Buchauszug Klaus P. Horn: „Connected to the Unknown – mit Systemaufstellungen die digitale Transformation meistern.“

Buchauszug Klaus P. Horn: „Connected to the Unknown – mit Systemaufstellungen die digitale Transformation meistern.“

 

Klaus P. Horn (Foto: privat)

Connectedness

In einem alten chinesischen Gleichnis stellt ein Maler dem Kaiser sein Gemälde vor, auf dem sich ein Weg zwischen nebelverhangenen Bergen hindurchschlängelt und in der Ferne verliert. »Wohin führt dieser Weg?«, will der Kaiser wissen. »Ich bin ihn noch nicht gegangen«, entgegnet der Maler, betritt das Bild und beginnt, den Weg entlang zu wandern, bis er nicht mehr zu sehen ist.

Auch in unseren Vorstellungen von den Auswirkungen der digitalen Transformation malen wir Landschaften, die wir noch nicht erkundet haben. Wir betrachten Bilder, funkelnde Traumbilder oder Horrorvisionen, doch niemand weiß genau, wohin die Reise mit der Digitalisierung geht, denn dieser Weg liegt noch vor uns. Vielleicht haben auch Sie manchmal das Gefühl, auf einer Expedition ins Un- bekannte zu sein? Dann geht es Ihnen wie vielen Führungskräften in Wirtschaft und Politik, die von einer epochalen Zeitenwende sprechen, dem Eintritt ins digitale oder Informationszeitalter.

Keine andere Entwicklung hat mich in letzter Zeit so aufmerksam werden lassen wie die digitale Transformation. Dabei bin ich weder besonders technikbegeistert noch verbringe ich mehr Zeit als nötig vor Bildschirmen. Es ist etwas anderes, was mein Interesse weckte: Begriffe wie »Disruption« und »Transformation«, die bisher eher zum Sprachgebrauch von Philosophen1 gehörten, tauchen plötzlich in Wirtschaftsmagazinen und Polit-Talkshows auf. Wo bislang allein Wissen und Rationalität den Ton angaben, ist nun auch von »Nicht- wissen« und dem »Unbekannten« in der digitalen Zukunft die Rede.

Seit vier Jahrzehnten arbeite ich mit der Verbindung von »undenkbaren« Ansätzen mit den pragmatischen Erfordernissen des wirtschaftlichen Alltags. Schon in jungen Jahren habe ich mich intensiv mit östlicher Philosophie und Meditation auseinandergesetzt und ihre Prinzipien für die Fragen und Themen von Führungskräften genutzt. Eine asiatische Schwester unseres westlichen, logisch-analytischen Denkens, die im fernen Osten auf eine vieltausendjährige Tradition zurückblickt, ist die wahrnehmende oder Bewusstseinsintelligenz. Sie versucht nicht, Probleme allein durch Nachdenken zu lösen, sondern indem sie sich intuitiv mit ihnen verbindet – also dem Weg ins Bild hinein folgt, statt es nur von außen zu betrachten.

Forderungen nach Lösungen aus der Zukunft, aus dem Raum des Unbekannten, tauchen selbst in den Hochburgen rationaler Vernunft auf. Die Digitalisierung stellt unser Denken und unsere Werte infrage, indem sie uns die scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten künstlicher Intelligenz vor Augen führt.

Das löst bei manchen Optimismus aus, bei vielen aber auch diffuse Ängste. So offenbaren Studien über Fortschritte und Hindernisse im Prozess der Digitalisierung weniger technische als vielmehr menschliche Schwierigkeiten in der Umsetzung. Beklagt wird das Fehlen qualifizierten Personals. Anders gesagt: Viele Mitarbeiterinnen tun sich schwer mit agilen Denk- und Arbeitsweisen und der Mensch- Roboter-Symbiose. Fehlt ihnen nur das Know-how oder die Erfahrung? Oder mangelt es an Akzeptanz und, wenn ja, warum?

Auch hier geben zahlreiche von Consultingfirmen durchgeführte Befragungen Hinweise: Es ist die Angst vor Unsicherheit und Veränderung, die viele Mitarbeiter zu lähmen scheint. Methodische Trainings und Weiterbildungen in agilen Methoden eines New Work allein bringen bisher nicht den gewünschten Erfolg.

Da kaum ein Unternehmen die Mehrheit seiner Mitarbeiterinnen durch solche mit »digitalem Mindset« ersetzen kann oder will, stellt sich die Frage »Was tun?« neu. Wenn es keinen technischen »Quick Fix« gibt, heißt die Alternative, die Menschen mit ihren Sorgen und Befürchtungen ernst zu nehmen. Dazu brauchen wir Wahrnehmung und Empathie. Wie fühlt sich ein Mitarbeiter, wenn sein Wissen, seine Fachkompetenz und Berufserfahrung sowie seine Denk- und Entscheidungsfähigkeiten plötzlich nichts mehr wert sind? Wie geht es ihm, wenn er statt mit Kolleginnen mit Robotern sprechen und zusammenarbeiten soll? Wie reagiert er, wenn sein Job von einer künstlichen Intelligenz übernommen wird, die seine Aufgaben fehlerfrei und schneller bewerkstelligen kann?

Noch scheinen die Nebenwirkungen der Digitalisierung Wenige zu treffen. Außerdem klingen die Einschätzungen der Experten – nach den ersten Schockmeldungen zur Zukunft des Arbeitsmarktes – schon viel moderater. Das könnte sich ändern, denn die digitale Transformation ist ein Prozess, dessen Verlauf ungewiss und dessen Folgen unbekannt sind.

Millionen Menschen sind verunsichert und fürchten um ihre Arbeitsplätze, weil sie den angesagten Jargon nicht sprechen und einer »schönen neuen Welt« nicht hinreichend affin gegenüberstehen, einer Welt, in der Roboter Teammitglieder werden und Alexa und Siri erste nicht menschliche Familienangehörige. Bisher ist es eher eine Art neuer Elite, die Werte wie Sharing, Community, Team, Lab, Co-Working oder Co-Creating aufnehmen und leben kann. Sie ist in ihrem Element, wenn über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg großzügig die wichtigste Ressource des neuen Zeitalters geteilt wird: Information.

Wie aber können wir die Vielen mitnehmen, die noch nicht im angesagten »Mindset« angekommen sind? Was brauchen Menschen, wenn sich alte Strukturen und Hierarchien auflösen? Das Gefühl, ernst genommen zu werden und dazuzugehören! Wie kann Zugehörigkeit transportiert werden? Unter anderem durch Zuhören, Einbeziehen und Empathie!

 

Klaus P. Horn: „Connected to the Unknown – mit Systemaufstellungen die digitale Transformation meistern.“ 30 Euro, 192 Seiten, Vandenhoeck & Ruprecht https://www.amazon.de/Connected-Systemaufstellungen-digitale-Transformation-meistern/dp/3525406746/ref=sr_1_1?keywords=Klaus+P+Horn&qid=1585439340&s=books&sr=1-1

 

 

Die menschliche Entsprechung digitaler Vernetzung ist Verbundenheit. Oder cooler gesagt: Connectedness.

Digitale Transformation braucht menschliche Transformation

Worin kann sich eine Transformation unseres Umgangs miteinander zeigen? Wie sieht unsere Zusammenarbeit aus, wenn wir uns als connected empfinden? Verbunden sein heißt mitfühlen, in Kontakt sein, teilen und sich mitteilen. Verbundenheit ist der »missing link« zwi- schen digitaler und menschlicher Transformation. Sie bringt unsere Bedürfnisse und Grenzen neu ins Spiel, ergänzt unsere technische Vernetztheit mit Gefühl und Intuition.

Wie kann Connectedness einen Ausdruck finden, der mit den digitalen Netzwelten kompatibel ist? Systemische Ansätze sind hier wegweisend, denn Menschen ticken anders als technische Systeme.

Ob in Europa oder Asien, ob in globalen Konzernen oder regional verwurzelten Familienunternehmen – die Herausforderungen von    »Industrie 4.0« liegen in einer Symbiose, die es so noch nicht gab. Menschen mit ihren Emotionen, Bedürfnissen und Werten müssen sich auf die digitale Logik künstlicher Intelligenz einstellen – und diese wiederum auf unser unlogisches – oder psycho-logisches – Innenleben.

Auch das erfordert Expertenwissen und ein neues Denken. Wer heute ein Unternehmen erfolgreich führen, ein Team leiten oder beratend mit Menschen arbeiten will, dem hilft systemisches Verständnis und eine neue Weise, mit sich selbst und anderen umzugehen. Es ist kein Zufall, dass »Achtsamkeit« und »Mindful Leadership« zu gängigen Begriffen im Geschäftsleben geworden sind. Wir öffnen uns für immer mehr Formen erweiterter Wahrnehmung, einfach weil wir sie brauchen!

Ängste und Verunsicherungen weisen auf systemische Ungleichgewichte hin, die als Nebenwirkungen oder Kollateralschäden mit der Digitalisierung einhergehen. Wenn ein Manager gegenüber sei- nen Mitarbeiterinnen die digitale Zukunft visionär verklärt, statt die Ängste vor ihren Nebenwirkungen ernst zu nehmen, setzt er den Kontakt zu seinen Mitarbeitern aufs Spiel. Es kann leicht passieren, dass er als abgehoben erlebt wird, wenn er ihre Wirklichkeit nicht im Blick hat.

Schon die Entwicklung unserer digitalen Alltagsgerätschaften bietet so viel Neues, dass wir ihre Schattenseiten leicht übersehen. So sind wir bereits heute jederzeit überall erreichbar und haben auf einsamen Berggipfeln wie auf stillen Örtchen immer Zugang zu allen gewünschten Informationen. Brauchen und wollen wir das? Und das ist erst der Anfang! Bald werden wir keinen Finger mehr rühren müssen, um per selbstfahrendem oder -fliegendem Vehikel von A nach B zu gelangen. Wir sprechen einfach einen Wunsch aus, und ein dienstbarer Geist bzw. Roboter erfüllt ihn umgehend. Anders als menschliche Dienstleister folgen die elektronischen Geister, die wir riefen, stets widerspruchslos und führen ihre Aufgaben (meist) fehlerfrei aus. Bisweilen kann es uns trotzdem so vorkommen, als drehten sie den Spieß um und brächten uns dazu, ihnen zu dienen.

Schon Smartphones haben diese merkwürdige Eigenschaft, die Aufmerksamkeit der Menschen sehr weitgehend zu beanspruchen. Sie beschäftigen uns bei der Arbeit und in der Freizeit, füllen unterwegs Wartezeiten aller Art, ersetzen Pausengespräche, prägen unsere Kommunikation, und wenn wir sie einmal verlegt haben, lassen sie uns spüren, wie sie uns fehlen. Angeblich gibt es in China Halterungen für das Smartphone des Partners, die man sich auf den Kopf setzt, damit der andere einen auch mal anschaut.

Wie bei vielen revolutionären Entwicklungen gibt es auch bei dieser eine Tendenz, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wo alles Digitale Trumpf ist, werden analoge Verfahren belächelt oder abgelehnt und überschrieben. Da die digitale Transformation von globaler wirtschaftlicher und technologischer Macht vorangetrieben wird, hat sie praktisch keine ernsthafte Opposition zu berück- sichtigen und findet weltweit nur Unterstützer und Fürsprecher in den Chefetagen und Regierungen gleich welcher politischen Couleur.

 

Weltmeister der Digitalisierung wollen wir alle werden!

Systemaufstellungen in der Digitalisierung

In zwei Jahrzehnten praktischer Erfahrung mit der Anwendung der Aufstellungsmethode in Unternehmen und Organisationen hat sich eine methodische Kompetenz entwickelt, deren Nutzen jetzt voll in den Blickpunkt rückt. Es wirkt fast so, als hätte sie sich für ihren Einsatz in der Digitalisierungsliga warm gelaufen. Im Spannungsfeld zwischen digitaler Effektivität und menschlicher Realität ist sie als Methode wie vielleicht keine andere dafür geeignet, Zusammenhänge nicht nur abzubilden, sondern uns wie der chinesische Maler ins Bild eintauchen zu lassen. Wirkungen und Ursachen können so analytisch betrachtet und zugleich auch bewusst erlebt und erfahren werden. Diese Verbindung rationaler Analyse mit Bauchgefühl und Intuition hat das Potenzial, Perspektivenwechsel und kreative Lösungen anzustoßen.

Information ist die Schlüsselressource unserer Zeit. Doch digitale Information spricht nur einen Teil unserer menschlichen Wirklichkeit an – den des Machbaren und Zählbaren. Der besondere Mehrwert von Systemaufstellungen liegt in ihrer Fähigkeit, Informationen zu lesen, die rational und digital nicht zugänglich sind. Es sind verborgene, unsichtbare Dynamiken, die wir nicht immer definieren, aber deutlich spüren können. Unternehmenskulturen werden von ihnen geprägt und gefärbt. Von systemischer Stimmigkeit hängen die Zufriedenheit von Mitarbeiterinnen, die Kreativität in einem Team und der Erfolg eines Unternehmens entscheidend ab. Systemaufstellungen nutzen eine intuitive Sprache, mit der wir alle vertraut sind, ohne sie jemals gelernt zu haben. Sie können deshalb helfen, verborgene Fallstricke in der Digitalisierung ans Licht zu bringen und Schieflagen auszugleichen.

Sie können die Aufstellungsmethode in Ihrem Digitalisierungsprozess nutzen, um einen erweiterten Blick auf Abläufe, Probleme oder ein ganzes Unternehmen zu werfen. Sie bekommen relevante Informationen zu drängenden Fragen, wie beispielsweise:

  • –  Was sind die verborgenen Hintergründe eines schleppenden Veränderungsprozesses?
  • –  Wie können wir Widerstände und Abteilungsdenken überwinden?
  •  Wie kommen wir zu einem Führungsverständnis, das den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist?Im ersten Kapitel dieses Buches erfahren Sie etwas über die systemischen Wirkungen der digitalen Welle. Mit welchem Nutzen Systemaufstellungen in der digitalen Transformation eingesetzt werden können, lesen Sie in Kapitel 2. Praktische Fallbeispiele von Unternehmen und einzelnen Menschen mit ihren Themen im Digitalisierungsprozess sind im dritten Kapitel dokumentiert.

    In Seminaren und Vorträgen werde ich immer wieder mit interessanten Fragen zu systemischen Wirkungen der Digitalisierung konfrontiert. Vielleicht haben Sie sich einige dieser Fragen auch schon gestellt. Eine Auswahl häufiger Fragen und Antworten können Sie in Kapitel 4 nachlesen.

    Welche Herausforderungen die digitale Transformation an Know- how, Unternehmensführung und Arbeitsweisen stellt, wird breit diskutiert. Damit Sie auch die systemischen Wirkungen dieser Prozesse in Ihrem Unternehmen oder Ihrem Team einbeziehen können, finden Sie in Kapitel 5 eine Checkliste, mit der Sie sofort beginnen können, Ihre Unternehmenssituation unter die Lupe zu nehmen. Ebenso wichtig wie systemische Stimmigkeit in der Organisation ist Ihr Lebensgefühl und Ihr Umgang mit sich selbst unter sich ständig verändernden Bedingungen. In Kapitel 5 ist eine Auswahl von Übungen und praktischen Tipps aufgeführt, die Sie dabei unterstützen können, mit Tempo und Druck entspannter umzugehen.

    Blogger-Relevanz-Index 2019

 

 

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