{"id":522237,"date":"2009-03-31T13:21:52","date_gmt":"2009-03-31T11:21:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/management\/cnn-kultmoderator-uber-die-neue-freudlosigkeit-der-dienstreisen"},"modified":"2009-03-31T13:21:52","modified_gmt":"2009-03-31T11:21:52","slug":"cnn-kultmoderator-uber-die-neue-freudlosigkeit-der-dienstreisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2009\/03\/31\/cnn-kultmoderator-uber-die-neue-freudlosigkeit-der-dienstreisen\/","title":{"rendered":"CNN-Kultmoderator \u00fcber die neue Freudlosigkeit der Dienstreisen"},"content":{"rendered":"<p>Nichts mehr zu lachen auf Business-Trips?<\/p>\n<p>Dieser Tage hat man als Wirtschaftsmoderator nicht viel zu lachen \u2013 noch weniger, wenn man auf Gesch\u00e4ftsreisen ist. Mal angenommen, man darf \u00fcberhaupt einen Business-Trip antreten, dann wird die Reise von vornherein so kurz wie m\u00f6glich gehalten. Statt der gewohnten Business Klasse darf man nur Holzklasse fliegen und die Sterne der Hotels, in denen man absteigt, sind l\u00e4ngst verblasst: Eine Welle der Budgetk\u00fcrzungen, die sich \u00fcberall bemerkbar macht!<\/p>\n<p>Auch wenn wir uns noch so beschweren: \u201eWie zum Teufel soll ich denn meinen Job machen? Per Video-Konferenz etwa?\u201d, es hilft nichts\u2026<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/data.blogg.de\/1104196\/images\/quest.jpg\" alt=\"Richard Quest\" \/><br \/>\n<font size=\"-2\"><b>CNN-Kultmoderator Richard Quest exklusiv f\u00fcr handelsblatt.com<br \/>\n<!--more-->Und glauben Sie mir, ich habe jede Ausrede versucht, die es gibt: \u201cIch muss schlie\u00dflich arbeiten, wenn ich ankomme\u2026\u201d  und: \u201eIch bin knapp 1,90 m gro\u00df, ich habe einfach nicht genug Platz in der Economy Klasse\u2026\u201d und der beste Trick: \u201eDie Economy Klasse war ausgebucht, da musste ich in der Business Klasse fliegen&#8230;!\u201d<\/p>\n<p>Aber mal ehrlich: viele von uns fliegen Business, weil wir es k\u00f6nnen und sitzen in den bequemen (sprich teuren) Sitzen, weil wir es d\u00fcrfen. Und wir schlafen in 5-Sterne-Hotels, weil niemand sich bisher die M\u00fche gemacht hat, unsere Abrechnungen genau anzuschauen. Nun hat der Spa\u00df ein Ende \u2013 und wahrscheinlich ist das auch einmal an der Zeit.<\/p>\n<p>Unsere kollektive Heuchelei, dass wir den Atlantik unm\u00f6glich in der Economy Klasse \u00fcberqueren k\u00f6nnen, wenn wir die Firmenkreditkarte durchziehen, aber durchaus zweiter Klasse reisen, wenn es aus der eigenen Tasche bezahlt wird, zeigt unsere Doppelmoral. Wir haben nicht erkannt, um mit den Worten des ehemaligen britischen Premiers Harold MacMillan zu sprechen, \u201ewie gut wir es hatten\u201d. Oder mit anderen Worten: \u201ewir haben abgesahnt, solange es ging.\u201d<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich gibt es Gesch\u00e4ftsreisende, die so oft Ozeane \u00fcberqueren, wie andere ihre Bettw\u00e4sche wechseln und einen ruhigen Schlaf in einem bequemen Bett auf gut 10 000 Meter H\u00f6he verdienen. Diese Strecken z\u00e4hlen zu den Ausnahmen: Fl\u00fcge \u00fcber den Pazifik bzw. von Australien\/Asien nach Europa, bei denen allein die lange Flugzeit eine angenehme Reise rechtfertigt. Ich kann immer noch nicht fassen, wie manche Menschen ihre f\u00fcnffachen Reisekosten bei Fl\u00fcgen in der Business Klasse von weniger als sechs Stunden rechtfertigen k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n<p>Die Masche mit den Hotels ist allerdings noch weitaus frecher. Wir erfinden die l\u00e4cherlichsten Ausreden, nur um in \u00fcberteuerten Hotels \u00fcbernachten zu k\u00f6nnen, die als Statussymbole gelten. Ich versichere Ihnen \u2013 in einem guten 3-Sterne Hotel finden Sie einen ebenso ruhigen Schlaf, wie in einem 5-Sterne Luxushotel (auch, wenn es ihr Ego \u00fcber Nacht verletzen sollte!)<\/p>\n<p>Im 3-Sterne-Hotel w\u00fcrde es hei\u00dfen: \u201eHallo, Herr Degradiert&#8230; sch\u00f6n, Sie wieder zu sehen. Wie immer freuen wir uns, Sie bei uns begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.\u201c Dann w\u00fcrde eine Wasserflasche in Ihrem Zimmer knallen, auf dem Weg zum Abendessen w\u00fcrden Sie fr\u00f6hlichen gegr\u00fc\u00dft werden und nach dem Auschecken w\u00fcrde man sich an Ihren Namen erinnern. Und ich garantiere Ihnen, Sie w\u00fcrden Ihren Kollegen von einer wundersch\u00f6nen kleinen Unterkunft erz\u00e4hlen, die Sie entdeckt h\u00e4tten und wo Sie so vorz\u00fcglich behandelt wurden.<\/p>\n<p>Das tats\u00e4chliche Problem ist nicht, dass wir unsere Egos st\u00fcndlich aufpoliert bekommen wollen, sondern dass die Reiseindustrie mit uns gespielt hat, wie ein Profi-Geiger seine Stradivari. Elite-Mitgliedschaften in \u201e\u00dcber-Treue\u201c-Programmen, alle schick verpackt im Fachjargon wertvoller Steine und Metalle: Gold, Platin, Diamant\u2026<\/p>\n<p>Ich kann Sie mit den Z\u00e4hnen knirschen h\u00f6ren, w\u00e4hrend Sie das hier lesen. \u201eBrutus, Verr\u00e4ter,\u201d schreien Sie. Aber ich kann\u2019s verkraften\u2026<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich ein Problem\u2026 Wie kann ich leugnen, diesen Artikel geschrieben zu haben, wenn die guten Zeiten zur\u00fcckgekehrt sind und ich vor dem Elite-Check-in stehe oder mich in einer 5-Sterne-Suite wiederfinde? Nicht so leicht&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichts mehr zu lachen auf Business-Trips?<\/p>\n<p>Dieser Tage hat man als Wirtschaftsmoderator nicht viel zu lachen \u2013 noch weniger, wenn man auf Gesch\u00e4ftsreisen ist. Mal angenommen, man darf \u00fcberhaupt einen Business-Trip antreten, dann wird die Reise von vornherein so kurz wie m\u00f6glich gehalten. 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