{"id":638778,"date":"2010-06-20T16:42:06","date_gmt":"2010-06-20T14:42:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/?p=638778"},"modified":"2010-06-20T16:42:06","modified_gmt":"2010-06-20T14:42:06","slug":"wie-kann-er-nur-segeln-gehen-wenn-in-der-firma-die-holle-los-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/06\/20\/wie-kann-er-nur-segeln-gehen-wenn-in-der-firma-die-holle-los-ist\/","title":{"rendered":"Wie kann er nur &#8230; Segeln gehen, wenn in der Firma die H\u00f6lle los ist"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Bob&#8220; heisst die Luxusyacht von BP-Manager Tony Hayward. Und das wissen jetzt alle. Dass Hayward gestern mit dieser Yacht an einer Regatta auf dem \u00c4rmelkanal teilnahm &#8211; w\u00e4hrend in seiner Firma die H\u00f6lle los ist. Alle wissen, der Top-Manager ist Segler, besitzt (Achtung: Neid) eine Luxusyacht und demostriert das ausgerechnet dann, wenn er in der \u00d6ffentlichkeit und vor dem US-Kongress eine denkbar schlechte Figur abgegeben hat und sein Unternehmen mit seinem Auftritt noch tiefer reingeritten hat, als n\u00f6tig.<!--more--><\/p>\n<p>So \u00fcbel, dass BP ihn vorgestern aus dem Krisenmanagement abgezogen hat &#8211; was ja auch eher eine peinliche Nummer f\u00fcr ihn ist &#8211; angesichts seines Gehalts und dem, was man von so einem Manager in dem Moment erwartet. Und auch erwarten darf &#8211; eben aufgrund seines Gehalts.<\/p>\n<p>Die Nachricht von Haywards Segelt\u00f6rn steht in der Presse jetzt prominent neben allen anderen Nachrichten \u00fcber das BP-Ungl\u00fcck am mexikanischen Golf. Und weil sich die Zeiten ge\u00e4ndert haben und dank Internet und Twitter obendrein ist diese News auch blitzschnell rum &#8211; in der ganzen Welt. Das deutsche Magazin &#8222;Stern&#8220; beschimpft den Segeltrip vor diesem Hintergrund als &#8222;taktlosen Auftritt&#8220;, in den USA bezichtigte der Senator Richard Shelly aus Alabama &#8211; als betroffenem Bundesstaat &#8211; Haywards Samstagsvergn\u00fcgen als &#8222;Gipfel der Arroganz&#8220;. Greenpeace wetterte, &#8222;das Streut Salz in die Wunde&#8220;.<\/p>\n<p>Die Reaktionen waren klar und absehbar. Hat ein Unternehmen Probleme, k\u00f6nnen sie Top-Manager nicht gleichzeitig feiern oder sich anders anm\u00fcsieren &#8211; zumindest nicht \u00f6ffentlich. Wer gerade Urlaub hat, sollte &#8211; pr-technisch gesehen &#8211; sofort abbrechen und an die Heimatfront eilen. So schnell es geht, wenn ihm sein Job lieb ist.<\/p>\n<p>Das klassische Vorbild ist der FDP-Politiker M\u00f6llemann: Als der Skandal um die &#8222;M\u00f6llem\u00e4nner&#8220;, die Chips f\u00fcr die Supermarktw\u00e4gelchen hochkochte, war er in Ferien. Und er verstand nicht, was das Gebot des Tages war &#8211; zur\u00fcckzukommen und sich den Angriffen zu stellen.<br \/>\nDie Verteidigung der Presseabteilung von BP, &#8222;dass Hayward trotzdem immer auf dem Laufenden sei&#8220; und seit Katastrophenbeginn, seit dem 20.April 2010, keinen freien Tag hatte, spielt dann einfach keine Rolle mehr. Ob der Mann auf der Yacht schippernd seine Mails checkt, ist in dem Moment dem Betrachter egal. Und dass ein Top-Manager, der hochbezahlt ist, in so einer Situation auch mal ohne freie Tage auskommen muss, versteht sich. Sonst sollte er eben nicht die Karriereleiter so hoch klettern, sondern unten bleiben &#8211; da kann man die Haltung m\u00f6glicherweise vertreten.<\/p>\n<p>Das Fatale in Haywards Fall war ja auch noch, dass ihn Fotografen sichteten &#8211; und wenn die Bilder gleichzeitig an die \u00d6ffentlichkeit gelangen: verklebte V\u00f6gel an der K\u00fcste und der BP-Chef auf der Yacht &#8211; das kommt einfach nicht gut. Das ist PR f\u00fcr Anf\u00e4nger.<\/p>\n<p>Fragt sich nur, warums dennoch passiert, wenn man ganze PR-St\u00e4be im Unternehmen hat, die einem das sicher verraten k\u00f6nnen. Wenn man sie fragt. Und wenn ma auf sie h\u00f6rt. Und wenn man mit denen kooperiert und sich abstimmt.<\/p>\n<p>Wenn man dagegen nicht mal das f\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt in so einer Situation, wird eben f\u00fcr seine \u00dcberheblichkeit bestraft. Ob Hayward seine PR-Strategen fragt? Who knows.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdigerweise hat BP in Deutschland seine Bilanzpressekonferenz, die sonst jedes Jahr stattfindet, vor einigen Wochen abgesagt. Einfach so und nicht mal mit Hinweis auf die \u00d6l-Katastrophe. Das hats noch nie gegeben und war PR-technisch rasend ungeschickt. Eine verschenkte Chance, den Katastrophenhergang aus eigener Sicht darzustellen vor den wichtigsten deutschen Wirtschaftsjournalisten. Und vermutlich h\u00e4tten sich auch die anderen wichtigen Medien dieses Mal f\u00fcr die Bilanzpressekonferenz interessiert.<\/p>\n<p>Doch hin wie her, das Fazit ist: Wer als Betroffener einen Skandal aufziehen sieht oder schon drin steckt, sollte weder (weiter) Urlaub machen (und demonstrieren) noch feiern oder bei sich bei noblen Sportevents tummeln. Sondern er sollte den Urlaub abbrechen, den R\u00fcckflug buchen &#8211; lieber einmal zu oft als das eine mal eben nicht.<\/p>\n<p>Und wenn man v\u00f6llig k.o. ist und einfach mal abschalten muss, dann nicht so. Dann sollte man besser zuhause die Beine hochlegen, in den eigenen vier W\u00e4nden ohne Reporter.<\/p>\n<p>Es gibt so Klassiker unter den PR-Fehlern, die man eigentlich leicht umschiffen kann- wenn man nur die Gefahr erkennt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Bob&#8220; heisst die Luxusyacht von BP-Manager Tony Hayward. Und das wissen jetzt alle. 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