{"id":635701,"date":"2009-09-14T15:43:32","date_gmt":"2009-09-14T13:43:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/kein-gnadenbrot-fur-top-anwalte"},"modified":"2009-09-14T15:43:32","modified_gmt":"2009-09-14T13:43:32","slug":"kein-gnadenbrot-fur-top-anwalte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2009\/09\/14\/kein-gnadenbrot-fur-top-anwalte\/","title":{"rendered":"Kein Gnadenbrot f\u00fcr Top-Anw\u00e4lte"},"content":{"rendered":"<p>Wirtschaftskanzleien entfachen Preiskampf &#8211; Studie: Firmen erhalten Anwaltsarbeit zum Schn\u00e4ppchenpreis \u2013 Einstige M&amp;A-Stars bekommen einen Tritt statt Gnadenbrot<!--more-->Unter den gro\u00dfen Wirtschaftskanzleien ist ein Preiskampf entbrannt. \u201e64 Prozent der Kanzleien brechen ihre Mandate weg und sie m\u00fcssen ihre Honorare senken\u201c, res\u00fcmiert Unternehmensberater Dieter Baumert aus K\u00f6ln, der auf Kanzleiberatung spezialisiert ist. Darauf vorbereitet freilich sind die wenigsten. Das zeigt eine repr\u00e4sentative Studie der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Professional Service Firms (DGPSF), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. 101 Soziet\u00e4ten wurden daf\u00fcr befragt.<br \/>\nF\u00fcr rund ein Drittel der Wirtschaftskanzleien kam die Krise v\u00f6llig \u00fcberraschend und ein weiteres Drittel hat die Auswirkungen auf sich selbst untersch\u00e4tzt. Dabei ist mittlerweile ein F\u00fcnftel der Kanzleien von der Krise stark bis sehr stark betroffen. Wie sie darauf reagieren wollen? 64 Prozent senken ihre Kosten, 20 Prozent der Gro\u00dfkanzleien planen Mitarbeiter zu entlassen. Arbeitszeitverk\u00fcrzungen sind jedoch kein Thema. 68 Prozent der Law Firms versuchen indes, mit verst\u00e4rkter Akquise gegenzusteuern. \u201eDas freut die Unternehmen, die am l\u00e4ngeren Preishebel sitzen und nun gute Anwaltsleistungen zum Schn\u00e4ppchenpreis haben k\u00f6nnen\u201c, urteilt Volker Tausch, Chef der Unternehmensberatung Vermont in Bonn. Zumal die Leistungsangebote im Segment der wirtschaftsberatenden Gro\u00dfkanzleien ab 50 Anw\u00e4lten vergleichbar sind, meint Tausch.<br \/>\nBei der Akquise gehen etliche Soziet\u00e4ten immer noch nach dem Gie\u00dfkannenprinzip vor. 50 Prozent hoffen auf traditionelle Werbung wie Mandanten-Newsletter nach dem Gie\u00dfkannenprinzip. Baumert: \u201eNur Gro\u00dfkanzleien machen zielf\u00fchrende Akquise mit Marktrecherche und Zielgruppenanalyse.\u201c<br \/>\nStrategisch richtig aufgestellt sind, so die DGPSF-Untersuchung, die sogenannten Boutiquen \u2013 also die Kanzleien, die sich nur auf Arbeitsrecht spezialisiert haben wie etwa die Kanzlei Kliemt &amp; Vollst\u00e4dt mit ihren Dependancen in D\u00fcsseldorf, Berlin und Frankfurt oder  Wirtschaftsstrafrecht wie Wessing Rechtsanw\u00e4lte.<br \/>\nDie Krise wirbelt nun auch die einstige interne Kanzlei-Hierarchie durcheinander: Insolvenzrecht, Arbeitsrecht, Kartellrecht und Restrukturierungen laufen gut. Nur nicht die Bereiche, mit denen viel Geld verdient wird, wie das M&amp;A-Gesch\u00e4ft. Gerade Top-Adressen setzen Anw\u00e4lte \u2013 Partner wie Angestellte \u2013 vor die T\u00fcr, sobald sie zu wenig einspielen. Die Profis f\u00fcr M&amp;A, Private-Equity oder Immobilientransaktionen k\u00f6nnen nicht darauf hoffen, dass die Kollegen sie durchf\u00fcttern. Zwangspensionierungen, Herabstufungen und Entlassungen reputabler Partner kommen nun auch und vor allem bei den umsatzst\u00e4rksten Kanzleien vor. Insider rechnen auch mit B\u00fcroschlie\u00dfungen \u2013 gerade von US-Kanzleien.<br \/>\nDass sich bei den Juristen Verzweiflung breit macht, zeigt ein Skandal, der Clifford Chance derzeit besch\u00e4ftigt. In D\u00fcsseldorf gingen zwei geschasste Anw\u00e4lte in eigener Sache vors Arbeitsgericht und wehren sich \u00f6ffentlich gegen ihre Entlassung. Das ist ein Novum \u2013 und riskant f\u00fcr die sp\u00e4tere Jobsuche. Zugeben m\u00f6gen die Juristen aber weder Preisk\u00e4mpfe noch Entlassungen. Zwar erwarten 44 Prozent der Anw\u00e4lte laut DGPSF-Studie Partner-Entlassungen. Aber die sind meist getarnt als normale Wechsel in andere Kanzleien und begleitet von blumigen Worten.<br \/>\nDabei weht den Kanzleien ja durchaus auch aus den Unternehmen kalter Wind ins Gesicht. Wenn diese auf Rabatte und Honorarsenkungen bestehen. Oder ihnen mehr abverlangen: Peter N\u00e4gele, Inhouse-Jurist &#8211; General Counsel Energy Sector \u2013 bei Siemens kritisiert etwa an den Kanzleien, dass sie beim Thema Kosten-Senken nicht hilfreich sind. Weder was die eigenen Honorare angeht noch im Hinblick auf die Kosten der Rechtsabteilungen ihrer Mandanten. Er erwartet, dass sie \u201ebei gleicher Qualit\u00e4t den Aufwand bei personalintensiven Aufgaben reduzieren\u201c helfen \u2013 also immer, wenn gro\u00dfe Mengen an Dokumenten gesichtet werden m\u00fcssen wie bei M&amp;A-F\u00e4llen  oder bei gro\u00dfen Streitigkeiten besonders mit Bezug zum US-Raum. F\u00fcr bestimmte Standardsituationen Muster entwerfen oderbessere Angebots- oder Lieferbedingungen vorschlagen: Schlie\u00dflich k\u00f6nnte auch eine Kanzlei den Unternehmenskunden zeigen, wie sie Arbeitsabl\u00e4ufe verbessern oder vereinfach kann, so N\u00e4gele.<br \/>\nDas d\u00fcrften f\u00fcr die Juristen in den Gro\u00dfkanzleien ganz neue Herausforderungen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaftskanzleien entfachen Preiskampf &#8211; Studie: Firmen erhalten Anwaltsarbeit zum Schn\u00e4ppchenpreis \u2013 Einstige M&amp;A-Stars bekommen einen Tritt statt Gnadenbrot <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2009\/09\/14\/kein-gnadenbrot-fur-top-anwalte\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[5353],"class_list":["post-635701","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-standard","tag-standard"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635701","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=635701"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635701\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=635701"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=635701"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=635701"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}