{"id":638794,"date":"2010-06-26T22:50:00","date_gmt":"2010-06-26T20:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/?p=638794"},"modified":"2013-06-15T02:21:50","modified_gmt":"2013-06-15T00:21:50","slug":"bloss-nicht-alle-alten-unterlagen-wegwerfen-es-konnte-millionen-kosten-%e2%80%93-wenn-die-firma-verteidigungsunfahig-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/06\/26\/bloss-nicht-alle-alten-unterlagen-wegwerfen-es-konnte-millionen-kosten-%e2%80%93-wenn-die-firma-verteidigungsunfahig-wird\/","title":{"rendered":"Bloss nicht alle alten Unterlagen wegwerfen, es k\u00f6nnte Millionen kosten \u2013 wenn die Firma verteidigungsunf\u00e4hig wird"},"content":{"rendered":"<p>\u201cGleiss Lutz erwirkt im Sanit\u00e4r-Kartellverfahren Freispruch f\u00fcr Geberit\u201d lautet die Pressemitteilung der Kanzlei, die Seltenheitswert hat.<!--more--> Nicht nur weil die Europ\u00e4ische Kommission im gleichen Moment gegen 17 andere Sanit\u00e4rhersteller \u2013 zum Beispiel Villeroy &amp; Boch, Dornbracht, Duravit, Grohe, Hansa und Kludi &#8211; Geldbu\u00dfen\u00a0 von insgesamt EUR 622 Millionen wegen Beteiligung an einem Kartell bei Badezimmerausstattungen verh\u00e4ngt hatte. Denn nach den Feststellungen der Kommission hatten die Sanit\u00e4rhersteller bis 2004 jahrelang Preiserh\u00f6hungen bei Badarmaturen, Duschabtrennungen und Sanit\u00e4rkeramik abgesprochen und sensible Gesch\u00e4ftsinformationen ausgetauscht. Gleiss: Es war eins der gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Kartellverfahren der letzten Jahre und richtete sich gegen insgesamt 19 Unternehmen. Der Marktwert der drei Produktkategorien in den sechs betroffenen Staaten (Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Niederlande und \u00d6sterreich) wurde auf 2,8 Milliarden Euro im Jahr 2004 gesch\u00e4tzt. Die Dachverb\u00e4nde hatten erm\u00f6glicht, dass die Produzenten Preiserh\u00f6hungen, Mindestpreise und Rabatte f\u00fcr die gesamte Badeinrichtung vereinbarten und vertrauliche Gesch\u00e4ftsinformationen austauschten. Die Ermittlungen dauerten fast sechs Jahre, auch Geberit war der Beteiligung an dem illegalen Kartell beschuldigt worden.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Alter Papierkram kann Millionen Euro wert sein<\/strong><\/p>\n<p>Jedoch: Geberit gelang es in der schriftlichen und m\u00fcndlichen Anh\u00f6rung, die Vorw\u00fcrfe der Kommission zu entkr\u00e4ften, so Gleiss. Alter Papierkram kann wertvoll sein Das gelingt nicht jedem, vor allem nicht, wer sich allzu leichtherzig von vermeintlich alten Unterlagen trennt. So erz\u00e4hlte k\u00fcrzlich ein renommierter Kartellrechtler aus einer Top-Kanzlei hierzulande\u00a0 \u2013 der lieber ungenannt bleiben will, um seinen Mandanten nicht zu outen \u2013 , wie wichtig alter Papierkram sein kann. So wichtig, dass er einem Unternehmen Millionenstrafen ersparen kann. Sein Klient war ein Unternehmen, das ein anderes Unternehmen vor \u00fcber zehn Jahren erworben hatte. Letzterem wurde pl\u00f6tzlich verbotene Kartellabsprachen vorgeworfen \u2013 nach \u00fcber zehn Jahren \u2013 und das \u00fcbernehmende Unternehmen musste sich mit den Vorw\u00fcrfen auseinander setzen. Der Kartellrechtler berichtete: \u201cDas Unternehmen war nicht verteidigungsf\u00e4hig\u00a0 \u2013 alle Unterlagen von damals waren inzwischen vernichtet.\u201d W\u00e4re da nicht ein Mitarbeiter gewesen, der mehrere Jahrzehnte bei dem Unternehmen gearbeitet hatte und der nicht so ordnungsw\u00fctig gewesen war, dass er alle Unterlagen weggeworfen h\u00e4tte. Nur mit Hilfe dieses Mitarbeiters und seiner alten Unterlagen konnte das Unternehmen belegen, dass es tats\u00e4chlich unschuldig war.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Warum eine rigorose Clean-Desk-Policy einfach nur dumm ist<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht sollten manche Unternehmen doch nicht so sehr der Clean-Desk-Policy mit den leeren Schreibtischen huldigen, weniger rasch die Aktenvernichter anrollen lassen und langj\u00e4hrige Mitarbeiter pfleglicher behandeln \u2013 wer weiss, wozu es gut ist. Au\u00dfer dem Anstand Gen\u00fcge zu tun. Die h\u00f6chste Strafe muss im obigen Fall \u00fcbrigens der US-Hersteller Ideal Standard mit 326 Millionen Euro zahlen. Von den deutschen Firmen mussVilleroy &amp; Boch am mit 71,5 Millionen Euro am meisten zahlen, ihm folgt Grohe mit 54,8 Millionen Euro. Weil Grohe und Ideal Standard bei den Ermittlungen mit der Kommission kooperierten, wurden ihre Geldbu\u00dfen aber um 30 Prozent gemindert. Dennoch: Solche Summen zahlt man nicht so eben aus der Portokasse.<\/p>\n<p>Villeroy &amp; Boch versucht, sich gegen die Strafe zu wehren: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/kartellvorwuerfe-villeroy-boch-legt-protest-ein;2606992\">http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/kartellvorwuerfe-villeroy-boch-legt-protest-ein;2606992<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Clean-Desk-Policy und die Lobeshymnen auf papierfreie B\u00fcros klingen chic und modern, k\u00f6nnen Unternehmen aber in Teufels K\u00fcche bringen. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/06\/26\/bloss-nicht-alle-alten-unterlagen-wegwerfen-es-konnte-millionen-kosten-%e2%80%93-wenn-die-firma-verteidigungsunfahig-wird\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[37,231,437,467,613,614,615],"class_list":["post-638794","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-standard","tag-alte-unterlagen","tag-clean-desk-policy","tag-geldbussen","tag-gleiss-lutz","tag-kartellabsprachen","tag-kartelle","tag-kartellrechtler"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/638794","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=638794"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/638794\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=638794"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=638794"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=638794"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}