{"id":638843,"date":"2010-07-14T01:19:38","date_gmt":"2010-07-13T23:19:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/?p=638843"},"modified":"2010-07-14T01:19:38","modified_gmt":"2010-07-13T23:19:38","slug":"die-apotheke-die-noch-perfekter-ist-als-eine-bank-und-wo-jeder-diskret-sein-viagra-ordern-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/07\/14\/die-apotheke-die-noch-perfekter-ist-als-eine-bank-und-wo-jeder-diskret-sein-viagra-ordern-kann\/","title":{"rendered":"Die Apotheke, die noch perfekter ist als eine Bank &#8211; und wo jeder diskret sein Viagra ordern kann"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich ist meine Apotheke\u00a0 &#8211; sie liegt im D\u00fcsseldorfer Zooviertel &#8211; nur zwei H\u00e4user weiter gezogen, aber ich kam mir in dem neuen riesigen Raum heute vor wie im Raumschiff Enterprise. Kein Vergleich mehr mit der fr\u00fcheren Apotheke, die auch schon keineswegs &#8218;old fashioned&#8216; war, im Gegenteil. Doch nun: Ein meterlanger Thresen, unterbrochen von Glasscheiben, die quasi im Raum schweben.<!--more--> Nicht klares Glas, sondern eine Art Milchglas. In jeder dieser Boxen steht je eine Apothekerin und wenn man an sie herantritt, kann sie auf einen Zauberknopf dr\u00fccken &#8211;\u00a0 und die Scheiben f\u00e4rben sich dann pl\u00f6tzlich dunkler, so dass sie v\u00f6llig blickdicht sind. Man steht als Kunde pl\u00f6tzlich in einer Art Raum im Raum, der schallisoliert ist. Im Zwiegespr\u00e4ch mit der Apothekerin seines Vertrauens und nur noch auf die Birkenstock-Sandalen desjenigen blickend, der nebenan, hinter der Scheibe steht, um seine Kopfschmerztabletten zu bestellen. Oder war es doch Viagra, so dass er vor den Blicken der anderen Kunden gesch\u00fctzt sein will? So muss es wohl sein, so viel Diskretionsbed\u00fcrfnis, wie hier n\u00f6tig scheint.<\/p>\n<p>Man \u00e4ussert seinen Wunsch, bespricht noch vielleicht, wie oft man die Medizin nehmen muss und die Apothekerin tippt fleissig in ihren PC &#8211; nachdem sie ihre Zugangskarte hinein eingesteckt hat. Kittel gibts hier nicht mehr, alle sind uniformiert in rotem Polo-Shirt, weisser Hose und roten Schlappen &#8211; und alle Damen mit demselben schwarzen, tiefsitzenden Leibriemen. Wie ein Cowboy-G\u00fcrtel, doch bewaffnet mit Kuli und PC-Zugangsk\u00e4rtchen. Das ist ganz wichtig, damit alles nachweisbar ist, erfahre ich. Wer was eingetippt und rausgegeben hat. Und dann poltert pl\u00f6tzlich hinter der Apothekerin aus einer Art Medikamenten-Rutsche die Tablettenpackung &#8211; ganz so, als s\u00e4sse Apotheker Dr. M\u00fcller hinter der Wand und werfe die Medikamente h\u00f6chstpers\u00f6nlich raus.<\/p>\n<p>Schneller ging das Ganze nicht, billiger ist es auch nicht, aber kein anderer Kunde h\u00f6rt mehr, was ich ordere. Und ich kann auch mit keinem anderen Kunden einen Small-Talk halten. Schade irgendwie. Und als ich mich herumdrehe und aus der Box gehe, warten brav in einer Schlange die drei n\u00e4chsten Kunden &#8211; und schauen, wie am Flughafen, wo zuerst ein Schalter frei wird. Wobei ich beim Flughafen nicht in eine Art Box treten muss, um mein Ticket zu holen oder Koffer aufzugeben. Die Apothekerin jedenfalls findet die aufw\u00e4ndige Glas-Konstruktion klasse. Jetzt, &#8211; am Anfang war sie noch skeptisch, sagt sie. Ich witzle, dass die Albert-Schweitzer-Apotheke nun wohl D\u00fcsseldorfs modernste Apotheke sei &#8211; und das ist sie vermutlich auch. Darin sind wir uns dann einig.<\/p>\n<p>Meine Kinder jedenfalls sind begeistert, dass es eine gro\u00dfe Kinderspielecke gibt, die jede Arztpraxis vor Neid erblassen liesse. Und ich bekomme zum Abschied vier pinkfarbene Gerberas in die Hand gedr\u00fcckt. Das bringt beim Rheinl\u00e4nder auch Pluspunkte.<\/p>\n<p>Nur Parkpl\u00e4tze, die gibt es jetzt nicht mehr direkt vor der Eingangst\u00fcr &#8211; und dieser Nachteil, der k\u00f6nnte auf lange Sicht echt zu Buche schlagen. Denn in die neue kostenpflichtige Garage mit den Kundenparkpl\u00e4tzen f\u00e4hrt man nicht mal so eben &#8211; die ist eine echte H\u00fcrde. Selbst wenn man von den freundlichen Damen in den roten Polo-Shirts ein kostenloses Ausfahrticket bekommen kann. Da sollte das Marketing nochmal dr\u00fcber nachdenken.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-638857 alignleft\" src=\"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/files\/2010\/07\/apotheke-168x164.png\" alt=\"\" width=\"268\" height=\"260\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/Users\/CLAUDIA\/AppData\/Local\/Temp\/moz-screenshot-1.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/Users\/CLAUDIA\/AppData\/Local\/Temp\/moz-screenshot-2.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/Users\/CLAUDIA\/AppData\/Local\/Temp\/moz-screenshot.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da f\u00fchrt eine Apotheke pl\u00f6tzlich Trennw\u00e4nde zwischen den Kunden ein, wie man sie sich von einer Bank w\u00fcnschen w\u00fcrde. Und bei n\u00e4herem Hinsehen wird klar, dass diese Apotheke mitten in D\u00fcsseldorf wegweisend werden k\u00f6nnte. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/07\/14\/die-apotheke-die-noch-perfekter-ist-als-eine-bank-und-wo-jeder-diskret-sein-viagra-ordern-kann\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[668,747],"class_list":["post-638843","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-standard","tag-kundenorientierung","tag-marketing"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/638843","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=638843"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/638843\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=638843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=638843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=638843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}