{"id":638082,"date":"2010-01-17T13:52:27","date_gmt":"2010-01-17T12:52:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/2010\/01\/17\/servicewunsche-versus-realitat-praxismanagement-wurde-ohne-menschen-besser-funktionieren\/"},"modified":"2010-01-17T13:52:27","modified_gmt":"2010-01-17T12:52:27","slug":"servicewunsche-versus-realitat-praxismanagement-wurde-ohne-menschen-besser-funktionieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/01\/17\/servicewunsche-versus-realitat-praxismanagement-wurde-ohne-menschen-besser-funktionieren\/","title":{"rendered":"Der Gesundheitsminister befasst sich lieber mit Servicew\u00fcnschen, statt der heimlichen Rationierung in der Medizin"},"content":{"rendered":"<p>Ein Wochenende, zwei Schlagzeilen zweier verschiedener Zeitungen \u2013 und man meint, nicht in ein und derselben Welt zu leben. Da titelt gestern die \u201eRheinische Post\u201c, dass Haus\u00e4rzte k\u00fcnftig keinen Kassenpatienten mehr l\u00e4nger als 30 Minuten warten lassen d\u00fcrfen sollen. Klingt gut, jedenfalls im ersten Moment. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere: Im zweiten Moment, wenn man selbst der Patient ist und nicht nach Fahrplan abgefertigt werden will, ist es dann doch nicht mehr so toll. Weil der Arzt vielleicht an Ort und Stelle direkt noch weitere Untersuchungen machen muss, weil jemand noch \u2013 sprechende Medizin soll ja angeblich belohnt werden! \u2013 sein Herz aussch\u00fctten muss (vielleicht sogar berechtigt, weil eine Krankheit mit seinem Problem in Zusammenhang steht und eben weil\u00b4s ja der Hausarzt ist), weil ein Notfall vorgezogen werden muss oder weil der Arzt einen Fachkollegen hinzuziehen muss oder ein Krankenhaus anrufen muss. Um den Patienten rasch weiter zu \u00fcberweisen. Oder ein Patient hat Venen, die \u00c4rzte so schnell nicht treffen. Oder ein Patient kippt um. So vielf\u00e4ltig das Leben ist, so viele M\u00f6glichkeiten gibt\u00b4s eben auch, aufgehalten zuwerden.<br \/>\nIm Klartext: W\u00e4re man selbst dieser Mensch, der pl\u00f6tzlich mehr \u00e4rztliche Betreuung braucht als zun\u00e4chst erwartet, w\u00fcrde man dann ungerne \u2013 nach Ablauf der planm\u00e4\u00dfigen Zeit \u2013 nach Hause geschickt werden. Um sich einen neuen Termin geben zu lassen. Ein anderes Mal eben. Tsch\u00fcss.<\/p>\n<p>Ein hoher Preis, nur um nicht mal auf andere kranke Menschen warten zu m\u00fcssen. <!--more--><\/p>\n<p>Ist das das wahre soziale System? Dar\u00fcber kann man mal nachdenken. Der neue Gesundheitsminister Philipp R\u00f6sler, der selbst Bundeswehrarzt war und offenbar Abl\u00e4ufe in Hausarztpraxen mit Menschen f\u00fcr programmierbar h\u00e4lt, gibt offenbar der Praxis nach Zug-Fahrplan die Vorfahrt. So nach dem Motto: Ein Schaf scheren dauert x Minuten, da braucht ein Scherer x Minuten f\u00fcr x Schafe.<br \/>\nNebenbei bemerkt: Der Arzt, der als Gyn\u00e4kologe f\u00fcr drei Monate Behandlung egal mit welchem Einsatz und wie oft der Patient kommt, in D\u00fcsseldorf noch 13,37 Euro Flatrate bekommt. Oder als praktischer Arzt 31,28 Euro Flatrate.<br \/>\nDoch nun der Kontrast: Heute kommt die \u201eFAS\u201c mit der weit wichtigeren Nachricht. Bei der geht es nicht nur um Wartezeit in einem Wartezimmer, wo man nicht friert, sitzen und Zeitung lesen kann. Bei der geht es in letzten Konsequenz in manchen F\u00e4llen ums \u00dcber-Leben. Darum, dass J\u00f6rg-Dietrich Hoppe, Pr\u00e4sident der Bundes\u00e4rztekammer, pl\u00f6tzlich outet, was schon l\u00e4nger so ist, aber nach Kr\u00e4ften totgeschwiegen wird \u2013 von wem und aus welchen Partikularinteressen auch immer: &#8222;Im deutschen Gesundheitswesen wird heimlich rationiert, weil nicht gen\u00fcgend Geld zur Verf\u00fcgung steht, um allen Menschen die optimale Therapie zu verschaffen&#8220;, prangert Hoppe in der \u201eFAS an. Die Betonung liegt auf heimlich, denn der Patient erf\u00e4hrt es ja nicht. Und Hoppe forderte  Gesundheitsminister R\u00f6sler dazu auf, eine offene Debatte dar\u00fcber zu f\u00fchren, welche Patienten und Krankheiten k\u00fcnftig mit welcher Priorit\u00e4t behandelt w\u00fcrden: &#8222;Diese Entscheidung muss die Politik treffen, nicht die \u00c4rzteschaft.&#8220; Derzeit sei es der einzelne Arzt, der dies verantworte. &#8220; \u00c4rzte und Krankenh\u00e4user st\u00fcnden unter Budgetdruck und entschieden deshalb, ausgehend im Einzelfall, bei welchem Patienten sich eine teure individuelle Behandlung besonders lohne.<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44\/Doc~E44298A4FE8A8426DAF9A1116136DC4F6~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews\">http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44\/Doc~E44298A4FE8A8426DAF9A1116136DC4F6~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews<\/a> .<\/p>\n<p>Es wird wirklich allerh\u00f6chste Zeit, dass Aufrichtigkeit erste Priorit\u00e4t bekommt. In einer Zeit, in der den Krankenkassen die Beitr\u00e4ge der Arbeitslosen fehlen, die Menschen immer \u00e4lter werden, ein \u00c4rztemangel sich schon jetzt abzeichnet und 80 Prozent des Medizinnachwuchses auf keinen Fall im Land bleiben, sondern ins Ausland abwandern wollen. Der Arbeitsbedingungen wegen.  Weil es immer schwerer wird den Anforderungen gerecht zu werden,  ob als Krankenhausarzt  oder als Niedergelassener, der erst mal rund 30 000 Mitarbeiter der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung &#8211; im Zeitalter der Computer! \u2013 durchf\u00fcttert. Das ist viel Geld, das der wirklichen Versorgung der Patienten im System ebenfalls fehlt \u2013 ob das Krebspatienten tr\u00f6stet, wenn sie nicht die teurere Medizin bekommen, aber daf\u00fcr 1a verwaltet werden.<br \/>\nAber wahrscheinlich kommen jetzt wieder die Funktion\u00e4re um die Ecke, die irgendwelche Partikularinteressen vertreten und die Heimlichkeiten perpetuieren wollen. Man k\u00f6nnte ja nachlegen bei den Anforderungen an die Wartezeit in Hausarztpraxen. Etwa, sie auszudehnen auf alle Fach\u00e4rzte. Und die Krankenh\u00e4user gleich mit. Um abzulenken von den gravierenderen Tatsachen.<\/p>\n<p>PS:  K\u00f6nnte man nicht mal die Post verpflichten, die Berufst\u00e4tigen, die  Samstagsvormittags ihr DHL-P\u00e4ckchen abholen kommen m\u00fcssen,  auch nur noch h\u00f6chstens eine halbe Stunde warten zu lassen? Die Managementaufgabe w\u00e4re schneller in den Griff zu bekommen.<br \/>\nUnd w\u00fcrde der berufst\u00e4tigen, steuerzahlenden Bev\u00f6lkerung das Leben echt erleichtern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Wochenende, zwei Schlagzeilen zweier verschiedener Zeitungen \u2013 und man meint, nicht in ein und derselben Welt zu leben. Da titelt gestern die \u201eRheinische Post\u201c, dass Haus\u00e4rzte k\u00fcnftig keinen Kassenpatienten mehr l\u00e4nger als 30 Minuten warten lassen d\u00fcrfen sollen. 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