Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Hendrick Melle, der nach Reisen erst mal zum Besen greift – gegen den Stress

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Hendrick Melle, der sich in der Werber-Szene als Gründer der Werbeagentur Melle Pufe schon in den 90ern einen Namen gemacht hat. Inzwischen ist er Mitinhaber des Unternehmens Private Pier Industries (PPI), das Whiskey und Hundefutter in Irland herstellt – und ein Modelabel betreibt.

 

Hendrick Melle (Foto: PPI/Alexander Mechow)

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Mit Private Pier Industries haben mein Partner Stefan Hansen und ich uns den Traum vom selbstbestimmten Arbeiten und Gestalten verwirklicht – wir stellen in Irland das Hundefutter Irish Pure her und mit Grace O`Malley den ersten Whiskey, der nach einer Frau benannt ist. Und wir betreiben das Modelabel Lemanja, die HR Tech Plattform Amploi und – damit das alles gut aussieht – auch noch eine Werbeagentur.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Zwischen sechs und 6.30 Uhr mit 30 Minuten Meditation, danach koche ich eine große Kanne Gyokuro-Tee, halte einen Schwatz mit meiner jüngeren Tochter – sie geht noch zur Schule – und fahre dann ins Büro. Früher bin ich meist Fahrrad gefahren, aber seit immer mehr Leute Fahrrad fahren, ohne dass die Infrastruktur verbessert wurde, fahre ich lieber wieder Auto.

 

Wie würden Sie sich selbst als Chef beschreiben?

Ich bin intuitiv. Als ich noch Kreativchef war, bin ich wie alle Kreativen voller Euphorie von Kampagne zu Kampagne gehopst und habe die Leute mitgerissen. Jetzt, wo wir unsere eigenen Marken führen, brauchen wir Zeit und Gelassenheit.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Vielleicht: Ja, er übt noch. Vielleicht auch: er gibt sich Mühe. Bestimmt: wir gehen ihm lieber aus dem Weg, wenn er mies drauf ist. Hoffentlich: Er kann Irrtümer zugeben und sich entschuldigen.

 

Tee oder Kaffee?

Morgens grünen Tee, vor allem japanische, aber auch die koreanischen werden immer besser. Nach dem Lunch einen doppelten Espresso, manchmal auch noch einen und dann noch einen …

 

Ihr Spitzname ist…?

… Melle. In der Schule war Simon ein paar Jahre mein Spitzname – nach Simon James aus dem Film „Blutige Erdbeeren.“ Das hatte was mit meiner Nickelbrille zu tun und damit, dass ich damals in meiner Polytechnischen Oberschule in Karl-Marx-Stadt den ersten Schulstreik organisierte.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Immer wenn ich von einer Reise nach Hause komme, stelle ich meinen Koffer ab, nehme mir den Besen und fege erstmal das Haus. Das ist meine Art, den Stress hinter mir zu lassen, dem Zuhause „Guten Tag“ zu sagen. Das ist irgendwie auch Zen. Meine Mädchen – meine Frau und zwei Teenager-Töchter – stellen schon den Besen breit, wenn ich komme. Meisten krümeln sie auch extra den Boden voll: Danke.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Ignoranz. Leute die kein Interesse daran haben, ihre Meinung zu ändern, ihr Denken zu erweitern, weil sie stolz darauf sind, überhaupt eine Meinung zu haben. Lieblosigkeit. Die Diskrepanz zwischen Reden und Handeln. Wenn man nix zu sagen hat: Klappe halten.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Mein Hang zum Chaos. Dass ich auf zu vielen Hochzeiten tanze und dann auch noch gern auf dem Tisch.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Metaphorisch gesprochen möchte ich im Sprung sterben. Aber vorher will ich wenigstens einmal den Atlantik Einhand überqueren – und in den nächsten Jahren noch den einen oder anderen Roman schreiben, so wie ich es ja schon getan habe: 2018: „Wurst“, „Schwarzkopf&Schwarzkopf“, 2014: „Die Amazone vom Kollwitzplatz“,  „Life Trust“, 2000 „Richtiges Leben“, „Albrecht Knaus“

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Die Fähigkeit barrierefrei zu denken und Ambivalenz auszuhalten. Sich auf Neues und auf Risiken einzulassen, zuerst mit der Aussicht, was Neues zu lernen. Die Fähigkeit, jemanden so sein zu lassen, wie er ist – das macht die Stabilität der Beziehung mit meinem Partner Stefan Hansen aus. Keiner von uns möchte der Andere sein.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Stille: Ohne Momente von Stille geht es gar nicht; in der täglichen Meditation, oder einfach mal eine Runde um den Block gehen, wenn der Kopf raucht – Stille ist das Tableau, vor dem sich das alltägliche Chaos ordnen lässt, indem sich das Wichtige vom Unwichtigen trennt.

Bücher: Philosophie, Lyrik, Belletristik. Gedanken, die mit dem Arbeitsalltag nichts zu tun haben, aber den Horizont erweitern, die entschleunigen und helfen, neue Zusammenhänge herzustellen. Am besten sind Bücher, die mich am Anfang ärgern oder quälen – sie helfen die eigene Wahrnehmungsblase aufzustechen. Zuhause lese ich gern gedruckt, unterwegs sind digitale Bücher großartig.

Musik: Sie synchronisiert unser Gehirn – linke und rechte Hemisphäre. Deswegen darf man nicht ohne Musik leben. Aber im Ernst: Musik ist Entspannung, Inspiration, Motivation. Dabei gibt es in jedem Genre großartige Musik – von Beethovens Violinkonzert über derben Metall bis zum Cloud-Trap und K-Pop meiner Töchter.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Sehr gern würde ich den Job von „Snoop Dog“ übernehmen – einfach ein Gesamtkunstwerk sein und meine Emotionen in fette Beats gießen zu können. Ich hätte auch gern den Job von Ben Cohen & Jerry Greenfield von „Ben&Jerry`s“ probiert. Leider sind die Jungs ja ausgestiegen. Aber Ben&Jerry`s ist eine meiner liebsten Entrepreneur Stories.

 

„Obwohl ich meditiere, grünen Tee trinke, war ich noch nie im Fernen Osten. Es hat mich immer noch Westen gezogen. Mit dem Feng-Shui Drachen hat meine Frau mir zur PPI-Gründung ein Stück Asien auf den Schreibtisch gestellt – damit ich gelassen bleibe und er die negative Energie frisst“, erzählt Hendrick Melle.

 

 

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