{"id":638836,"date":"2010-07-11T23:36:43","date_gmt":"2010-07-11T21:36:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/?p=638836"},"modified":"2010-07-11T23:36:43","modified_gmt":"2010-07-11T21:36:43","slug":"brutaler-jugendwahn-und-warum-die-unternehmen-chefstellen-gerne-eine-weile-unbesetzt-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/07\/11\/brutaler-jugendwahn-und-warum-die-unternehmen-chefstellen-gerne-eine-weile-unbesetzt-lassen\/","title":{"rendered":"Brutaler Jugendwahn &#8211; und warum die Unternehmen Chefstellen gerne eine Weile unbesetzt lassen"},"content":{"rendered":"<p>Da entr\u00fcstet sich die 40-j\u00e4hrige Schauspielerin Anja Kling, das Fernsehgesch\u00e4ft sei &#8222;brutal&#8220;. Es gebe kaum Angebote f\u00fcr Frauen, &#8222;die so alt aussehen wie sie sind&#8220; und sie k\u00e4me nur auf zehn Frauen \u00fcber 50, die gut zu tun haben. Ach so? Hat Sie es auch schon gemerkt? Nur: vor zehn Jahren war das nicht anders &#8211; aber da h\u00e4tte es sie vermutlich nicht gest\u00f6rt. Stattdessen h\u00e4tte sie sich einfach insgeheim gefreut, dass sie als J\u00fcngere die sch\u00f6nen Rollen bekam und keine andere. Eine, die vielleicht schon 40 Jahre z\u00e4hlte oder mehr eben nicht.<\/p>\n<p>Sprich, sobald der Zahn der Zeit an einem selbst nagt, sieht man die Sache mit dem Jugendwahn pl\u00f6tzlich ganz anders: Kling kenne die Sorge, dass man pl\u00f6tzlich &#8222;durch dieses merkw\u00fcrdige Raster f\u00e4llt&#8220;.<\/p>\n<p>Zum anderen: Nur das Fernsehgesch\u00e4ft soll so brutal sein? <!--more-->In anderen Branchen ist es nicht anders, da ist es nur nicht so augenf\u00e4llig f\u00fcr ein Millionenpublikum. Vor allem: Da trifft es nicht nur Frauen, sondern auch M\u00e4nner. Wer die 50 \u00fcberschritten hat, dessen Name f\u00e4llt sofort den Vorgesetzten ein, wenn\u00b4s in die n\u00e4chste K\u00fcndigungsrunde geht. Dass gerade in akademischen Berufen die Karriere \u00fcberhaupt erst ab 30 losgeht, ist dann vergessen. Dass Know-how und Erfahrung f\u00fcr die Company wertvoll ist und Kontakte eben nicht ersetzlich sind. Wissensmanagement? Theoretisch ganz prima, praktisch gelebt? Noch nie.<\/p>\n<p>Zudem: Immer noch ist vieles Nasengesch\u00e4ft. Die Verbindungen innerhalb der Branche, Kontakte zu entscheidenden Gesch\u00e4ftspartnern, Kenntnis um und rascher Zugang zu den wirklich Wichtigen &#8211; das ist nichts, was auf einen Nachfolger \u00fcbergeht.Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Inbesondere weil heute niemand mehr seinen eigenen Nachfolger eine zeitlang einarbeitet, in der Branche herumzeigt, ihm Kniffe beibringt undundund. Der Regelfall ist eher, dass auch wichtige Jobs erst mal eine Weile verwaist sind. Drei Monate, sechs Monate, neun Monate, alles normal heute. Die Abwesenheit des Alten und Neuen &#8211; das Vakuum &#8211; wird sogar dazu genutzt wird, um schnell dessen Mitarbeiterzahl zu rasieren. Schlie\u00dflich ist die Gelegenheit g\u00fcnstig, wenn die Mitarbeiter schutzlos sind und niemand mehr da ist, der ihre Arbeit zu sch\u00e4tzen weiss und sich vor sie stellt. Weil er sie braucht. Wenn jeder F\u00fcrsprecher fehlt, kommen gerade die loyalsten, stets unauff\u00e4lligen und zuverl\u00e4ssigen Leute eher unter die R\u00e4der aus die Blender, die nur an die eigene Karriere denken und nicht ans Wohl der Firma.<\/p>\n<p>Ob diese Vorgehensweise klug ist und den Unternehmen auf lange Sicht schadet, mit den Fragen qu\u00e4len sich die Bad Guys, deren pers\u00f6nliche Pr\u00e4mien sich je abgeschossenem Mitarbeiter erh\u00f6hen, nicht. Im Gegenteil, je weniger sie wissen, umso lieber ist es ihnen. Umso unbelaster sind sie.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zum Thema Jugendwahn: Ein Architekt\/Baunternehmer mit 52 Jahren, der Deutschland den R\u00fccken kehrte und in die Schweiz ging, bekam dort auf neun Bewerbungen hin f\u00fcnf konkrete Stellenangebote. &#8222;Das w\u00e4re mir in Deutschland nie passiert.&#8220; Und vor allem: &#8222;Das Betriebsklima ist in der Schweiz so viel besser. Man geht so respektvoll miteinander um, Kritik erfolge h\u00f6flich verpackt.&#8220; Das geht. Vielleicht sollte man deutsche Manager zum Nachhilfeunterricht in die Schweiz schicken?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/public\/kompakt\/gesellschaft\/880538\/Anja-Kling-findet-ihr-Metier-brutal.html\">http:\/\/www.rp-online.de\/public\/kompakt\/gesellschaft\/880538\/Anja-Kling-findet-ihr-Metier-brutal.html<\/a><\/p>\n<p>\/\/<br \/>\n\/\/ ]]&gt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da entr\u00fcstet sich die 40-j\u00e4hrige Schauspielerin Anja Kling, das Fernsehgesch\u00e4ft sei &#8222;brutal&#8220;. Es gebe kaum Angebote f\u00fcr Frauen, &#8222;die so alt aussehen wie sie sind&#8220; und sie k\u00e4me nur auf zehn Frauen \u00fcber 50, die gut zu tun haben. 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