„Schlecht informiert über Corona trotz medialem Dauerfeuer“, kritisiert GPRA-Chairman Uwe Kohrs. „Weil die Medien den Schlingerkurs von Politik und Experten ungefiltert begleiten.“

Mediales Dauerfeuer:

„Wenn der Faktencheck ausfällt“

Die Nervosität bei politischen Entscheidern nimmt im Lockdown-Winter 20/21
sichtbar zu. Es wird immer schwerer, die Bürger bei der Stange zu halten und
Disziplin einzufordern. Das mediale Dauerfeuer, das seit einem Jahr täglich die
Republik heimsucht, hat zu einer massiven Ermüdung landauf, landab geführt. Die
Kommunikationsversuche der Politik zwischen Horrorszenarien und angeblichen
Lichtblicken am Ende des Tunnels wirken immer mehr wie verzweifelte
Durchhalteparolen. Die wiederum will man inzwischen schon gar nicht mehr hören,
und trotz all der ARD Extras und ZDF Spezial-Sendungen, den Leitartikeln und
Titelstories ist man immer noch weit davon entfernt, sich gut informiert zu fühlen.
Im Gegenteil; man befindet sich gefühlt in einem permanenten Alarmzustand, der
medial immer weiter befeuert wird.

 

Uwe Kohrs Foto: Privat)

 

Keine Zeit für Recherchen, Weiterreichen von Vorgekautem

Corona ist eben auch eine veritable Informationskrise, die schonungslos die
Folgen einer ausgebluteten Medienlandschaft bloßlegt. Da wird seit Monaten
immer das gleiche Thema von einer schwindenden Zahl von Mitarbeitern in den
Redaktionen bearbeitet. Für eigene Recherchen bleibt kaum Zeit; vielmehr wird
primär Vorgekautes weitergereicht. Und wenn sich etwas Exklusives bietet, wird
der Sachgehalt der vermeintlichen Sensation kaum hinterfragt.

 

In der Analyse fällt auf, dass ein überwiegender Teil der Medienberichte
sogenannte Experten als Primärquelle für die Inhalte nutzt. Vermeintliche Fakten
basieren auf fragwürdigen Studien und Glaube ersetzt immer häufiger gesicherte
Erkenntnisse. Informationen zur Qualifikation von Experten, Quellenangaben von
Studien, kritische Bewertung von Statements und Faktenchecks sucht man
vergebens.

 

Meinung statt Einordnung und Faktenprüfung

Vielmehr geht es in der medialen Berichterstattung primär um Meinung
und Standpunkt und nicht um Einordnung oder Prüfung von vermeintlichen Fakten.
Journalistische, kritische, faktenbasierte Begleitung von Ereignissen findet nur
noch in Ausnahmefällen statt. Und als wäre dies nicht schon problematisch genug,
begleiten die Medien weitgehend ungefiltert den inhaltlichen Schlingerkurs von
Politik und Experten und tragen ihren Teil zum Frust-Level in der Bevölkerung bei.
Man denke nur an die Metamorphose des Maskentragens: zuerst nach
Einschätzung der Experten unnötig, dann tun es auch die do-it-yourself
gebastelten Alltagsmasken und jetzt müssen es mindestens FFP2-Masken sein,
während allerdings Professor Hendrik Streeck OP-Masken für völlig ausreichend hält und sich diesbezüglich zitieren lässt.

 

Die Rolle rückwärts – auch von den Medien

Ein weiteres Beispiel ist der Umgang mit der Frage nach der Rolle von Kindern als
Überträger des Coronavirus. Bereits im Juni 2020 veröffentlicht Professor Christian Drosten Studienergebnisse, die das Übertragungsrisiko als hoch einschätzen. Die
politischen Entscheider halten dies allerdings für vernachlässigbar und ignorieren
im Weiteren die Erkenntnisse. Nach dem Dezember-Lockdown kommt die Rolle
rückwärts und mit dabei natürlich die Medienberichterstattung. „Angeblich hat sich
die Zahl der Neuinfektionen bei Kindern von September bis November
verzehnfacht… Das Öffnen von Schulen kann alles zunichtemachen.“, kann man
plötzlich in deutschen Tageszeitungen erfahren.

 

Die Dramatische Medienkarriere der Schnelltests 

Auch die Corona-Schnelltests haben eine dramatische Medienkarriere hingelegt.
Als Gamechanger und Hoffnungsträger-Schnelltest gestartet, sind Virologen
und Redakteure mittlerweile skeptisch, weil: „Menschen mit negativem
Testergebnis könnten sich in Sicherheit wiegen“.

 

Ähnliche Kehrtwenden kann man auch in Sachen Vakzine beobachten. Waren die
Impfstoffe noch der Hauptgrund für ein optimistisches Weihnachten 2020, so ist
mittlerweile aus dem „Allheilmittel im Tunnel“ dank Politikern und Mutanten ein
latentes Debakel geworden. Mittlerweile sind Headlines wie „Experten sicher:
Corona Impfstoff könnte bald unwirksam sein“ an der Tagesordnung.

 

Der Grad der Verunsicherung der Öffentlichkeit

Angesichts dieser medialen Dissonanzen kann der Grad der Verunsicherung in der
Öffentlichkeit kaum verwundern. Corona mutiert immer mehr zur Einstellungs- und
Glaubensfrage. Die Medien spiegeln diese Entwicklung und verstärken die
Wahrnehmung der permanenten Bedrohung. Hier wären belastbare Faktenchecks
nötig, die den Bürgern dabei helfen, Dinge wirklich beurteilen zu können.

 

Talkshows sind billiger als Wissenssendungen

Aber solange Verlage Redaktionen weiter ausdünnen und Talkshows billiger zu
produzieren sind als anspruchsvolle Wissenssendungen, werden wir damit leben
müssen, dass die immer gleichen „Experten“ ihre Meinung zu Corona in der nicht
endenden Flut von Talkshows zum Besten geben. Ob das dann durch Fakten und
Evidenzen gedeckt ist, bleibt ungeklärt. Wundert es da, dass Querdenker immer
häufiger der Meinung sind, sie könnten auch mal mit ihren Theorien hausieren
gehen? Ein breites Medienecho ist ihnen ja in jedem Fall sicher.

 

 

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