{"id":638647,"date":"2010-05-18T17:13:25","date_gmt":"2010-05-18T15:13:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/?p=638647"},"modified":"2010-05-18T17:13:25","modified_gmt":"2010-05-18T15:13:25","slug":"ein-mehr-fronten-krieg-unternehmen-vor-gericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/05\/18\/ein-mehr-fronten-krieg-unternehmen-vor-gericht\/","title":{"rendered":"Ein Mehr-Fronten-Krieg: Unternehmen vor Gericht (Litigation-PR)"},"content":{"rendered":"<p>Novartis muss 3,3 Mio. US-Dollar Schadensersatz an zw\u00f6lf Mitarbeiterinnen zahlen &#8211; weil das Unternehmen Frauen diskriminiert hat: Schwangere wurden benachteiligt, Frauen \u00fcbergangen bei Bef\u00f6rderungen und Frauen weniger Lohn gezahlt als M\u00e4nnern. Geurteilt hat\u00b4s heute ein New Yorker Gericht und der Pharmakonzern Novartis gibt sich immer noch uneinsichtig: Man habe sich &#8222;doch stets bem\u00fcht&#8220;, so beginnen die verzweifelten Rechfertigungen, die den Betrachter an die gleichlautende, vernichtende Zeugnisformel erinnern. Ziemlich ungeschickt.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_638648\" style=\"width: 127px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-638648\" class=\"size-thumbnail wp-image-638648\" src=\"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/files\/2010\/05\/bachmeier-117x168.jpg\" alt=\"Andreas Bachmeier\" width=\"117\" height=\"168\" \/><p id=\"caption-attachment-638648\" class=\"wp-caption-text\">Andreas Bachmeier<\/p><\/div>\n<p><strong>Gastbeitrag: Andreas Bachmeier, PR-Profi bei der Werbeagentur Scholz &amp; Friends in Berlin gibt im Management-Blog Nachhilfe: Wie muss die\u00a0Unternehmenskommunikation aussehen, wenn ein Unternehmen verklagt wird oder ein Manager vor den Kadi muss:<\/strong><\/p>\n<p>Urteile werden immer zweimal gef\u00e4llt: Vor Gericht und in der \u00d6ffentlichkeit<\/p>\n<p>Novartis versus Mitarbeiterinnen. CSU-Politikerin Ilse Aigner gegen Facebook, die Stadt Hamburg gegen Google Streetview. Streit unter Gro\u00dfen ist wie der Streit unter Nachbarn: Am Ende stehen die Parteien vor Gericht. Mit dem einen Unterschied, dass gro\u00dfe Unternehmen viel mehr zu verlieren haben als das Recht um den Apfelbaum im Garten. Neben einem gro\u00dfen finanziellen Schaden steht vor allem die Reputation auf dem Spiel.<\/p>\n<p>Juristische Auseinandersetzungen \u2013 vor allem in der Wirtschaft \u2013 werden immer mehr zum Spektakel &#8211; zur Freude\u00a0der Medien. Haben Unternehmen\u00a0ein juristisches Problem, k\u00e4mpfen sie gleich an zwei Fronten: Der juristischen und der medialen. Wo mehr zu verlieren ist, entscheidet sich im Einzelfall. Der Reputationsverlust durch die Berichterstattung nach einer Hausdurchsuchung kann f\u00fcr ein b\u00f6rsennotiertes Unternehmen sehr hoch sein. Gewinnt die Firma\u00a0nach zwei Jahren dann doch noch die Revision, ist niemand mehr so richtig daran interssiert.<\/p>\n<p>Nur: Wie finden Unternehmen die richtige Gangart in der Rechtskommunikation? Es gibt nat\u00fcrlich kein Schema, keine L\u00f6sungsschablone. Daf\u00fcr viel &#8211; gef\u00e4hrliche &#8211; Dynamik. In jeder Phase des Verfahrens sind Antworten n\u00f6tig und die m\u00fcssen vor allem auf Dauer halten. Es gibt sie nicht, die sieben allgemeing\u00fcltigen Handlungsanweisungen. Allerdings: Sehr oft werden die gleichen Fehler gemacht &#8211; und die m\u00fcssen nicht sein:<\/p>\n<p>1. Schweigen ist nicht Gold: Wer bei Medienanfragen schweigt, ger\u00e4t automatisch in die Defensive. Damit \u00fcberlassen Sie\u00a0der Gegenseite und den Medien die Deutungshoheit \u00fcber den Sachverhalt. Was dabei herauskommt, d\u00fcrfte das Gegenteil sein von dem, was Sie eigentlich wollten. Tipp: Nie verstecken, stellen Sie sich den Medien, auch wenn\u00b4s spontan unangenehm ist.<\/p>\n<p>2. Die David-gegen-Goliath-Falle: Bei Prozessen unter ungleichen Gegnern schlagen sich Medien oft auf die Seite des Kleineren. Darauf m\u00fcssen sich vor allem die Gro\u00dfen einstellen, bek\u00e4mpfen sie die Klischeevorstellungen aktiv &#8211; statt die Vorurteile der Beobachter zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>3. Alles nur Theater: Auch der kommunikative Verlauf der Auseinandersetzung braucht eine Dramaturgie. Und gute Schauspieler. Daher werden die Schl\u00fcsselpersonen, die Manager,\u00a0auf die Medienauftritte vorbereitet:<\/p>\n<p>Was sind die m\u00f6glichen Journalistenfragen? Wo drohen Fettn\u00e4pfchen? Was sind Reizw\u00f6rter &#8211; die man tunlichst meidet? Und was machen wir als n\u00e4chstes?<\/p>\n<p>Wer diese Fragen nicht ausreichend beantwortet, darf sich nicht wundern, wenn Boulevardmedien ihnen die Worte im Munde drehen.<\/p>\n<p>4. Die Macht der Bilder: Wer die falschen Bilder herausgibt, liefert sich selbst und seine eigene Sache den Medien aus. Medienbilder sind geeignet, komplexe Probleme zu veranschaulichen, ein Thema zu illustrieren &#8211; sprich ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Bilder entscheiden \u00fcber den medialen Sieg. Sorgen Sie noch bei ruhiger See f\u00fcr gute, druckbare Bilder in allen Varianten: hochformatig, querformatig, bunt, schwarz-weiss und in allen m\u00f6glichen Aufl\u00f6sungen. In der Krise haben Sie daf\u00fcr garantiert keine Sekunde mehr Zeit.<\/p>\n<p>Sorgen sie daf\u00fcr, dass keine ungeschickte \u00c4u\u00dferung geschieht, die alles noch viel schlimmer macht. Eine unbedachte Formulierung, die wom\u00f6glich v\u00f6llig ohne b\u00f6se Absicht erfolgt, kann alle Beobachter gegen den Betreffenden Partei ergreifen lassen.<\/p>\n<p>5. Der falsche Kontext: Jede Sache kann aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrgenommen werden. Das Glas ist halb voll oder halb leer. Wer es nicht schafft, seine Position in einem Verfahren in die Medien zu bringen, hat verloren. Der eigene Standpunkt muss immer wieder den Redaktionen und Journalisten breit angeboten werden. Wer schreibt, der bleibt \u2013 im Ged\u00e4chtnis der Leser auf jeden Fall.<\/p>\n<p>siehe auch: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/recht-unter-druck\/3017806.html\">http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/recht-unter-druck\/3017806.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastbeitrag von PR-Profi Andreas Bachmeier bei der Werbeagentur Scholz &amp; Friends: Wie sollte die Unternehmens-PR tunlichst aussehen, wenn die Firma verklagt wird oder ein Manager vor den Kadi muss &#8211; und wie nicht. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/05\/18\/ein-mehr-fronten-krieg-unternehmen-vor-gericht\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[44,443,545,705,868,907,947,955],"class_list":["post-638647","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-standard","tag-andreas-bachmeier","tag-gerichte","tag-image","tag-litigation-pr","tag-pr","tag-rechtskommunikation","tag-schauprozess","tag-scholz-friends"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/638647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=638647"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/638647\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=638647"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=638647"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=638647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}