{"id":8579,"date":"2012-07-09T00:36:18","date_gmt":"2012-07-08T22:36:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/?p=8579"},"modified":"2012-07-09T00:36:18","modified_gmt":"2012-07-08T22:36:18","slug":"blackberry-chef-heins-jetzt-die-pferde-zu-wechseln-ergabe-keinen-sinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2012\/07\/09\/blackberry-chef-heins-jetzt-die-pferde-zu-wechseln-ergabe-keinen-sinn\/","title":{"rendered":"Blackberry-Chef Heins: &#8222;Jetzt die Pferde zu wechseln erg\u00e4be keinen Sinn&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Thorsten Heins, Chef von Research in Motion, sieht den Blackberry-Hersteller trotz aller Probleme nicht in einer Todesspirale. Zudem erteilt erteilt er im Interview einem Wechsel auf das mobiles Betriebssystem von Google oder Microsoft eine Absage. \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Nach den j\u00fcngsten, dramatisch schlecht ausgefallenen Quartalszahlen des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) habe ich unter der zugegebenerma\u00dfen rei\u00dferischen \u00dcberschrift <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2012\/07\/02\/blackberry-hersteller-rim-eine-tickende-zeitbombe-die-jetzt-explodiert-ist\/\" target=\"_blank\">&#8222;Eine tickende Zeitbombe \u2013 die jetzt explodiert ist&#8220;<\/a> die schwierige Situation der Kanadier hier im Blog n\u00e4her beleuchtet. Denn im Prinzip hat RIM bis heute keine Antwort auf die Einf\u00fchrung des iPhones vor f\u00fcnf Jahren gefunden &#8211; entsprechend hat die Aktien in jenem Zeitraum um 89 Prozent an Wert verloren:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8592\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2012\/07\/apple-rim-cotd.jpg\" alt=\"\" width=\"435\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2012\/07\/apple-rim-cotd.jpg 615w, https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2012\/07\/apple-rim-cotd-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 435px) 100vw, 435px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/chart-of-the-day-rims-post-iphone-implosion-2012-6\" target=\"_blank\">Business Insider<\/a><\/p>\n<p>Das freilich wollte der 54-j\u00e4hrige Deutsche, der <a href=\"https:\/\/press.rim.com\/newsroom\/financial\/2012\/pressrelease-5358.html\" target=\"_blank\">seit Januar dieses Jahres als Vorstandschef an der Spitze von RIM steht<\/a>, so nicht unkommentiert stehen lassen. Ende vergangener Woche habe ich daher ein Interview mit Heins f\u00fchren k\u00f6nnen, um seine Sicht der Dinge zum Zustand des Unternehmens und zu seinen Pl\u00e4nen in den kommenden Monaten zu erfahren. Im Folgenden der Wortlaut unseres Gespr\u00e4chs:<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8587\" style=\"margin-right: 10px\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2012\/07\/RIMHeins.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"177\" \/>Herr Heins, RIM hat das zweite Quartal in Folge rote Zahlen geschrieben, der Umsatz ist allein im j\u00fcngsten Quartal um mehr als 40 Prozent eingebrochen, der Marktanteil bei Smartphones im freien Fall \u2013 laut Ihrer Aussage befinde sich RIM dennoch nicht in einer \u201eTodesspirale\u201c. In was dann?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heins:<\/strong> Ich bezeichne unseren Zustand als eine massive \u00dcbergangssituation, durch die das Unternehmen gerade hindurch geht. Man baut ja nicht jedes Jahr eine neue Plattform. Wir wollen mit Blackberry 10 eine Plattform f\u00fcr mobile Computing in den kommenden Jahren schaffen \u2013 das ist eben eine andere Herausforderung als ein Upgrade von Version 6 auf Version 7. Wir k\u00f6nnen damit k\u00fcnftig nicht nur Smartphones, sondern auch Tablets bauen und RIM in neue Gesch\u00e4ftsfelder wie Connected Cars oder Maschine-zu-Maschine-Kommunikation zu f\u00fchren. Das werden wichtige Themen in den n\u00e4chsten zehn Jahren. Daher haben wir uns entschieden, die Firma durch diese \u00dcbergangsphase hindurchzuf\u00fchren, um dann in diesen M\u00e4rkten partizipieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Dennoch: Ihre aktuellen Zahlen mit dem eindeutigen Abw\u00e4rtstrend sehen schon eher nach Todesspirale aus.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heins:<\/strong>\u00a0Dass der aktuelle \u00dcbergang extrem herausfordernd f\u00fcr unsere Firma und alle Mitarbeiter, aber auch f\u00fcr unsere Kunden ist, leugne ich nicht. Als Todesspirale bewerte ich die Situation trotzdem nicht; die w\u00fcrde ich dann sehen, wenn ich auf dem aktuellen Blackberry-Betriebssystem die n\u00e4chsten zehn Jahre gestalten m\u00fcsste. Dann w\u00e4re ich besorgt \u00fcber die Zukunft der Firma. Ja, die n\u00e4chsten Quartale werden eine Herausforderung f\u00fcr das Unternehmen \u2013 aber ich bin auch sicher, dass wir da durchkommen werden.<\/p>\n<p><strong>Wie wollen Sie denn kurzfristig den Teufelskreislauf aus sinkenden Verkaufszahlen und wachsenden Verlusten durchbrechen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heins:<\/strong>\u00a0Wir haben ja angek\u00fcndigt, 5000 Mitarbeiter abbauen zu wollen \u2013 das ist ein wesentlicher Hebel, um unsere Kostenstruktur in den Griff zu bekommen. Und wir m\u00fcssen ein derartiges Effizienzprogramm so oder so machen, weil die Firma in den letzten Jahren sehr stark gewachsen ist und wir gewisse Seitenprojekte k\u00fcnftig schlicht nicht mehr weiterverfolgen werden. Dar\u00fcber hinaus ist ja nicht alles d\u00fcster \u2013 Blackberry ist beispielsweise noch die Nummer eins in S\u00fcdafrika, und wir haben weiterhin gro\u00dfe Erfolge in Asien. Ich glaube schon, dass wir \u00fcber eine loyale Kundenbasis verf\u00fcgen und auch Wachstum in anderen Regionen haben, die uns durch diese \u00dcbergangsphase tragen werden. Beispielsweise ist die Zahl der Blackberry-Abonnenten mittlerweile auch fast 80 Millionen gewachsen.<\/p>\n<p><strong>Allerdings mussten Sie die Ver\u00f6ffentlichung Ihres Hoffnungstr\u00e4gers Blackberry 10 auf 2013 verschieben. Ist es in dem extrem schnelllebigen Mobilmarkt dann nicht schon zu sp\u00e4t, um noch nennenswert gegen die gro\u00dfen Rivalen Apple und Samsung zur\u00fcckzuschlagen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heins:<\/strong>\u00a0Wenn es nur ein Produkt w\u00e4re, dann k\u00f6nnte man das so sehen. Aber wir reden \u00fcber eine neue Plattform, die uns komplett neues Gesch\u00e4ft bescheren soll. Und der Entwicklungsaufwand dahinter bedeutet eben einen enormen Aufwand. Bin ich entt\u00e4uscht, dass wir unseren Zeitplan nicht halten konnten? Ja, bin ich. Mir war aber wichtig, dass wir eine Plattform bauen, die qualitativ hochwertig ist. Zudem glaube ich nicht, dass bei der Einf\u00fchrung einer komplett neuen Plattform f\u00fcr das mobile Computing zwei Monate letztlich kriegsentscheidend sind.<\/p>\n<p><strong>Im Mobilgesch\u00e4ft konkurrieren mit Apple iOS, Google Android und Microsoft Windows Phone bereits drei \u00d6kosysteme miteinander. Wie wollen Sie mit Blackberry 10 das Schicksal von Palm vermeiden, deren seinerzeit neu entwickelte Plattform WebOS zwar hochgelobt war, die aber letztlich zu sp\u00e4t kam?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heins:<\/strong>\u00a0Ich denke, dass wir da einen besseren Startpunkt haben, weil wir eine relativ starke, loyale Kundenbasis haben \u2013 das auch und gerade im Unternehmensbereich mit unserer eigenen sicheren Infrastruktur. Wir m\u00fcssen uns also nicht eine neue Basis komplett von Grund auf neu erschaffen \u2013 das ist ein wichtiger Vorteil. Im Endkundenbereich gebe ich Ihnen Recht, dass das ein harter Kampf wird, um gegen die von Ihnen angef\u00fchrten Wettbewerber anzutreten.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4re stattdessen nicht der Wechsel auf Android oder Windows Phone f\u00fcr RIM sinnvoll, schlicht weil Sie dann direkt auf eine gro\u00dfe Zahl bereits existierender Apps zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heins:<\/strong>\u00a0Android haben wir uns vor anderthalb Jahren sehr intensiv angeschaut, als wir feststellen mussten, dass die Zukunftsf\u00e4higkeit der aktuellen Blackberry-Plattform begrenzt ist. Aber wenn Sie sich anschauen, was im Markt passiert ist, sehen Sie, dass Samsung Android gewisserma\u00dfen monopolisiert hat. Die nutzen ihre Hardware-F\u00e4higkeiten sehr gut und k\u00f6nnen daher das Gesch\u00e4ftsmodell anders aufsetzen. Allen anderen Android-Anbietern fehlt aber das Differenzierungsmerkmal. Das haben wir mit Blackberry 10, zumal wir einen gro\u00dfen Anteil Unternehmenskunden haben, die auf andere Merkmale Wert legen.<\/p>\n<p><strong>Windows Phone war da keine Alternative? Immerhin gibt es immer wieder mal Ger\u00fcchte bez\u00fcglich Microsoft.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heins:<\/strong>\u00a0Vor anderthalb Jahren, als wir die Entscheidung getroffen haben, war Windows Phone noch gar nicht in der Form auf dem Radar. Zudem sind wir mit Blackberry 10 jetzt schon so weit, dass wir das durchziehen sollten. Jetzt die Pferde zu wechseln erg\u00e4be \u00fcberhaupt keinen Sinn, denn wir br\u00e4uchten mindestens neun bis zw\u00f6lf Monate, um darauf zu migrieren.<\/p>\n<p><strong>Sie haben allein in den USA 22 verschiedene Smartphones im Angebot. M\u00fcssten Sie Ihre Palette viel st\u00e4rker straffen, um Komplexit\u00e4t herauszunehmen und dadurch Kosten zu sparen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heins:<\/strong>\u00a0Absolut richtig \u2013 und das passiert gerade auch. Und auch bei Blackberry 10 werden wir ein wesentlich fokussierteres Produktportfolio haben und nicht mehr so in die Breite gehen und versuchen, Everybody\u2019s Darling zu sein.<\/p>\n<p><strong>Von dem einst als Hoffnungstr\u00e4ger bezeichneten Tablet-Rechner Playbook hat RIM gerade mal 1,1 Millionen St\u00fcck verkauft \u2013 ist es nicht an der Zeit, das Produkt einzustellen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heins:<\/strong>\u00a0Das Tablet ist sicher eine Herausforderung, das stimmt. Die Gesch\u00e4ftsmodelle anderer Hersteller sind eben nicht rein Hardware-basiert. Amazon beispielsweise nutzt den Kindle gewisserma\u00dfen als individuellen mobilen Shop und als Zugang zu ihren Inhalten. Allein auf Basis der Hardware ist es schwierig, ein erfolgreiches Gesch\u00e4ftsmodell rund um Tablet-Rechner aufzusetzen. Damit setzen wir uns auseinander und werden uns k\u00fcnftig st\u00e4rker wieder auf Unternehmenskunden fokussieren. Ob dagegen ein Consumer-Tablet wirtschaftlich Sinn ergibt, ist eine gute Frage \u2013 die wir noch beantworten m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Verwandte Artikel:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2012\/07\/02\/blackberry-hersteller-rim-eine-tickende-zeitbombe-die-jetzt-explodiert-ist\/\" target=\"_blank\">Blackberry-Hersteller RIM: Eine tickende Zeitbombe \u2013 die jetzt explodiert ist<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2012\/06\/28\/funf-jahre-apple-iphone-250-millionen-gerate-150-milliarden-dollar-umsatz\/\">F\u00fcnf Jahre Apple iPhone: 250 Millionen Ger\u00e4te, 150 Milliarden Dollar Umsatz<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2012\/01\/24\/apple-das-imperium-schlagt-zuruck\/\" target=\"_blank\">Apple \u2013 das Imperium schl\u00e4gt zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2012\/01\/09\/funf-jahre-iphone-apple\/\" target=\"_blank\">F\u00fcnf Jahre iPhone: Wie Apple das Mobiltelefon neu erfindet<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2011\/10\/11\/blackberry-rim-kehrtwende\/\" target=\"_blank\">Wie kann Blackberry die Kehrtwende gelingen?<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thorsten Heins, Chef von Research in Motion, sieht den Blackberry-Hersteller trotz aller Probleme nicht in einer Todesspirale. Zudem erteilt erteilt er im Interview einem Wechsel auf das mobiles Betriebssystem von Google oder Microsoft eine Absage. \u00a0 Nach den j\u00fcngsten, dramatisch &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2012\/07\/09\/blackberry-chef-heins-jetzt-die-pferde-zu-wechseln-ergabe-keinen-sinn\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6,7,87,144,43,52,95,61,102,98,79],"class_list":["post-8579","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-android","tag-apple","tag-blackberry","tag-interview","tag-iphone","tag-microsoft","tag-research-in-motion","tag-samsung","tag-smartphones","tag-tablets","tag-windows-phone"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8579","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8579"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8579\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}