Aufsichtsräte-TV: Interview mit Viktoria Kickinger zu ihrem Director´s Channel, der „kein Frühstücksfernsehen ist“

Director´s Channel – Internet-TV-Kanal nur für Aufsichtsräte

Viktoria Kickinger, Programmchefin von Director´s Channel – sagt, warum auch Aufsichtsräte auf ihrem TV-Kanal Filme angucken sollen über Fragen wie diese: Welche Rolle spielt der Aufsichtsrat bei der Abschlussprüfung? Welche Gerichtsurteile verschärfen sein Haftungsrisiko? Was plant die EU in puncto Managervergütung?

Frau Kickinger, seit kurzem betreiben Sie den einen Internet-TV-Sender für Aufsichtsräte. Wie kommt man auf die Idee, dass Aufsichtsräte Lust und Zeit haben, sich Internetfilme anzuschauen?

Victoria Kickinger, Aufsichtsräte-TV

Victoria Kickinger, Aufsichtsräte-TV

Aufsichtsrat zu sein, wird immer mehr zum Full-Time-Job. Zu recht, sagte Paul Achtleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, kürzlich in der „Welt am Sonntag“, dass er sich im Moment „schwer vorstellen“ könne, wie er „einen zweiten Aufsichtsratsvorsitz meistern sollte“. Der frühere BASF-Chef Jürgen Hambrecht sagte in demselben Beitrag, dass die „Zeit der Aufsichtsautokraten endgültig vorbei“ sei. Er meinte damit, dass die Zeit vorbei ist, in denen die Aufsichtsratschef alles regelten und die anderen Aufsichtsräte das nur abnicken brauchen. Heute ist jedes Aufsichtsratsmitglied voll gefordert. So ein Nebenjob nimmt bis zu einen Monat im Jahr in Anspruch und erfordert fundierte Kenntnisse. Auch Klaus-Peter Müller, Chefkontrolleur der Commerzbank, bestätigt, dass sich das Rollenverständnis in den Aufsichtsratsetagen grundlegend verändert hat.

Und das heißt das konkret?

Kickinger: Früher reichte es, viermal im Jahr zu einer Aufsichtsratssitzung zu erscheinen. Heute sind acht bis zehn Sitzungen die Regel. Und das sind wahrlich keine Plauderstunden. Nicht nur als Aufsichtsratsvorsitzender müssen Sie jede dieser Sitzungen klar strukturiert und professionell vorbereiten, auch die anderen Aufsichtsratsmitglieder haben ihre ganz konkreten Aufgaben zu erfüllen, tragen enorme Verantwortung und – damit einhergehend – ein erhebliches Haftungsrisiko. Es gibt eine Flut an Gesetzesänderungen, Gerichtsurteilen unternehmerischen oder auch versicherungstechnischer Fragestellungen, die Aufsichtsräte kennen müssen. Und genau dabei wollen wir die Aufsichtsräte mit unserem Internet-TV-Programm von Director´s Channel unterstützen.

Und wie?

Director´s Channel berichtet über alles, was für die tägliche Arbeit von Aufsichtsräten wichtig ist – angefangen bei der Frage, wie man vertrauliche Dokumente schützt, welche neuen Regeln die EU plant, was es in puncto Strafrecht Neues gibt bis hin zu grundsätzlichen Themen – etwa, wann ein Aufsichtsrat beschlussfähig ist, welche Berichtspflichten der Vorstand hat, was die Aufgabe des Audit Committees ist.

Was aber vielleicht noch wichtiger ist: Dass sie Director´s Channel quasi als Handarchiv nutzen können. Wenn es gilt, grundsätzliche Fragen, die ihre Tätigkeit betreffen, zu klären. Es gibt deshalb eine Wissensdatenbank, die aufgebaut ist wie ein multimediales Archiv. Wir zeigen nicht nur Videofilme, in denen wir über Neuigkeiten berichten oder Experten zu Wort kommen lassen. Über ein Schlagwortverzeichnis können unsere Zuschauer selbst Themen recherchieren, erhalten Links zu wichtigen Gesetzestexten und journalistischen Fachbeiträgen, die aufsichtsrechtliche Fragestellungen vertiefen.

Dass die Anforderungen an die Aufsichtsräte gestiegen sind, ist klar. Das zeiget auch die Zahl der Managerhaftungsfälle, die stetig steigt. Aber warum sollten sich diese Top-Leute ausgerechnet vor die Glotze setzen, um sich fortzubilden, statt zu lesen?

Warum nicht? Unsere Einschaltquoten gerade über die Weihnachtstage jedenfalls waren sehr zufriedenstellend. Und wenn morgens die ersten Nachrichten über unseren Newstream-Ticker laufen, ist das eine gute Gelegenheit für Aufsichtsräte, die für sie relevanten Nachrichten in Erfahrung zu bringen. Übrigens sind wir kein Frühstücksfernsehen, sondern unsere Zuschauer sehen uns über ihr iPad oder den Heimcomputer.

Gehören nicht die meisten Aufsichtsräte zu einer Generation, die sich E-Mails ausdrucken lässt und selbst kaum ins Internet geht?

Das halte ich für ein Klischee. Wer sich als Aufsichtsrat heute noch E-Mails ausdrucken lässt, hat auf seinem Posten nichts mehr verloren. Eine der wichtigsten Aufgaben von Aufsichtsräten ist es, dafür zu sorgen, dass ihre Unternehmen anständig auf die Themen Internet, Digitalisierung und Cyber Security vorbereitet sind. Und das tun sie auch: Die Themen Wirtschaftskriminalität und Datensicherheit erzielen die höchsten Klickraten bei Director´s Channel.

Das zeigt, wie hoch der Informationsbedarf gerade in beim Datenschutz und Datensicherheit im Internetzeitalter bei unserer Zielgruppe ist. Ich kann wirklich nicht bestätigen, dass Aufsichtsräte heute noch das Internet meiden. In den Kontrollgremien sind immer mehr 40- bis 50-Jährige unterwegs, die selbstverständlich mit Smart Phones, iPads, Tablets arbeiten. Auch den 60- und 70-Jährigen kann man wirklich nicht pauschal unterstellen, sie hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Reicht der Informationsbedarf dieser kleinen Zielgruppe aus, um einen eigenen Internet-Sparten-Kanal rentabel zu betreiben?

Kickinger: Schätzungen zufolge soll es etwa 120.000 Aufsichtsräte im deutschsprachigen Raum geben. Wenn von Aufsichtsräten die Rede ist, denken die meisten an die bekannten Aufsichtsräte der Dax-Konzerne. Unsere Kernzielgruppe sind aber vor allem die vielen Aufsichtsräte, Beiräte und Verwaltungsräte, die wirklich verantwortungsvolle Arbeit im Mittelstand leisten, aber gerade in schwierigen Situationen häufig auf sich selbst gestellt sind. Wenn ein Unternehmen einmal in der Krise steckt, ist häufig auch kein Geld mehr einen Rechtsbeistand mehr da. Das sind Situationen, in denen man als Aufsichtsrat verlässliche Quellen, praktische Verhaltenstipps und die Erfahrungsberichte anderer Aufsichtsräte zu schätzen lernt.

…also was ist Ihr Ziel?

Director´s Channel soll zum meistgeklickten Special-Interest-Kanal im Internet aufsteigen. Uns geht es darum, qualitativ hochwertige Informationen zu liefern, die Aufsichtsräten Impulse für ihre Arbeit geben.

Lassen sich so komplexe Themen wie Unternehmensstrafrecht oder Managerhaftung überhaupt in Kurzfilmen tief genug beleuchten?

Kickinger: In fünf- bis zehnminütigen Filmen kann man nur die wichtigsten Punkte anreißen. Doch gerade angesichts der hohen Informationsdichte, den vielen sehr unterschiedlichen Gebieten, die für die Aufsichtsratstätigkeit von Belang sein können, sehen wir es als unseren Auftrag an, für die Zuschauer das Wichtigste aus dem herauszufiltern, was Aufsichtsräte mittlerweile fast täglich an Änderungen und Neuigkeiten zu berücksichtigen haben..

Den Besuch beim Rechtsanwalt oder Unternehmensberater kann doch aber ein TV-Programm nicht wirklich ersetzen?

Kickinger: Sicher nicht. Unsere Zuschauer sollen sich nachrichtlich up-to-date halten können. Und Aufsichtsräte sollen von den Erfahrungen anderer lernen..

Wissen Sie wann und wo Aufsichtsräte Ihren zuschauen?

Noch nicht. Director´s Channel ist erst seit fünf Monaten – also vergangenem September – online. Wir analysieren im Moment noch das Zuschauerverhalten. Grundsätzlich steht unser Programm ja völlig zeitunabhängig jedermann zur Verfügung. Rund um die Uhr.

Gebühren verlangt Director´s Channel nicht. Leben Sie von Werbeeinnahmen?

Kickinger: Bei uns gibt es keine Werbebanner oder Störer. Wir betreiben auch kein Name-Dropping, wir haben Sponsoren. Der erste war übrigens Brainloop, ein Anbieter von geschützten Datenräumen, die gewährleisten, dass Dokumente sicher übers Internet ausgetauscht werden können. Das Thema brennt den Aufsichtsräten unter den Nägeln.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dass die Zeit für einen eigenen Internet-TV-Kanal für Aufsichtsräte reif ist?

Ich bin selbst Aufsichtsrätin in verschiedenen Unternehmen und habe darunter gelitten – gerade als ich anfing -, dass es einfach keine anständige, praxisorientierte Fachliteratur oder auch Handbücher für Aufsichtsräte gab. Gerade wer im Mittelstand als Aufsichtsrat tätig ist, muss sich selbst vieles zusammensuchen. Ich nehme meine Aufgaben als Aufsichtsrätin sehr ernst und wollte dafür sorgen, dass die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, auch Unterstützung dabei erfahren, an für sie wichtige Informationen schnell heranzukommen.

Da ich zuvor lange Jahre für den ORF als Journalistin gearbeitet hatte, lag es für mich nahe, das Medium Fernsehen zu nutzen, um Themen aufzugreifen, die für mich als Aufsichtsrätin und für meine Aufsichtsratskollegen wichtig sind. Angefangen hat alles weniger multimedial, mit der Wissensdatenbank Inara, die heute im deutschsprachigen Raum die führende Informationsplattform für Aufsichtsräte ist.

Außerdem betreibe ich seit einigen Jahren Lobbyarbeit in Brüssel, wo ich mich für die Berücksichtigung des dualen Aufsichtssystems und die Belange der Aufsichtsräte stark mache. Aufsichtsräte erfüllen eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft, da ist es eben auch wichtig, dass wir die Möglichkeiten des Internet nutzen, um unsere Arbeit weiter zu professionalisieren.

Link zum Sender: http://www.directorschannel.tv/

Victoria Kickinger hat den weltweit ersten Internet-TV-Kanal für Aufsichtsräte, Director´s Channel, gegründet. Sie ist selbst ist im Aufsichtsrat von Polytech Holding AG und Vorsitzende im Universitätsrat Mozarteum Salzburg Wiener Staatsoper Burgtheater Wien Volksoper Wien Art for art.

Link zum Sender für Unternehmenskontrolleure – DC, Director`s Channel: http://www.directorschannel.tv/

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