Ein Teller Rucola-Salat mit Heuking-Partner Freund: „Bauen ist das letzte große Abenteuer“

„Es soll Bauvorhaben geben, die ohne Streit abgehen“, sinniert Stephan Freund. Der Anwalt und Partner der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek sieht allerdings nur die anderen. Die, bei denen es so richtig knallt. Und „wenn sich auch noch Bauherren mit „gesundem Halbwissen einmischen, kann es tödlich sein“, erzählt der gebürtige Düsseldorfer.

So mancher Bauherr, der nämlich in seinem Job sehr erfolgreich und sehr begütert ist, nehme dann den Bau seines Einfamilienhaus ebenso selbstbewusst in die Hand. Und das gehe meist nach hinten los. Denn Bauunternehmer und Architekten lassen sich nicht gerne hereinpfuschen.

 

Der Horror Eigenheim-Bau

 

Schlecht laufende Bauvorhaben sind für Privatleute der absolute Horror, erzählt Freund. Sein Eindruck ist: „Bauen ist das letzte große Abenteuer“.

Und wenn man dann erst mal eingezogen ist, muss man dann auch auch drin wohnen und die Mängel tagtäglich hautnah ertragen. Wenn im Keller plötzlich Schimmel auftaucht oder „nach drei Jahren Mängel aus fünfzehn verschiedenen Gewerken zutage treten. Das macht die Leute fertig“, so Freunds Erfahrung.

 

Stephan Freund, Baurechtler und Partner bei Heuking Kühn

Stephan Freund, Baurechtler und Partner bei Heuking Kühn

 

Bauherren auf dem Kriegspfad

 

Und es gibt auch umgekehrt die Fälle, in denen brave Handwerker fast in den Ruin getrieben werden von Bauherren, die auf dem Kriegspfad sind. Freund erinnert sich noch lebhaft an den Besitzer eines Zwei-Millionen-Architektenhauses, der sich mit 18 verschiedenen Handwerkern gleichzeitig vor Gericht stritt. Die Handwerker waren schließlich so aufgebracht, dass sie bei einer gemeinsamen Krisensitzung zusammenrotteten und eigenhändig das Haus wieder einreissen wollten – und Freund die aufgebrachte Meute nur mit Mühe beruhigen und von ihrem Plan abbringen konnte.

Aber private Bauherren und derart emotionsgeladene Streitigkeiten muss Freund nicht andauernd aushalten. Sein täglich Brot ist das Aushandeln von Mietverträgen für große Gewerbeimmobilien bis hin zum Betreuen einzelner Mandanten. Etwa wenn der Textilproduzent Esprit 130 Filialen betreibt – mit 130 verschiedenen Mietverträgen. Dann sind unglaublich viele Detailfragen festzuschreiben. Bis hin zu den Öffnungszeiten der jeweiligen Passage. Das erfordert gute Nerven und gelegentlich Humor, um die Dinge mit Abstand sehen zu können. Aber mit beidem kann Freund aufwarten.

 

Krematorien als Bauvorhaben

 

Sein Know-how ist auch gefragt, wenn es beispielsweise um den Bau von Spezialimmobilien wie dem Klinikum Köln Meerheim oder dem größten europäischen Kreatorium geht, das in Hamburg steht. So nebenbei erfahre ich wieder mal völlig Unerwartetes: „Verstorbene werden heute in Krematorien quer durch Europa überführt“, erzählt der Jurist. Die Niederlande und Tschechien seien die Marktführer.

Ruccolasalat mit Putenschnitzel und Parmesan

Rucolasalat mit Putenschnitzel und Parmesan

 

Hier im Basil´s in Düsseldorf hat Freund sich einen Teller Rucola-Salat mit Putenbruststreifen und Parmesan bestellt. Das, wo er doch eigentlich Grill-Fan ist und am Wochenende im Garten schrecklich gerne selbst im Garten. „Wie alle Männer“, sagt er. Grillen sei unter den Herren das Thema schlechthin. Wo welches Fleisch wie lange auf den Rost kommt, sei für viele Diskussionen gut.

Schaut man sich an, welche Hochglanzmagazine wie „Beef“ inzwischen so am Zeitungskiosk ausliegen, hat er sicher recht. Durfte ich doch erst kürzlich lernen, welchen Siegeszug die Marke Weber-Grill in den vergangenen Jahren in Deutschland hingelegt hat – so nebenbei während einer Recherche über die PR-Agenturenlandschaft. Und dass Weber-Grill dieses Jahr sogar in der Kölner Stunk-Sitzung – dem alternativen Karneval, der aber nach 30 Jahren ebenso etabliert ist wie die Etablierten – zum Gattungsbegriff erhoben wurde. Das will schon was heißen.

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Zutreffender und amüsant geschriebener Bericht zu regelmäßig nicht gerade einfach gelagerten Streitfällen, in denen sich ein qualifizierter und mit dem nötigen Humor, der gelegentlich die Arbeit erleichtert, ausgerüsteter Anwalt bewähren kann.