{"id":638203,"date":"2010-03-01T23:00:38","date_gmt":"2010-03-01T22:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/?p=638203"},"modified":"2010-03-01T23:00:38","modified_gmt":"2010-03-01T22:00:38","slug":"telekom-dienstanweisungen-versus-zivilcourage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/03\/01\/telekom-dienstanweisungen-versus-zivilcourage\/","title":{"rendered":"Telekom-Dienstanweisungen versus Zivilcourage"},"content":{"rendered":"<p>Blind Dienstanweisungen zu befolgen, mag vielleicht der eigenen Karriere dienen, aber es sch\u00fctzt nicht vor dem Staatsanwalt oder gar einer Verurteilung durchs Strafgericht. Das sollte sich jeder Angestellte klar machen. Und die Strafe, die kann einem kein Arbeitgeber abnehmen, weder eine Vorstrafe noch eine Gef\u00e4ngnisstrafe. Bei Geldstrafen mags de facto anders aussehen, vielleicht. Gestern r\u00fcckten Mitarbeiter der Deutschen Telekom weder der Polizei noch dem LKA die Adresse eines konkret Suizidgef\u00e4hrdeten heraus. Dieser junge Mann hatte nicht nur seinen Selbstmord in einem Online-Forum angek\u00fcndigt, sondern auch die einsetzende Wirkung von 100 Schlaftabletten geschildert. Weil sich die gnadenlosen Telekom-Mitarbeiter weigerten, dessen Adresse (die Wohnanschrift l\u00e4sst sich \u00fcber die IP-Adresse herausfinden) zu verraten, wurde der 18-J\u00e4hrige deshalb erst zwei Stunden sp\u00e4ter \u2013 zu sp\u00e4t also \u2013 entdeckt. Er war schon tot. Und entdeckt wurde er auch nur deshalb, weil ein anderer Internetanbieter eingesprungen war. Gegen die beiden Telekom-Angestellten hat die Polizei inNRW Strafanzeige erstattet \u2013 wegen unterlassener Hilfeleistung. Schlimm genug, wenn Mitarbeiter so wenig Zivilcourage haben, sich in solch einem Notfall \u00fcber Dienstvorschriften hinwegzusetzen. Wenigstens, wenn es um Leben oder Tod geht.<\/p>\n<p>Aber noch schlimmer, n\u00e4mlich obendrein zynisch klingt zu allem \u00dcberfluss die Rechtfertigung der Telekom: <!--more--><\/p>\n<p>Ihre Mitarbeiter m\u00fcssten in solchen F\u00e4llen genau abw\u00e4gen, ob das Fernmeldegeheimnis zu wahren oder Gefahr in Verzug sei. \u201eWenn wir Daten unrechtm\u00e4\u00dfig herausgeben, ist das Entsetzen gro\u00df\u201c, kommentierte ein Telekom-Sprecher. <a href=\"http:\/\/www.telespiegel.de\/news\/10\/0103-telekom-selbstmord-forum.html\">http:\/\/www.telespiegel.de\/news\/10\/0103-telekom-selbstmord-forum.html<\/a> Wie das klingt? Nach beleidigter Leberwurst. Danach, dass man sich offenbar immer noch nicht sch\u00e4mt, fremde Menschen abgeh\u00f6rt zu haben, als man eigene Ziele im Sinn hatte. Dass man die \u00f6ffentliche Reaktion \u00fcber die Abh\u00f6r-Skandale bis heute nicht nachvollziehen kann. Dass man nicht aus den vergangenen Jahren gelernt hat, sondern im Gegenteil: Wenn es wirklich um etwas geht, das h\u00f6chste Gut, das menschliche Leben, im falschen Moment ganz pl\u00f6tzlich den \u00dcberkorrekten mimt. Aus Trotz und \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>W\u00e4re ernsthaftes Bedauern nicht die bessere PR-Strategie gewesen? Oder herrscht so ein Schreckensregime bei der Deutschen Telekom intern, dass die Mitarbeiter so viel Angst haben, dass sie selbst in einer so dramatischen Situation lieber an den Buchstaben ihrer Dienstanordnung kleben, als zu helfen, ein Menschen \u2013 und\u00a0 nicht zuletzt ein Kundenleben zu retten?<\/p>\n<p>Ihr Kunde war der junge Mann n\u00e4mlich offenbar auch noch. Und allein deshalb h\u00e4tte man ja auch an seinem \u00dcberleben interessiert sein k\u00f6nnen, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Telefonanbieter sich weigert, der Polizei zu verraten, welcher Name und welche Adresse hinter einer IP-Adresse steckt &#8211; kann sie dadurch zum Richter \u00fcber Leben und Tod der eigenen Kunden werden. Diese besondere Form des Datenschutzes und der Kundenorientierung d\u00fcrften zu weit gehen.  <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/03\/01\/telekom-dienstanweisungen-versus-zivilcourage\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[252,275,280,868,959,1205],"class_list":["post-638203","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-standard","tag-datenschutz","tag-deutsche-telekom","tag-dienstanweisung","tag-pr","tag-selbstmord","tag-zivilcourage"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/638203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=638203"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/638203\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=638203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=638203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=638203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}