{"id":633638,"date":"2009-08-13T01:15:23","date_gmt":"2009-08-12T23:15:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/wer-handy-aufladen-zum-thema-macht-statt-echte-lecks-zu-finden"},"modified":"2009-08-13T01:15:23","modified_gmt":"2009-08-12T23:15:23","slug":"wer-handy-aufladen-zum-thema-macht-statt-echte-lecks-zu-finden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2009\/08\/13\/wer-handy-aufladen-zum-thema-macht-statt-echte-lecks-zu-finden\/","title":{"rendered":"Wer Handy-Aufladen zum Thema macht, statt echte Lecks zu finden"},"content":{"rendered":"<p>Wom\u00f6glich gab es andere Gr\u00fcnde: Solche, die nur Insider kennen. Solche, die man als Arbeitgeber schwer zu Felde f\u00fchren kann, die aber dennoch in der Praxis schwer wiegen. Doch einen 52-j\u00e4hrigen Arbeiter fristlos zu feuern, weil er bei seinem Arbeitgeber &#8211; einer Firma f\u00fcr Industriedichtungen in Oberhausen &#8211; heimlich sein Handy aufgeladen hatte, das geht ziemlich weit. Der Schaden durch diesen Stromdiebstahl betrug n\u00e4mlich gerade mal 0,014 Cent. Wie gesagt, wenn der denn tats\u00e4chlich der wahre Grund war.<!--more-->Vor dem Arbeitsgericht nahm die Firma dann jetzt doch die fristlose K\u00fcndigung zur\u00fcck, ebenso wie der Mitarbeiter seine Klage (Aktenzeichen 4 Ca 1228\/09).<br \/>\nWar der Vorwurf nur vorgeschoben, so wollte die Firma wohl nur um eine Abfindung f\u00fcr den Mann drum herum kommen. So, wie sonst bei Managern die Spesenabrechungen jahrlang r\u00fcckw\u00e4rts auf Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten hin gepr\u00fcft werden, um sie schneller und billiger loszuwerden. Die Signalwirkung f\u00fcr die Belegschaft ist fatal.<br \/>\nDabei: Es gibt ganz andere Ecken im Unternehmen, wo vermeintlich angenehme wie unauff\u00e4llige Mitarbeiter ihren Dienst versehen, wo richtig dicke Sch\u00e4den passieren. Wo Mitarbeiter, die nicht mit dem Herzen bei der Sache, sondern frustriert sind \u00fcber mangelnde Wertsch\u00e4tzung oder \u00e4hnliches &#8211; aber das ihren Chefs nicht zeigen. Es ist so einfach, scheinbar korrekt zu handeln und dabei richtig Sand ins Getriebe zu werfen. Eine kleine Schraube, die in der Produktion in eine teure Maschine f\u00e4llt, und alles lahmlegt? Zwei Tage Produktionsausfall plus Reparaturkosten plus Lohn f\u00fcr wartende Mitarbeiter kostet so was. Oder: Ein dicker Kunde, der allzu b\u00fcrokratisch abgehandelt wird von einem unwilligen Angestellten und der aus Ver\u00e4rgerung abrtr\u00fcnnig wird. Ein Mitarbeiter, der einige Minuten vor Dienstschluss lieber schon Feierabend macht &#8211; statt noch neue Kunden zu bedienen und etwas zu verkaufen.<br \/>\nWer tats\u00e4chlich die Kunden vergrault und so die Umsatzchancen seiner Firma zunichte macht, wird das nicht seinen Vorgesetzten signalisieren.<br \/>\nOder ein aktuelles Beispiel gef\u00e4llig, das der Pilot einer gro\u00dfen Airline erz\u00e4hlt: &#8222;Wir \u2013 alle Kollegen und er &#8211; k\u00f6nnten dem Unternehmen bis zu einer Million Euro (Kosten durch Versp\u00e4tungen, Flugabsagen) sparen, wenn jeder Pilot am Boden f\u00fcnf Minuten schneller w\u00e4re. Auf dem Weg zwischen Startbahn und Terminal, kein strenger Dienst nach Vorschrift sondern z\u00fcgigere Arbeitsweise. Warum die Piloten dies nicht machen, wo sie doch so genau wissen, wie viel es ihrem Arbeitgeber bringen w\u00fcrde? Weil sie verbiestert sind. Weil sie sich nicht wertgesch\u00e4tzt f\u00fchlen und man ihnen jahrelang schon vermittelt, sie seien nur ein Kostenfaktor.<br \/>\nUnd all diesen Lecks in den Unternehmen kommt auch kein Unternehmensberater von McKinsey oder Boston Consulting auf die Schliche. Denn diese Dinge lassen sich in keinem Zahlenwerk ablesen. Da k\u00f6nnen sie noch so lange messen und rechnen.<br \/>\nDiese Dinge lie\u00dfen sich, wenn \u00fcberhaupt, nur durch Gespr\u00e4che mit den Mitarbeitern an der Front herausfinden. Und indem man sie beobachtet. Mit denen sprechen die Berater aber nie und bei denen halten sie sich auch nie auf.<br \/>\nUnd wenn sie es t\u00e4ten? Was sollten sie anschlie\u00dfend den F\u00fchrungskr\u00e4ften empfehlen (was am besten noch deren Pr\u00e4mien erh\u00f6hen w\u00fcrde)? Den F\u00fchrungskr\u00e4ften, die ihnen die Auftr\u00e4ge erteilen. Auch in Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wom\u00f6glich gab es andere Gr\u00fcnde: Solche, die nur Insider kennen. Solche, die man als Arbeitgeber schwer zu Felde f\u00fchren kann, die aber dennoch in der Praxis schwer wiegen. Doch einen 52-j\u00e4hrigen Arbeiter fristlos zu feuern, weil er bei seinem Arbeitgeber &#8211; einer Firma f\u00fcr Industriedichtungen in Oberhausen &#8211; heimlich sein Handy aufgeladen hatte, das geht ziemlich weit. Der Schaden durch diesen Stromdiebstahl betrug n\u00e4mlich gerade mal 0,014 Cent. 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