{"id":638100,"date":"2010-01-22T16:21:27","date_gmt":"2010-01-22T15:21:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/?p=638100"},"modified":"2010-01-22T16:21:27","modified_gmt":"2010-01-22T15:21:27","slug":"die-managementmethode-kontinuitat-und-geduld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/01\/22\/die-managementmethode-kontinuitat-und-geduld\/","title":{"rendered":"Die Managementmethode Kontinuit\u00e4t und Geduld"},"content":{"rendered":"<p>\u201eJa keine Schnellsch\u00fcsse, lieber langsam starten\u201c<br \/>\nWie der Unternehmer Heiner Finkbeiner die Traube-Tonbach so gro\u00df machte und nun seine S\u00f6hne an Bord des Luxus-Hotels holt.<\/p>\n<p>Keine zw\u00f6lf Quadratmeter gro\u00df ist das Arbeitszimmer von Heiner Finkbeiner \u2013 dem Chef der Traube-Tonbach, dem F\u00fcnf-Sterne-Hotel mit seinen 300 Mitarbeitern. Aus Bescheidenheit? Sicher auch \u2013 doch das Mini-Zimmer hinterm Empfang des alten Stammhauses hat vor allem strategische Vorteile. Von da aus n\u00e4mlich kann der 61-J\u00e4hrige zentrale Punkte seines kleinen Imperiums am Ende des Tonbachtals im S\u00fcdschwarzwald ganz unauff\u00e4llig \u00fcberblicken: Die zwei Hoteleing\u00e4nge, die Zug\u00e4nge zu den vier Restaurants, die Anfahrt, die Lieferantenauffahrt, die Mercedes-Hybrid-Limousinen f\u00fcr G\u00e4ste zur Probefahrt und vieles mehr. Einer seiner 100 Traube-Azubis witzelte in einer Rede bei der Weihnachtsfeier: \u201cWann immer man an irgendeiner Ecke der Traube eine Schublade aufzieht, kann man sicher sein, Herr Finkbeiner sitzt schon drin.\u201c<!--more--><br \/>\nSo anstrengend f\u00fcr den Hotelier diese Pr\u00e4senz sicher ist, so sehr lohnt sich f\u00fcr ihn. Intern wie extern: Ob es bei den Baden-Badener Medientagen ist oder 700-Jahre-Audi-Feier mit 800 G\u00e4sten, wo sein Unternehmen k\u00fcrzlich das Catering verantwortete. Oder wenn die Bayerische Landesregierung 500 Leute zum Empfang l\u00e4dt, den die Traube ausrichtet. Jeden Abend patrouilliert der Patron in seinen vier Restaurants \u2013 der K\u00f6hlerstube, der Bauernstube, dem Silberberg oder dem Aush\u00e4ngeschild, der Schwarzwaldstube. Tagaus tagein geht er an jeden einzelnen Tisch und begr\u00fc\u00dft s\u00e4mtliche G\u00e4ste. Um es zu h\u00f6ren, wenn doch mal etwas irgendwo im Haus nicht rund l\u00e4uft. Wenn die Rezeption vom Sch\u00f6nheitssalon, dem Vital Resort, mal unbesetzt war, ein Mitarbeiter zu langsam oder eine Reservierung nicht schnell genug beantwortet wurde.<br \/>\nSchlie\u00dflich hat Finkbeiner eine Spitzenposition zu verteidigen, und das nicht nur mit dem Aush\u00e4ngeschild des Hauses, der Schwarzwaldstube. Sie ist das Refugium von Harald Wohlfahrt, der seit \u00fcber 15 Jahren als bester Koch Deutschlands in s\u00e4mtlichen F\u00fchrern anerkannt ist \u2013 und als einer der weltbesten. Sein Restaurant mit nur elf Tischen hat die meisten Gault-Millau-Punkte in Deutschland (19,5 von 20 m\u00f6glichen). Und nicht nur er, auch die anderen Mitarbeiter von Finkbeiner sind Vollprofis und preisgekr\u00f6nt in ihrer Szene: Etwa der Sommelier St\u00e9phane Gass und Barkeeper Bernhard St\u00f6hr.<br \/>\nDurch die Medien-Pr\u00e4senz von Wohlfahrt wurde auch die internationale Gourmetpresse l\u00e4ngst auf den bodenst\u00e4ndigen Schwaben aufmerksam, der ebenso bescheiden auftritt wie sein Chef. Internationales Renommee ist die Folge: 25 Prozent der Traube-G\u00e4ste kommen heute aus Frankreich, Luxemburg, Belgien oder den USA. Wer bei Wohlfahrt am Wochenende essen will, muss mit neun Monaten Wartezeit rechnen. Schlie\u00dflich brachte er mehr als 44 weitere Michelin-Sterne und Spitzenk\u00f6che wie Christian Bau von Schloss Berg in Perl-Nennig oder Thomas B\u00fchner vom La Vie in Osnabr\u00fcck hervor, die ihrerseits Wohlfahrts Ruf mehren.<br \/>\n220 Jahre ist die Traube heute alt, Heiner Finkbeiner und seine Frau Renate f\u00fchren sie in siebter Generation seit 32 Jahren \u2013 und haben es stetig vergr\u00f6\u00dfert. Aus dem Gasthaus von Onkel Willi mit 28 Betten machten die Eheleute das F\u00fcnf-Sterne-Haus mit 300 Betten und 24 Mill. Euro Netto-Umsatz. Umso erstaunlicher, wie der Restaurantf\u00fchrer Gault Millau \u201edie Herzlichkeit der Inhaber\u201c lobt sowie ihr \u201erastloses Perfektionsstreben und die liebensw\u00fcrdige Nat\u00fcrlichkeit, die im Dienstleistungsgewerbe so rar ist wie eine Perle in der Auster\u201c.<br \/>\n\u201eEine Benchmark\u201c f\u00fcr die Branche nennt es Gerhard Stephan, Gastronomiespezialist und Chef der M\u00fcnchner Unternehmensberatung Treugast. Und das Haus mit seinen Restaurants, den zwei Hotels und dem Cateringzweig auf dem Niveau zu halten, das Kunstst\u00fcck m\u00fcssen nun die Finkbeiner-S\u00f6hne Matthias und Sebastian in den Griff bekommen. Beide stiegen im vergangenen Herbst ins Familienunternehmen in die Gesch\u00e4ftsleitung ein. Die T\u00f6chter stehen daf\u00fcr nicht an: Antonia arbeitet bei einer Werbeagentur in M\u00fcnchen, Maximiliane, dr\u00fcckt noch die Schulbank. Doch Weihnachten, da nehmen sie alle zusammen traditionell an der Weihnachtsfeier im Hotel mit den G\u00e4sten teil. Auch sie marschieren mit den Partnerinnen der S\u00f6hne und Enkelkind Philippa im Tross an jeden Tisch und sch\u00fctteln jedem der 300 G\u00e4ste die Hand \u2013 eben wie es sich f\u00fcr ein Familienunternehmen geh\u00f6rt.<br \/>\nAn normalen Abenden \u00fcbernehmen jetzt schon mal Matthias und Sebastian das v\u00e4terliche Ritual. Dabei wollte der \u00e4ltere, Mathias, 32, eigentlich mal Pilot werden. Aber mit seinen 2,03 Meter ist er daf\u00fcr zu gro\u00df. Stattdessen absolvierte er eine Kochlehre im Brenners Parkhotel in Baden-Baden, arbeitete im Berliner Adlon sowie im The Lowell Hotel in New York \u2013 auch in der Luxuskategorie \u2013, und absolvierte ein Studium in Bad Honnef zum Diplombetriebswirt mit Schwerpunkt Hotellerie. \u00c4hnlich wie Sebastian, 29, der im Nassauer Hof im Wiesbaden lernte, im Tantris in M\u00fcnchen, in Irland und Australien arbeitete. In Bangkok machte er ein Managementtraining und ging auch nach Bad Honnef. Das Interessante: Schon da teilten sich die Br\u00fcder eine Wohnung \u2013 und probierten schon mal aus, wie gut sie miteinander auskommen.<br \/>\nDer Testlauf ging gut aus. Wer mal welchen Bereich \u00fcbernimmt, das steht noch in den Sternen. Fest steht aber, dass sie auch als S\u00f6hne des Hauses Direktor Jan Kappler unterstellt sind \u2013 und erst mal kleine Br\u00f6tchen backen m\u00fcssen. darum bem\u00fchen sich beide redlich. Sie sprechen voll Respekt von dem Lebenswerk ihres Vaters Heiner, seinem Erfolg \u2013 und haben seine Devise verinnerlicht: \u201eJa keine Schnellsch\u00fcsse, lieber langsam starten.\u201c<br \/>\nEinen Zeitplan gibt es nicht, ein bis zwei Jahren sollen sie erst mal alle Abl\u00e4ufe und Details kennen lernen. Erst dann werden Hauptverantwortlichkeiten gekl\u00e4rt. Wer moderiert bei Differenzen? Renate Finkbeiner als Ehefrau und Mutter, die auch f\u00fcr das gesamte Styling zust\u00e4ndig ist. Und da wird Patron Finkbeiner gar pathetisch: \u201eSie ist unsere Sonne.\u201c Einig sind sich die drei Finkbeiner-M\u00e4nner \u00fcber eins: \u201eEgal was kommt, der Familienfrieden darf nicht gef\u00e4hrdet werden.\u201c<br \/>\nWas das Geheimnis des Erfolgs der Traube ist? Berater Gerhard imponiert die Kontinuit\u00e4t und Weitsicht von Heiner Finkbeiner, aber vor allem dessen \u201eextreme Bescheidenheit und Zur\u00fcckhaltung\u201c. Fast menschenscheu wirkte er anfangs, erinnert sich Gerhard. Allein deshalb habe ihm die Branche seine sp\u00e4tere Leistung, die Expansion in solche Dimensionen, gar nicht zugetraut: \u201eOhne spektakul\u00e4re Aktionen, ohne das Haus neu aufzustellen, nur mit kontinuierlicher Weiterentwicklung des Unternehmens,\u201c lobt er. Schlie\u00dflich sei die Traube jedes Jahr gewachsen, ohne eine Delle und habe auch heute trotz Krise kaum R\u00fcckgang. Ein Teil des Erfolgsgeheimnisses ist der hohe Anteil an Stammkundschaft, analysiert Gerhard. Die werde gehegt und gepflegt und mache \u2013 was untypisch f\u00fcr die F\u00fcnf-Sterne-Gastronomie ist \u2013 kein Hotel-Hopping. \u201eDie Klientel ist anspruchsvoll und diese Anspr\u00fcche werden erf\u00fcllt,\u201c urteilt der Gastro-Experte.<br \/>\n\u00dcber 1 000 Bewerbungsgespr\u00e4che werden hier j\u00e4hrlich gef\u00fchrt. Wer hier sein Handwerk gelernt hat, kann \u00fcberall unterkommen. So unauff\u00e4llig Hotelunternehmer Finkbeiner in der Branchen\u00f6ffentlichkeit ist, so sehr ist er fixiert auf sein Unternehmen. Und auch in dem Punkt treten beide S\u00f6hne in seine Fu\u00dfstapfen. Und deren Pl\u00e4ne? Der weiter Markenausbau, etwa mit einer Traube-Tonbach-Produktlinie mit Salzen und So\u00dfen. \u201eUnd Expansion mit einem weitern Hotelobjekt \u2013 aber nicht im Tonbachtal, da ist kein Platz mehr\u201c, sagt Finkbeiner. Mehr will er noch nicht verraten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eJa keine Schnellsch\u00fcsse, lieber langsam starten\u201c Wie der Unternehmer Heiner Finkbeiner die Traube-Tonbach so gro\u00df machte und nun seine S\u00f6hne an Bord des Luxus-Hotels holt. 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