{"id":638860,"date":"2010-07-16T01:47:51","date_gmt":"2010-07-15T23:47:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/?p=638860"},"modified":"2016-09-06T19:31:55","modified_gmt":"2016-09-06T17:31:55","slug":"eine-jugendgefahrdende-schrift-die-aber-deutsche-karrieren-sichert-wer-hilfsbereit-ist-ist-nur-blod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/07\/16\/eine-jugendgefahrdende-schrift-die-aber-deutsche-karrieren-sichert-wer-hilfsbereit-ist-ist-nur-blod\/","title":{"rendered":"Eine jugendgef\u00e4hrdende Schrift, die aber deutsche Karrieren sichert &#8211; wer hilfsbereit ist, ist nur bl\u00f6d"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Da gibt es ein Buch 368 Seiten stark, in schlichtem orange gehalten, das sich frechweg Bibel nennt. Genauer gesagt &#8222;Die B\u00fcro-Alltags-Bibel&#8220;. Doch mit Christentum hat der Inhalt eigentlich so gar nichts zu tun, im Gegenteil. Es ist eher eine jugendgef\u00e4hrdende Schrift.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-662415\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2010\/07\/cover.mai_.karrierebibel-193x300.jpg\" alt=\"cover.mai.karrierebibel\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2010\/07\/cover.mai_.karrierebibel-193x300.jpg 193w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2010\/07\/cover.mai_.karrierebibel.jpg 321w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/p>\n<p>Verfasst hat das Werk mein gesch\u00e4tzter Kollege Jochen Mai, Ressortleiter bei der &#8222;Wirtschaftswoche&#8220; und Experte f\u00fcr Karriere- und Erfolgsthemen. Warum dieses Handbuch ( Deutscher Taschenbuch Verlag, 14,90 Euro ) nun jugendgef\u00e4rdend sein soll? Ganz einfach: Da versucht man jahrelang nach Kr\u00e4ften, seinen Kinder Werte beizubringen &#8211; soziales Verhalten, politisch korrekt-sein vor allen Dingen. Man meldet sie zu einer Teamsportart an und l\u00e4sst sie vielleicht auch konfirmieren oder zur heiligen Kommunion gehen. Jahrelang bringt man sich als Eltern ein: im Kindergarten beim Laternen-Basteln, im Sportclub durch Br\u00f6tchen-Schmieren f\u00fcrs Turnier-Buffet oder vielleicht sogar durch Anstreichen von Klassenzimmern.<br \/>\nKurz: Man versucht, anst\u00e4ndige Menschen aus ihnen zu machen &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes, &#8211; mit Anstand. Hilfsbereit, ehrlich, r\u00fccksichtsvoll. Besonders gegen\u00fcber denen, die es n\u00f6tiger haben als andere,\u00a0 Behinderte\u00a0 etwa . Oder niemanden zu diskriminieren, das ist ganz wichtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Im Berufsleben den Schalter umlegen<\/strong><br \/>\nUnd dann, dann kommt der Eintritt ins Berufsleben. Jetzt pl\u00f6tzlich \u00fcberlebt nur noch der, wer ganz schnell begreift, dass der Schalter jetzt sofort umgelegt werden muss, von Gutmensch auf Wolf. Manchmal vielleicht im Schafspelz, aber darunter stets Wolf.<br \/>\nDas alles kann man als Leser in Jochen Mais Karriere-Bibel &#8211; er twittert \u00fcbrigens auch als &#8222;karrierebibel&#8220; &#8211; en detail nachlesen und sie aufr\u00fcsten.\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-B%C3%BCro-Alltags-Bibel-Alle-Regeln-Gesetze\/dp\/3423247622\/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1279235022&amp;sr=8-2 .\">http:\/\/www.amazon.de\/Die-B%C3%BCro-Alltags-Bibel-Alle-Regeln-Gesetze\/dp\/3423247622\/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1279235022&amp;sr=8-2 .<\/a><br \/>\nDas Fazit: Berufsleben ist Krieg. &#8222;Es wird geschwiegen und gelangweilt, drangsaliert und geschuriegelt. Und daf\u00fcr kaum noch gelobt, gescherzt, gelacht&#8220;, schreibt Jochen Mai.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Im Betrieb nie heiter sein, so ein Rat<\/strong><\/p>\n<p>Und er desillusioniert weiter: &#8222;Heiterkeit im Betrieb hat ein Imageproblem. Gut gelaunte Mitarbeiter stehen oft unter dem Generalverdacht, dass es ihnen zu gut geht. Dass diejenigen nicht mehr auf die Jagd gehen und sich nicht genug anstrengen &#8211; sie seien zu zufrieden mit sich. Entsprechend ernst geht es in den Unternehmen zu.<br \/>\nDa hat Jochen Mai besonders recht: meine franz\u00f6sischen Freunde und andere, die aus dem Ausland kommen und in unsere Unternehmen hineinschnuppern, sind meist sehr entt\u00e4uscht. Niemand l\u00e4chelt ihnen ermunternd zu, niemand lacht und erst recht nimmt sie kein Kollege mal abends mit nach Hause in seine Familie. So wie es in den USA \u00fcblich ist.<br \/>\nKurze Zwischenfrage: Wann ist bei Ihnen zum letzten Mal ein Kollege vorbeigekommen und hat f\u00fcr ein Abschiedsgeschenk oder ein Geburtstagspr\u00e4sent f\u00fcr einen Kollegen gesammelt? Abgesehen davon, dass man bei den ersteren heute gar nicht mehr nachk\u00e4me und es einfach zu viele Kollegen sind, die vom Karussel gedr\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wohlt\u00e4ter werden nicht respektiert<\/strong><\/p>\n<p>Doch weiter im Text zur Karriere-Bibel: &#8222;Nette, hilfsbereite Kollegen sind der Humus, auf dem das gute Betriebsklima gedeiht&#8220;, liest man da.\u00a0 Dass jene sich aufopfern, ungeheuer sozial seien &#8211; aber eben vor allem ungeheuer bl\u00f6d. Schliesslich hat jeder Stress und ist heute arbeitsverdichtet. Wer sich mit zus\u00e4tzlichen Projekten \u00fcberrumpeln l\u00e4sst &#8211; von jemandem, der nur die Arbeit auf andere abw\u00e4lzen will. Oder sein eigenes Risiko minieren m\u00f6chte nach dem Motto, geht der Auftrag in die Hose, ist der Helfer schuld. Schafft er es, f\u00fchlt sich nur der Boss best\u00e4tigt. Am schlimmsten: &#8222;Die Wohlt\u00e4ter wirken wenig souver\u00e4n und werden am Ende weniger respektiert als jene, die z\u00f6gern und ab und an einfach \u00b4nein\u00b4 sagen.&#8220; Es folgen&#8230;Tipps f\u00fcrs Ablehnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nie einfach Mittagspause machen<\/strong><\/p>\n<p>Oder die Mittagspause. Wer einfach aus Spa\u00df an der Freud &#8211; die Pause, so der Irrtum, ist pers\u00f6nliche Zeit &#8211; mit Lieblingskollegen essen geht und Spa\u00df haben will, der hat schon verloren. Wer mit wem isst, ist wichtig. Wer mittags umworben wird. Wer die Gruppe unterh\u00e4lt, wer beklatscht wird und auf wen man wartet.<br \/>\nAm Schreibtisch zu essen kommt \u00fcbrigens gar nicht infrage, es sieht einfach nicht souver\u00e4n aus: Das Klappbrot im Mundwinkel. Niemand, der am Schreibtisch vor einer bunten Plastikbox sitzt mit der Leberwurststulle wirkt wie ein dynamischer Aufsteiger, der n\u00e4chstes Jahr die Verantwortung f\u00fcr 300 Mitarbeiter bekommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Setzen Sie sich ins Szene beim Chef<\/strong><br \/>\nJochen Mai erkl\u00e4rt: Die Mittagspause ist eine Investition ins eigene Netzwerk.<br \/>\nUnd jetzt kommt noch eine Eigenschaft, die vor allem die Frauen im Job dringend ablegen m\u00fcssen: Bescheidenheit. &#8222;Wann immer sie k\u00f6nnen, setzen Sie sich geschickt in Szene, vor allem gegen\u00fcber Ihrem Chef&#8220;, r\u00e4t Mai. Und: Vorgesetzte haben einen nat\u00fcrlichen Erinnerungsdefekt, welche Aufgaben sie vergeben und welche Erfolge ihre Mitarbeiter damit erzielt haben. Man solle regelm\u00e4\u00dfig Zwischenberichte abliefern, en passent die Fortschritte referieren &#8211; und nie schweigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Chefs und Regeln-einhalten? N\u00f6, nur von anderen fordern<\/strong><br \/>\nJochen Mais Erkenntnisse sind ern\u00fcchternd wie realistisch:Viele Chefs betrachten Personalf\u00fchrung als l\u00e4stige Zusatzverpflichtung. Ihr F\u00fchrungswissen ist oft d\u00fcrftig. Und wenn Menschen einflussreicher werden, fokussieren sie sich a) mehr auf die Befriedigung der eigenen Bed\u00fcrfnisse und k\u00fcmmern sich b) weniger um die Bed\u00fcrfnisse ihrer Untergebenen und c) halten sie sich immer weniger an die Regeln, deren Einhaltung sie von allen anderen erwarten.<\/p>\n<p>Na denn fr\u00f6hliches Schaffen. Wie viele Leben haben Sie denn so?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit fiesem Chef wird man selbst Fiesling<\/strong><\/p>\n<p>Und folgerichtig r\u00e4t Jochen Mai in letzter Konsequenz, wenn der Chef eine echte Giftspritze ist: Wechseln Sie die Abteilung oder die Company &#8211; sonst werden sie selbst automatisch zum Fiesling. Weil man unbewusst die Gef\u00fchle und Verhaltensweisen seiner Umwelt \u00fcbernimmt. Mit anderen Worten: Fiese Chefs sind ansteckend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gute und schlechte Pl\u00e4tze zum Arbeiten<\/strong><\/p>\n<p>Und wie sagt immer meine Freundin? &#8222;Es gibt gute und schlechte Pl\u00e4tze zum Arbeiten.&#8220; Erstere werden von ihren Mitarbeitern im Verwandtenkreis weiter empfohlen. Bei letzteren jaulen die Mitarbeiter nur auf, wenn sie im Sportclub drauf angesprochen werden. Und was die Unternehmen immer noch nicht verstanden haben: Wer im Alltag als m\u00fcndiger B\u00fcrger eingestuft wird &#8211; mit allen Rechten und Pflichten &#8211; l\u00e4sst sich auf Dauer nicht im Job wie ein Dummi behandeln. Sp\u00e4testens wenn in rund f\u00fcnf Jahren &#8211; so sagen die Demografie-Experten voraus &#8211; die Demografie kippt und Fachleute &#8211; sogar Frauen &#8211; hierzulande dringend gebraucht werden und Unternehmen wieder um Mitarbeiter buhlen m\u00fcssen. Nicht umsonst sind die Wettbewerbe wie &#8222;Best Places to Work&#8220; bei zukunftsorientiertesten Unternehmen schon heute als gutes Marketingsinstrument angesehen. Und Firmen, die ihr Image verspielt haben, werden es dann nicht mal so eben wiederherstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Da gibt es ein Buch 368 Seiten stark, in schlichtem orange gehalten, das sich frechweg Bibel nennt. Genauer gesagt &#8222;Die B\u00fcro-Alltags-Bibel&#8220;. Doch mit Christentum hat der Inhalt eigentlich so gar nichts zu tun, im Gegenteil. 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