{"id":639357,"date":"2010-11-07T16:15:21","date_gmt":"2010-11-07T14:15:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/management\/?p=639357"},"modified":"2010-11-07T16:15:21","modified_gmt":"2010-11-07T14:15:21","slug":"wenn-schauble-seinen-sprecher-offentlich-rund-macht-ist-das-normales-benehmen-aus-ministerien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/11\/07\/wenn-schauble-seinen-sprecher-offentlich-rund-macht-ist-das-normales-benehmen-aus-ministerien\/","title":{"rendered":"Wenn Sch\u00e4uble seinen Sprecher \u00f6ffentlich rund macht &#8211; ist das normales Benehmen aus Ministerien"},"content":{"rendered":"<p>Wenn\u00a0 Finanzminister Wolfgang Sch\u00e4uble \u00f6ffentlich vor -zig  Journalisten seinen Pressesprecher zusammenstaucht &#8211; ist das ein  Ausrutscher? <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uLluh0kPAXo\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uLluh0kPAXo<\/a><\/p>\n<p>Ist  das normaler Umgangston aus Ministerien &#8211; oder am Ende nur politisches  Kalk\u00fcl? Ein Ablenkungsman\u00f6ver von Inhalten? Gabriele Schlegel, Expertin  f\u00fcr das Thema Business Behave mit langj\u00e4hriger internationaler Erfahrung meint: &#8222;Nein, Sch\u00e4uble hat einfach  seine Ver\u00e4rgerung nicht in der Kontext mit der Aussenwirkung gebracht.  Der Pressesprecher hat nun etwas gut.&#8220; Und weiter: Die  Ursache f\u00fcr diese Panne d\u00fcrfte Sch\u00e4ubles schlechter gesundheitlicher  Zustand gewesen sein &#8211; ansonsten war  der ganze Vorfall h\u00f6chst  unprofessionell. Er war beleidigend, geringsch\u00e4tzend und  missachtend.<\/p>\n<p>Jedoch: &#8222;Ich kenne solche Verhalten von Ministern innerhalb der  Ministerien. Die Entschuldigung des Ministers ist dann eine Bef\u00f6rderung  nach drei bis vier Jahren. Das war mein  absolutes Aha-Erlebnis: Akademiker mit viel Erfahrung und besten Examina  lassen sich  wie Schuljungs behandeln.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Gabriele Schlegel erz\u00e4hlt \u00fcber schlechtes Benehmen im Polit-Zirkus:<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-639362 alignleft\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2010\/11\/foto_frau_schlegel2.gif\" alt=\"foto_frau_schlegel2\" width=\"198\" height=\"162\" \/>&#8222;Unternehmen  schreiben sich zunehmend die Einhaltung      eines\u00a0Wertekodex auf die  Fahne, f\u00fcr Ministerien scheint dies aber nicht      zu gelten. H\u00e4ufig  sind Bef\u00f6rderungen von pers\u00f6nlichen Referenten und      Pressesprechern  eine\u00a0Belohnung f\u00fcr wenig respektvollen Umgang, \u00fcber      Jahre  24-st\u00fcndiger Bereitschaft bis zur Servilit\u00e4t. Einer der h\u00f6chsten       Beamten eines wichtigen Ministeriums lief auf Dienstreisen vor dem  Fr\u00fchst\u00fcck      des Ministers an den anderen Tischen vorbei, um  Honigt\u00f6pfchen einzusammeln &#8211;      da der Minister gerne Honig wollte.  Dabei w\u00e4re das Hotel sicher gerne bereit      gewesen, einen Honigtopf  auf den Fr\u00fchst\u00fcckstisch zu stellen. Die bienenflei\u00dfige Aktion  w\u00e4re dann nicht    aufgefallen<\/p>\n<p>Wie  h\u00e4ufig beobachtete ich bei gro\u00dfen Empf\u00e4ngen, dass der      pers\u00f6nliche  Referent sich anstellte, um f\u00fcr seinen Minister etwas von Buffet      zu  holen. Die W\u00fcnsche wurden h\u00e4ufig ohne Augenkontakt zum Fragenden in die       Luft gesprochen.<\/p>\n<p>Ein weiterer  skurriler Fall: Einer der Spitzenbeamten lud zu seinem 50.       Geburtstag den Minister ein und ausschlie\u00dflich f\u00fcr den Minister gab es  einen      Teller mit Sonderspeisen wie Garnelen und\u00a0anderen  Delikatessen\u00a0&#8211;      die auf dem Buffet der &#8222;normalen&#8220; G\u00e4ste nicht zu  finden waren.<\/p>\n<p>Oder: Der Abteilungsleiter einer gro\u00dfen Botschaft  beendete die meisten      Telefonate mit seinen Mitarbeitern, indem er  wortlos auflegte. Auch war er      bekannt daf\u00fcr, Mitarbeitern Fragen zu  stellen &#8211; doch die Antworten gar nicht      abzuwarten. Derselbe Herr  bat mich um Begleitung zum Flughafen &#8211; seine      Ehefrau war in  Deutschland &#8211; , um einen Staatssekret\u00e4r abzuholen. Auf dem      Weg zum  Flughafen \u00fcbersch\u00fcttete er mich mit Anweisungen: Wer, wie, wen       begr\u00fc\u00dft, ich solle nach den W\u00fcnschen des Staatssekret\u00e4rs fragen und       dergleichen mehr. Er ma\u00dfregelte mich in einer mir unbekannten Form und  in      h\u00f6chster Anspannung (vielleicht die Erkl\u00e4rung f\u00fcr das  Verhalten).\u00a0 Nach      einiger Zeit antwortete ich, dass ich nicht  beurteilen k\u00f6nne, ob diese Form      der Kommunikation \u00fcblich sei in der  Abteilung, f\u00fcr mich sei sie\u00a0nicht      \u00fcblich.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdigerweise  &#8211; oder vielleicht logischerweise? &#8211; haben wir uns danach sehr  gut  unterhalten und auch bei sp\u00e4teren Treffen einen auffallend guten  Austausch  gepflegt.<\/p>\n<p>Und gleich noch ein Fall: Die  Handschrift eines Ministers\u00a0war      unlesbar. Auf Reisen wurde aber  nicht bei ihm\u00a0 nachgefragt, sondern der      Text wurde per Fax in das  Ministerb\u00fcro geschickt, da dort eine Mitarbeiterin      den Text  dechiffrieren konnte. Und weil die anschliessenden Termine h\u00e4ufig       eng waren, gab es h\u00e4ufig nervenaufreibenden Zeitdruck, dem Minister den       richtigen Text vorzulegen.<\/p>\n<p>Selbst die Pausen im Bundestag  er\u00f6ffnen vereinzelt \u00fcberraschende      Einblicke: Manche der &#8222;hohen  Herren&#8220; nehmen sich\u00a0einen      Imbiss\u00a0,\u00a0ohne Anstalten zur Bezahlung zu  machen. Man wei\u00df ja, dass      der pers\u00f6nliche Referent das ohne  Aufforderung erledigt. Meine      anf\u00e4ngliche\u00a0Irritation\u00a0hat sich  gelegt, als ich realisierte, dass dieser respektlose Umgang nicht       einmal despektierlich gemeint war, sondern einfach h\u00e4ufig \u00fcblich war.<\/p>\n<p>Ich  bin \u00fcberzeugt, dass Menschen, die nicht in Hab-Acht-Stellung arbeiten       m\u00fcssen, sondern in konstruktiv-professioneller Weise kommunizieren,  bessere      Ergebnisse erreichen. \u00a0In Unternehmen setzt sich diese  Erkenntnis immer      mehr durch. In Beh\u00f6rden und vielleicht noch in  Krankenh\u00e4usern ist      unkritische Gefolgschaft dagegen  karrieref\u00f6rdernd.&#8220;<\/p>\n<p>Lesetipp, was sich auch andere auf dem Berliner Parkett leisten:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:sprecher-und-ihre-chefs-mecker-schaeuble-ist-kein-einzelfall\/50193035.html#link_position=politik_8&amp;utm_source=newsletter&amp;utm_medium=wochenrueckblick_html&amp;utm_campaign=2010_11_12_fr_19:55\">http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:sprecher-und-ihre-chefs-mecker-schaeuble-ist-kein-einzelfall\/50193035.html#link_position=politik_8&amp;utm_source=newsletter&amp;utm_medium=wochenrueckblick_html&amp;utm_campaign=2010_11_12_fr_19:55<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel erz\u00e4hlt \u00fcber schlechten Benimm nicht nur im Fall von Wolfgang Sch\u00e4uble sondern auch bei anderen Ministern und  Staatssekret\u00e4ren. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/11\/07\/wenn-schauble-seinen-sprecher-offentlich-rund-macht-ist-das-normales-benehmen-aus-ministerien\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[202,340,426,1188],"class_list":["post-639357","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-business-behaviour","tag-etikette","tag-gabriele-schlegel","tag-wolfgang-schauble"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/639357","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=639357"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/639357\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=639357"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=639357"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=639357"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}