Entlassenen befassen m\u00fcssen &#8211; doch die Richter waren gottfroh, dass es nicht so weit kam: Der geschasste Mitarbeiter hatte noch Probezeit, und somit brauchte der Arbeitgeber ohnehin keinen Grund anzugeben. Punktum. Dabei w\u00e4re solch ein Urteil f\u00fcr viele gequ\u00e4lte Nasen ein wahrer Segen gewesen. Vielleicht w\u00e4ren auch Kunden-Nasen dabei gewesen, &#8211; und nicht nur Kollegen-Nasen.<\/p>\n<p><strong>Was bleibt dem Mitarbeiter \u00fcberlassen? Wo beginnt seine Individualit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Wo die Grenzen liegen? Bei Toupets darf der Arbeitgeber nicht dreinreden und auch nicht bei der Farbe des Nagellacks oder ein mehrfarbiges Muster auf den N\u00e4geln. Aber dass Fingern\u00e4gel nur 0,5 Zentimerter \u00fcber die Kuppe ragen d\u00fcrfen, das dann wieder schon.<\/p>\n<p>PS: Erst k\u00fcrzlich sah ich bei einer Beamtin auf h\u00f6chster Ebene schwarze Spitzenunterw\u00e4sche aus dem Dekollete einer wei\u00dfe0n Bluse aufblitzen. Gelten f\u00fcr die weniger Pflichten als f\u00fcr Servicemitarbeiter oder Banker? Wie war das mit dem Vorbild? An weniger Seriosit\u00e4t kann\u00b4s kaum liegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Landesarbeitsgericht K\u00f6ln erlaubt den Unternehmen, ihren Mitarbeitern BH\u00b4s, Bustiers oder Leibchen vorzuschreiben. Sogar rein wei\u00dfe. Selbst Laufmaschen sind verboten &#8211; wenngleich das Unternehmen nicht die Strumpfhosen stellt. Wie kann es sein, dass solche Anordnungen jetzt pl\u00f6tzlich von den Unternehmen f\u00fcr n\u00f6tig erachtet werden &#8211; fr\u00fcher aber wohl nicht? <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/01\/13\/der-bh-ist-ein-muss-ein-deo-nicht\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[134,170,201,205,299,489,683,690,903,1101],"class_list":["post-639888","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-barte","tag-bh","tag-business-behave","tag-bustier","tag-dress-code","tag-haare","tag-landesarbeitsgericht-koln","tag-laufmasche","tag-rasur","tag-unterwasche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/639888","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=639888"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/639888\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=639888"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=639888"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=639888"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}