{"id":638272,"date":"2010-03-10T00:36:24","date_gmt":"2010-03-09T23:36:24","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/?p=638272"},"modified":"2010-03-10T00:36:24","modified_gmt":"2010-03-09T23:36:24","slug":"bed-surgery-einer-wird-operiert-die-family-geht-shoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/03\/10\/bed-surgery-einer-wird-operiert-die-family-geht-shoppen\/","title":{"rendered":"Bed &amp; Surgery. Einer wird operiert, die Family geht shoppen"},"content":{"rendered":"<p>Kaffee und Kuchen. Business und Lunch. Operation und Shoppen. Letzteres ist die j\u00fcngste Marketingidee von J\u00f6rg B\u00f6ckeler, dem Direktor des Luxushotels Interconti in D\u00fcsseldorf und Ex-Sch\u00fcler der &#8222;Traube-Tonbach&#8220;. Medizin und Tourismus trifft es auch, sein neues Kundenorientierungs-Projekt: Zusammen mit neun renommierten Arztpraxen verschiedenster Fachrichtungen will er zahlungskr\u00e4ftige Kunden aus den arabischen L\u00e4ndern,\u00a0 Russland und den USA verarzten. Bei B\u00f6ckeler sollen sie mitsamt ihren Familien an der K\u00f6 wohnen und am besten gleich ihre Ferien verbringen. Derjenige von ihnen, der sich operieren lassen will, hat f\u00fcrs erste diese Vertragspartner des &#8222;Medical Advisory Board&#8220; zur Auswahl: Den Chirurg Konstantin Zarras, Chefarzt vom Vinzenzkrankenhaus, Dirk Pajonk, Orthop\u00e4de und Betreuer der deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft, Peter Kozlowski f\u00fcr Pr\u00e4natal-Medizin und Genetik, Jan-Steffen Kr\u00fcssel vom Kinderwunschzentrum der Uni D\u00fcsseldorf ebenso wie Augenprofi Gerhard G\u00f6tzen oder die Plus-Zahn\u00e4rzte, Gef\u00e4\u00dfchirurg Tobias Steinke, Radiologe Andreas Grust und Sch\u00f6nheitschirurg Christoph Reis. Der unique selling point von ihnen allen zusammen: &#8222;unsere Seriosit\u00e4t&#8220;. <!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_638279\" style=\"width: 430px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-638279\" class=\"size-medium wp-image-638279\" src=\"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/files\/2010\/03\/bed_and_surgery-440x292.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" \/><p id=\"caption-attachment-638279\" class=\"wp-caption-text\">Vertragspartner des Medical Advisory Board<\/p><\/div>\n<p>Auf die sollen sich die Medizintouristen verlassen und sicher sein k\u00f6nnen, wie deutsche Privatpatienten abgerechnet zu werden &#8211; und nicht ausgenommen zu werden wie die Weihnachtsg\u00e4nse, nur weil sie aus dem Ausland kommen. Mit mehrfachen Steigerungss\u00e4tzen der deutschen Abrechnungsziffern m\u00fcsse nur rechnen, wer den Medizinern auch mehr Arbeit macht als der durchschnittsfall: Etwa wenn bei einer arabischen Familie alle zw\u00f6lf begleitenden Mitglieder eineinhalb Stunden lang Fragen stellen, erz\u00e4hlt Pajonk. Und um f\u00fcr das Medical Advisory Board Kunden zu akquirieren, tritt  bereits Interconti-Mitarbeiterin Sabine Sch\u00e4fer auf Messen wie der &#8222;Arab  Health&#8220; auf.<\/p>\n<p>D\u00fcsseldorf bietet sich f\u00fcr Medizintouristen &#8222;als sicherer Standort mit Life-Style-Faktor plus medizinischer Versorgung an&#8220;, preist B\u00f6ckeler an. Auch wenn bisher schon etliche Medizintouristen hier landen, so kommen sie oft \u00fcber zweifelhafte Vermittler, die horrende Provisionen kassieren und die Patienten dann nicht mal zu seri\u00f6sen Arzt-Adressen f\u00fchren. Provisionen und Kick-back-Zahlungen\u00a0 untereinander gibts beim Board nicht, betuert B\u00f6ckeler.<\/p>\n<p>Damit w\u00e4re das Board schon weiter als so mancher namhafte Arzt. Insider wissen sehr genau, welche \u00dcberweisungskartelle wie und \u00fcber welche Praxen in welcher Reihenfolge funktionieren. Wenn Privatpatienten immer wieder dieselben \u00c4rzte nacheinander abklappern. Und sie dann auch nach Monaten zig Untersuchungen absolviert, aber noch keine Diagnose zu haben. Der Betroffene selbst durchschaut es nicht, beobachtende Apotheker, Krankengymnasten oder Abrechnungsgesellschaften daf\u00fcr umso besser.<\/p>\n<p>Die &#8211; normalerweise gut funktionierende &#8211; Infrastruktur von D\u00fcsseldorf (seit einem Jahr ist es damit nicht mehr weit her und die gesamte Innenstadt eine Gro\u00dfbaustelle, ein Ende nicht absehbar) spielt dem Medical Advisory Board in die H\u00e4nde: Der stadtnahe Flughafen &#8222;ist ein Segen&#8220;, schw\u00e4rmt B\u00f6ckeler. Kommen doch etliche der Medizintouristen mit dem eigenen Jet. Auch nach einem Unfall n\u00e4hmen manche von ihnen lieber f\u00fcnf Stunden Flug in Kauf, statt die unzureichende \u00e4rztliche Versorgung in ihrer Heimat hinzunehmen. Fr\u00fcher sei die Uniklinik in Bonn f\u00fcr diese Zielgruppe eine Anlaufstelle gewesen, als dort noch die vielen Botschaften aus aller Herren L\u00e4nder residierten und die Stadt am Rhein noch Bundeshauptstadt war. Inzwischen sei wohl die Charite\u00b4 in Berlin dabei, ein \u00e4hnliches Konzept  zum Anlocken von Medizintouristen auszuarbeiten, berichtet der Hoteldirektor.\u00a0 Ob das Interconti\u00a0 das erste deutsche Hotel ist, das solch ein Projekt initiiert? Zumindest ist B\u00f6ckeler kein weiteres bekannt.<\/p>\n<p>Und vielleicht sollten sich die Gr\u00fcnder des gr\u00f6\u00dften Tierzentrums Deutschlands namens Lesia an der D\u00fcsseldorfer Adlerstra\u00dfe am Wehrhahn auch mal mit dem Intercontinental-Hotel in Verbindung setzen? Zum Ausloten gemeinsamer Interessen. Zumindest dorthin kam Oberb\u00fcrgermeister Dirk Elbers zur Er\u00f6ffnung\u00a0 und fuhr mit seiner schwarzen Limousine am 27. Februar vor &#8211; bei der Vorstellung des Medical Advisory Boards an der K\u00f6 liess weder er sich noch ein anderer Vertreter der Stadt D\u00fcsseldorf blicken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaffee und Kuchen. Business und Lunch. Operation und Shoppen. Letzteres ist die j\u00fcngste Marketingidee von J\u00f6rg B\u00f6ckeler, dem Direktor des Luxushotels Interconti in D\u00fcsseldorf und Ex-Sch\u00fcler der &#8222;Traube-Tonbach&#8220;. 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