Fake-Headhunter fingieren Recruiting-Prozesse, um mit gefälschten Stellenangeboten oder fingierten Recruiting-Prozessen Leute auf Jobsuche zu betrügen: Gerlinde Berger, Managing Partner der internationalen Personalberatung/Executive Search DHR Global aus Chicago zeigt im Gastbeitrag sieben Checks, mit denen Führungskräfte dubiose Ansprachen erkennen können.
Ein attraktiver Top-Job, eine persönliche Nachricht und zunächst wenig Informationen zum Auftraggeber: Im Executive Search ist das gerade bei C-Level-Positionen nicht ungewöhnlich. Bei diesem Enkel-Trick für Manager – auch Recruitment Fraud, Jobbetrug oder Stellenbetrug genannt – imitieren Betrüger professionelle Direktansprache, um an Geld oder persönliche Daten zu gelangen.

Gerlinde Berger (Foto: PR/DHR Global)
Meist begegnen Kandidaten diese zwei typischen Maschen: Bei der ersten Variante beginnt alles mit einer vermeintlich attraktiven Führungsposition. Nach einigen Nachrichten oder einem ersten Gespräch sagt der Fake-Headhunter plötzlich: Der Lebenslauf des Kandidaten müsse noch optimiert werden, ein Coaching sei sinnvoll oder eine zusätzliche Qualifikation erforderlich, bevor es im Auswahlprozess weitergehen könne.
Anschließend bietet er kostenpflichtige Lebenslauf-Optimierungen, Coachings, Zertifikate oder andere Beratungsleistungen an. Diese Leistungen können an sich seriös sein. Misstrauisch sollten Kandidaten jedoch werden, wenn ihre Buchung zur Voraussetzung dafür sein soll, für ein angeblich bestehendes Executive-Search-Mandat berücksichtigt zu werden. Denn bei reellen Executive-Search-Mandaten gilt: Die Beratung ist beauftragt vom suchenden Unternehmen und das bezahlt sie auch – und nicht der Kandidat.
Bei der zweiten Variante will der Fake-Headhunter in Wirklichkeit den Zugriff auf persönliche oder finanzielle Informationen. Unter dem Vorwand eines Bewerbungsprozesses, eines Hintergrundchecks oder einer angeblichen Vertragsvorbereitung verlangt er Ausweis- oder Kontodaten.
Die Kriminalpolizei und Verbraucherzentralen warnen davor, dass Täter im Rahmen solcher fingierter Recruiting-Prozesse sogar Video-Ident-Verfahren verlangen und dann im Namen der Betroffenen Konten eröffnen oder Kredite aufnehmen. Außer dem Verlust von Geld droht der Missbrauch der eigenen Identität.
Fake-Headhunter zu erkennen, kann schwierig sein. Denn manches, was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, gehört im professionellen Executive Search durchaus zum normalen Prozess – etwa eine unerwartete Direktansprache oder die anfängliche Vertraulichkeit eines Mandats. Entscheidend ist deshalb nicht, ob eine Ansprache ungewöhnlich wirkt, sondern ob sich Person, Prozess und Mandat plausibel überprüfen lassen.
Sieben Checks vor dem nächsten Gespräch
1. Gibt es die Beratung überhaupt?
Prüfen Sie erst die offizielle Unternehmenswebsite. Existiert die Firma? Gibt es nachvollziehbare Kontaktdaten und Informationen zu den dort tätigen Beratern? Ein professionell wirkendes LinkedIn-Profil allein reicht als Identitätsnachweis nicht aus.
2. Arbeitet die Person tatsächlich bei der angegebenen Beratung?
Gleichen Sie den Namen mit der offiziellen Website der angegebenen Executive-Search-Beratung ab. Bleiben Zweifel, kontaktieren Sie das Unternehmen selbst – über die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse auf der offiziellen Website und nicht über Kontaktdaten aus der erhaltenen Nachricht. Das ist besonders wichtig, weil Betrüger auch die Identität realer Personen oder Unternehmen imitieren können.
3. Passt die E-Mail-Adresse?
Die Domain-Mailadresse hinter dem @-Zeichen kann viel verraten. Wer vorgibt, für eine etablierte Beratung zu arbeiten, aber über eine private oder vom Unternehmen abweichende Adresse kommuniziert, sollte überprüft werden. Auch täuschend ähnliche Domains sind ein Warnsignal: Manchmal unterscheiden sie sich nur durch einen Buchstaben, einen Bindestrich oder eine andere Endung.
4. Ist das Gesamtbild plausibel?
Prüfen Sie Karrierehistorie, Kontakte und Aktivitäten des Headhunters. Stimmen die Angaben auf LinkedIn mit denen auf der Unternehmenswebsite überein? Gibt es Widersprüche? Ein neues oder wenig aktives Profil ist allein noch kein Beweis für Betrug. Mehrere Unstimmigkeiten zusammen sind aber ein guter Grund, genau hinzusehen. Und: Ein sprachlich perfektes Anschreiben ist heute kein Seriositätsnachweis, das kann von der KI stammen.
5. Kann der Berater den Prozess erklären, wenn er das Unternehmen verschweigt?
Nicht jeder seriöse Executive-Search-Berater wird beim ersten Kontakt den Auftraggeber nennen. Dafür kann es gute Gründe geben: vertrauliche Nachfolgeprozesse, noch nicht kommunizierte Neubesetzungen oder sensible Restrukturierungen. Diskretion ist kein Warnsignal. Intransparenz aber schon. Auch ohne den Unternehmensnamen zu nennen, sollte ein professioneller Berater erklären können, um welche Art von Rolle es bei dem Job geht, welchen Kontext sie hat und wie der weitere Prozess aussieht. Dazu gehört auch die Frage, ob der Headhunter bereits ein konkretes Mandat hat oder zunächst nur der Markt sondiert wird.
6. Verlangt der Headhunter ungewöhnlich früh sensible Daten?
Ein Lebenslauf gehört zu einem Auswahlprozess. Aber Ausweis-, Konto- oder andere besonders sensible Daten normalerweise nicht. Werden solche Informationen auch noch sehr früh verlangt, sollte man nachfragen: Warum sind diese Daten jetzt notwendig? Wer erhält sie? Und über welchen sicheren Kanal sollen sie übermittelt werden? Bleiben die Antworten unklar, sollte man zunächst nichts senden.
7. Sollen Sie bezahlen, um für die Position berücksichtigt zu werden?
Hängt angeblich die Chance auf eine angebliche Führungsposition plötzlich davon ab, dass Sie für eine CV-Überarbeitung, ein Coaching, eine Zertifizierung oder eine andere Zusatzleistung bezahlen, sollte man den Vorgang stoppen und überprüfen. Karriereberatung und Coaching sind etwas anderes als ein Executive-Search-Mandat, bei dem ein Unternehmen eine Beratung mit der Suche nach einer Führungskraft beauftragt hat.
Entscheidend sind drei Fragen: Lässt sich mein Gegenüber verifizieren? Ist der Prozess nachvollziehbar? Und passt das Verhalten zu einem professionellen Suchmandat?
Bleiben Zweifel, hilft der einfachste Check: die vermeintliche Beratung über ihre offiziellen Kontaktdaten selbst zu kontaktieren.
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