{"id":638868,"date":"2010-07-19T21:20:33","date_gmt":"2010-07-19T19:20:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/?p=638868"},"modified":"2010-07-19T21:20:33","modified_gmt":"2010-07-19T19:20:33","slug":"kaputt-gespart-oder-wenn-die-rheinbahn-von-der-alljahrlichen-kirmes-uberrascht-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/07\/19\/kaputt-gespart-oder-wenn-die-rheinbahn-von-der-alljahrlichen-kirmes-uberrascht-wird\/","title":{"rendered":"Kaputt gespart? Oder: Wenn die Rheinbahn von der allj\u00e4hrlichen Kirmes \u00fcberrascht wird"},"content":{"rendered":"<p>Wann immer ein Unternehmen wieder von seinen Erl\u00f6sverbesserungen aufgrund von Sparmassnahmen berichtete, wird einem als Beobachter mulmig: Schon wieder keine echten Zukunftsperspektiven, keine Eroberung neuer Gesch\u00e4ftsfelder, die Manager haben nichts Kreatives zur Umsatzausweitung im K\u00f6cher &#8211; nur neue Damoklesschwerter. Das Risiko: Kaputtsparen. So verk\u00fcndete gerade der Elektronikkonzern Philips, dass er &#8222;im zweiten Quartal  von der Belebung der weltweiten Wirtschaft und Sparbem\u00fchungen  profitiert. <!--more-->Zwischen April und Ende Juni ist der Erl\u00f6s um zw\u00f6lf Prozent auf 6,2 Milliarden Euro gestiegen.&#8220;<\/p>\n<p>Und man fragt sich, wie die Sparbem\u00fchungen tats\u00e4chlich abgelaufen sind. Ob einfach nur gestrichen wurde &#8211; Personal, Arbeitsmittel, Investitionen, Wartungsmassnahmen, was auch immer, was vorher auch nicht aus Jux und Dollerei bezahlt wurde &#8211; und die Abteilungen mit der Bew\u00e4ltigung der neuen Mangelsituation einfach allein gelassen werden. Oder ob tats\u00e4chlich mal ein Unternehmen sich die M\u00fche macht und die Kosten investiert, vorher abzukl\u00e4ren, ob die richtigen Kosten gespart werden und wie es vor allem hinterher weitergehen soll. Ganz grob gesagt.<\/p>\n<p>Denn: Unternehmensberater machen sich meist nicht die M\u00fche &#8211; oder werden gar nicht erst daf\u00fcr bezahlt: Nur selten sprechen sie mit den Mitarbeitern an der Basis oder an der Front, wer was macht und ob diese Leistung oder der Mitarbeiter tats\u00e4chlich ersatzlos verzichtbar ist, erz\u00e4hlt Manfred Fink, Professor am Lehrstuhl f\u00fcr Unternehmensberater an der FH Bonn Rhein-Sieg. Sie beschr\u00e4nken sich meist auf gro\u00dfe Rechnereien, theoretische Zahlenspiele &#8211; ohne Ber\u00fccksichtigung des konkreten Unternehmens, der Kundenbed\u00fcrfnisse undsoweiter.<\/p>\n<p>Ein Beispiel der Kategorie Zuviel-Gespart liefert gerade erst die Rheinbahn in D\u00fcsseldorf. Nebenbei: Ob Unternehmensberater dort zuvor am Werke waren? Ich weiss es nicht, aber da gibt das Unternehmen in der &#8222;Rheinischen Post&#8220; (RP) zu: F\u00fcrs Steuern der Stra\u00dfenbahnen und Bussen der Landeshauptstadt fehlen aktuell 25 bis 30 Fahrer. Denn: Der Krankenstand der Rheinbahnfahrer liegt momentan zwei Prozent \u00fcber dem Jahresschnitt &#8211; zu einem Zeitpunkt, in dem besonders viele Fahrer gebraucht werden. Denn im Juli eines jeden Jahres &#8211; welche \u00dcberraschung &#8211; ist in D\u00fcsseldorf &#8222;Gro\u00dfe Kirmes&#8220; mit Hunderttausenden von Besuchern. Und obendrein: D\u00fcsseldorfs City ist seit gut einem Jahr eine einzige gro\u00dfe Baustelle, die etliche H\u00e4ndler in Bedr\u00e4ngnis bringt, der lokalen Wirtschaft erheblich schadet und wohl auch der Rheinbahn zusetzt.<\/p>\n<p>Zur besseren Einordnung schreibt die RP: Insgesamt ben\u00f6tigt die Rheinbahn in Spitzenzeiten 200 Fahrer. Die st\u00e4dtischen Baustellen wirken sich auch auf die  Personalnot aus,  weil auf gesperrten Strecken Busse statt Bahnen fahren  und deshalb  mehr Fahrer f\u00fcr dieselbe Menge Fahrg\u00e4ste ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p>Die RP liefert auch gleich die Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Missstand: Die Personalnot ist die Kehrseite der verbesserten  Betriebsergebnisse  in den vergangenen Jahren. Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher: &#8222;Wir sind  schlanker geworden,  deshalb gibt es mittlerweile keine gro\u00dfe Reserven  mehr bei Fahrern und  Fahrzeugen.&#8220;<\/p>\n<p>Sprich: Man hat &#8222;auf Kante gen\u00e4ht&#8220; wie man im Volksmund sagt. Darf ein umsichtiger Kaufmann das tun? Darf er volles Risiko fahren und auf Reserven verzichten?<\/p>\n<p>Die Rheinbahn-Fahrer d\u00fcrfen nicht einfach l\u00e4nger fahren. Allein schon wegen gesetzlicher Vorschriften. Und Leute, die die entsprechende Fahrberechtigung haben, d\u00fcrften sich auch nicht mal so eben bei einem Leiharbeitsunternehmen besorgen lassen. Oder aus der Rente oder dem Vorruhestand zur\u00fcckholen.<\/p>\n<p>Dass solche Engp\u00e4sse ganz schnell auftreten k\u00f6nnen, l\u00e4sst sich als Manager voraussehen. Und man kann Vorsorge treffen, solange noch kein Juli ist &#8211; mit Kirmes auf den Rheinwiesen &#8211; und wenn man obendrein merkt, dass die City seit \u00fcber einem Jahr keine freie Fahrt mehr bietet.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small\">Dem Handelsblatt sagte Rheinbahn-Sprecher Schumacher: &#8222;Zwar hat die Rheinbahn in den vergangenen 15 Jahren  deutlich abgespeckt von \u00fcber 4000 auf rund 2600 Mitarbeiter. Aber wir   haben noch immer 1350 Fahrer &#8211; und diese Zahl ist auch die eiserne  Untergrenze.  Allein schon wegen arbeitsrechtliche Vorschriften d\u00fcrfen  es nicht weniger sein.  Abgebaut hat die Rheinbahn mehr in der  Verwaltung und den Werkst\u00e4tten.&#8220; Und er beteuert: &#8222;Selbst wenn es auch bei uns  Arbeitsverdichtung gibt, so gef\u00e4hrden wir nie das  Kernprodukt, das  Fahren draussen.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Doch im\u00a0 \u00fcbrigen kann die D\u00fcsseldorfer Rheinbahn froh sein, wenn ihre Spar-Politik nicht so Sch\u00e4den verursacht, wie die der Berliner S-Bahn: Wo die Manager auf die wirklich sagenfhafte Idee kamen, die Wartungsarbeiten einzusparen &#8211; mit dem bekannten Erfolg. Sch\u00e4den in Millionenh\u00f6he.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/2010\/02\/25\/pr-trick-wenn-anwalte-gutachten-persilscheine-sein-sollen\/\">http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/2010\/02\/25\/pr-trick-wenn-anwalte-gutachten-persilscheine-sein-sollen\/<\/a><\/p>\n<p>Die &#8222;Rheinische Post&#8220; zeigt auf, dass drei Rheinbahn-Manager schon vor Jahren Geldstrafen zahlen mussten, weil sie zu verantworten hatten, dass Fahrer zu lange arbeiteten. Das Amt f\u00fcr Arbeitsschutz hatte massive Verst\u00f6sse festgestellt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/duesseldorf\/duesseldorf-stadt\/nachrichten\/Rheinbahn-drohen-Ausfaelle_aid_884342.html\">http:\/\/www.rp-online.de\/duesseldorf\/duesseldorf-stadt\/nachrichten\/Rheinbahn-drohen-Ausfaelle_aid_884342.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann immer ein Unternehmen wieder von seinen Erl\u00f6sverbesserungen aufgrund von Sparmassnahmen berichtete, wird einem als Beobachter mulmig: Schon wieder keine echten Zukunftsperspektiven, keine Eroberung neuer Gesch\u00e4ftsfelder, die Manager haben nichts Kreatives zur Umsatzausweitung im K\u00f6cher &#8211; nur neue Damoklesschwerter. 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