Wo´s nett ist, bleibe (und arbeite) ich

Ausgerechnet Medizinstudenten – das sind die mit den tollen Noten, knappen Ausbildungsplätzen und dann doch einer bescheidenen Zukunft, wenn sie sich niederlassen und seriös bleiben wollen – suchen sich ihre Aus- und Weiterbildungsstätten für ihr sogenanntes Praktisches Jahr gut aus: Unternehmenskultur, Team-Klima und Feedback-Kultur (zur Erläuterung für deutsche Führungskräfte: das ist Lob und Tadel, und zwar auf vernünftige, motivierende Art und Weise).

Und genau da klafft die Lücke: Die Kliniken sind nämlich schief gewickelt und meinen, die Studenten kämen zu ihnen wegen ihres guten Images, dem medizinischen Leistungsspektrum und regionalen Faktoren. Alles falsch, der wahre Grund ist vielmehr: „Weiche Faktoren sind ausschlaggebend“ für die Arbeitgeberattraktivität so berichtete Petra Schubert von Schubert Management Consultants auf  einem Symposium des Medizin-Management-Verbands.  Im Klartext: Das Gehalt ist nicht ausschlaggebend, wohl aber das Betriebsklima.

Das macht es den Kliniken schwerer, das eigentliche Problem anzugehen. Die Hierarchien und wie sich Führungskräfte auf Kosten der Belegschaft in deutschen Kliniken ausleben, ist berüchtigt – so unwürdig ist es. Kein Wunder, wenn sie junge Akademiker fragen, warum sie so eine lange Ausbildung auf sich nehmen, wenn sie danach doch nur degradiert, bevormundet und böde behandelt werden. Ohne so stattliche Schmerzensgelder wie Jung-Anwälte in Top-Kanzleien, die schon mal bei 100 000 Euro Jahresgehalt und mehr liegen.

Die Folge: Die deutschen Kliniken tun sich schwer damit,  junge Mitarbeiter an sich zu binden: „Die höchste Fluktuation gibt es bei den Assistenzärzten“, so Schubert. „Die Kliniken müssen sich systematisch an die Erwartungen des jungen Fachpersonals anpassen.“ www.medizin-management-verband.de

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