{"id":625,"date":"2010-05-20T15:24:53","date_gmt":"2010-05-20T14:24:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/look-at-it\/?p=625"},"modified":"2010-05-20T15:24:53","modified_gmt":"2010-05-20T14:24:53","slug":"google-the-good-the-bad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2010\/05\/20\/google-the-good-the-bad\/","title":{"rendered":"Google: The Good, the Bad or the Ugly?"},"content":{"rendered":"<p>Google-Vorstandschef Eric Schmidt jedenfalls kann die ganze Aufregung nicht verstehen: \u201eDas nennen Sie eine Krise?&#8220;, fragt er in einem <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/digital\/online\/google-chef-eric-schmidt-zur-wlan-schnueffelei-wem-wurde-schaden-zugefuegt-1567850.html\" target=\"_blank\">am Donnerstag ver\u00f6ffentlichen Interview mit Stern.de<\/a> \u00fcberrascht zur\u00fcck. Da fragt man sich, was f\u00fcr Google eigentlich noch passieren muss, bis die Verantwortlichen von Krise sprechen. Immerhin hat am Mittwoch &#8211; dem Tag vor Schmidts Interview &#8211; die <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/googlestreetview112.html\" target=\"_blank\">Staatsanwaltschaft in Hamburg ein Ermittlungsverfahren gegen Google<\/a> eingeleitet &#8211; der vorl\u00e4ufiger H\u00f6hepunkt in einer seit Ende April schwelenden Aff\u00e4re.<\/p>\n<p>Da r\u00e4umte der Konzern n\u00e4mlich ein, dass die f\u00fcr den Google-Dienst StreetView ausger\u00fcsteten Fahreuge nicht nur Fotos von H\u00e4usern machen, sondern gleichzeitig auch <a href=\"https:\/\/www.hamburg.de\/datenschutz\/aktuelles\/nofl\/2217396\/pressemeldung-2010-04-22.html\" target=\"_blank\">die Stra\u00dfenz\u00fcge nach WLAN-Funknetze scannen<\/a>. In einer ersten Replik wenige Tage sp\u00e4ter beteuerte Google, dabei w\u00fcrden <a href=\"https:\/\/googlepolicyeurope.blogspot.com\/2010\/04\/data-collected-by-google-cars.html\" target=\"_blank\">blo\u00df der Name des Netzwerks, die Art der Verschl\u00fcsselung sowie die jeweilige WLAN-Identit\u00e4tsnummer gespeichert<\/a>, aber keine dar\u00fcber hinaus gehenden personaliserbaren Informationen.<\/p>\n<p>Mitte Mai dann der kleinm\u00fctige Kotau der Amerikaner: Von nicht-verschl\u00fcsselten (und dadurch frei zug\u00e4nglichen) Funknetzen seien auch Nutzerdaten gespeichert worden, beispielsweise Inhalte von aufgerufenen Internet-Seiten oder versendete E-Mails &#8211; davon aber jeweils nur Fragmente, wie Google beteuerte. Wie das geschehen konnte?\u00a0<a href=\"https:\/\/googleblog.blogspot.com\/2010\/05\/wifi-data-collection-update.html\" target=\"_blank\">&#8222;Ganz einfach, es war ein Versehen&#8220;<\/a>, schreibt der Konzern in seinem offiziellen Blog. Man habe &#8222;aus Versehen&#8220; ein St\u00fcck Software mit auf die StreetView-Ger\u00e4tschaften \u00fcberspielt, ohne zu wissen, dass jenes die WLAN-Daten speichere. Inzwischen habe man die Aufzeichnung des Datenverkehrs aber gestoppt.<\/p>\n<p><strong>Kein Schaden, kein Foul<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Google-Boss Schmidt ist die Sache damit offenbar erledigt: &#8222;Wem wurde Schaden zugef\u00fcgt? Nennen Sie mir diese Person&#8220;, sagt er in dem am Donnerstag ver\u00f6ffentlichten Interview. An eine Anklageerhebung wegen unerlaubter Datenaufzeichnung in Deutschland glaube er daher nicht: &#8222;Kein Schaden, kein Foul.&#8220; Also einfach zur Tagesordnung \u00fcbergehen? Wenn er sich da mal nicht t\u00e4uscht. Immerhin: Inzwischen sind auch amerikanische Juristen hellh\u00f6rig geworden und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/idUSTRE64I6P820100519\" target=\"_blank\">fordern eine Untersuchung der WLAN-Speicherung durch die amerikanische Handelsbeh\u00f6rde FTC<\/a>.<\/p>\n<p>Der Kern des Problems liegt aber jenseits aller strafrechtlichen Relevanz (die allein nat\u00fcrlich schon schlimm genug f\u00fcr Google w\u00e4re). Denn die Aussagen des Google-Chefs offenbaren, dass sich der amerikanische Internet-Konzern noch nicht einmal in Ans\u00e4tzen der kompletten Dimension des Skandals bewusst ist: So hat sich \u00fcber Schmidt &amp; Co. l\u00e4ngst ein Gewitter zusammengebraut, dass den Ruf des Suchmaschinen-Giganten st\u00e4rker sch\u00e4digen k\u00f6nnte als alles bisher dagewesene.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-667      aligncenter\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2010\/05\/streetview-300x225.jpg\" alt=\"Google StreetView\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2010\/05\/streetview-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2010\/05\/streetview.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\n<p style=\"text-align: center\">Google-StreetView-Auto auf der IT-Messe CeBIT 2010<\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr\u00a0liegt in\u00a0der lapidaren Begr\u00fcndung, man habe halt einen Fehler gemacht. Das ist f\u00fcr einen Konzern von der Gr\u00f6\u00dfe und Bedeutung des amerikanischen Internet-Giganten aber schlicht zu wenig: Trifft die Aussage zu, spricht dies B\u00e4nde \u00fcber die Zuverl\u00e4ssigkeit eines Unternehmen, dass sich doch eigentlich auf die Fahnen geschrieben hat, unser komplettes Online-Leben mithilfe von Web-Suche, E-Mail, Office-Systemen, Handys und vielem mehr zu begleiten. Und sollte das Argument vorgeschoben sein, w\u00e4re der Skandal noch wesentlich gr\u00f6\u00dfer, weil man dann annehmen m\u00fcsste, Google habe bewusst so viel wie m\u00f6glich Daten gesaugt &#8211; frei nach dem Motto: &#8222;Solange es keiner merkt &#8211; was wir haben, haben wir&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Image der nimmersatten Datenkrake<\/strong><\/p>\n<p>So oder so &#8211; beides w\u00e4re d\u00e4mlich. Denn schon seit geraumer Zeit muss Google &#8211; nicht zuletzt auch hier in Deutschland &#8211; mit dem Image der nimmersatten Datenkrake k\u00e4mpfen. Da m\u00fcsste das Unternehmen eigentlich vom Top-Management bis zu jedem Mitarbeiter vor Ort darauf eingeschworen sein, die jeweiligen Datenschutzbestimmungen keinen Jota zu \u00fcbertreten. Nur mantra-haft das Motto &#8222;Don&#8217;t be evil!&#8220; (sei nicht b\u00f6se) vor sich herzutragen ist jedenfalls zu wenig.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Wahrnehmung der Vorg\u00e4nge rund um Google ist bisher zweigeteilt &#8211; noch. Neben den Kritikern des Konzerns sind bisher auch schnell Google-Apologeten wie etwa Jeff Jarvis, amerikanischer Medienwissenschaftler und Autor des Buches &#8222;Was w\u00fcrde Google tun?&#8220;, zur Stelle, die dem Unternehmen einen Persilschein ausstellen. &#8222;Mir f\u00e4llt es schwer, in dieser Story mehr als einen Fehler zu sehen&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.buzzmachine.com\/2010\/05\/17\/googles-german-screw-up\/\" target=\"_blank\">schreibt beispielsweise Jarvis in seinem Blog<\/a> \u00fcber &#8222;Google&#8217;s Germany screw-up&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Big Brother Intel &amp; Microsoft<\/strong><\/p>\n<p>Also einfach Schwamm dr\u00fcber? Damit tut es sich die Pro-Google-Seite meines Erachtens zu leicht. Erinnert sei etwa an vergleichbare Datenskandale vor inzwischem mehr als zehn Jahren. Anfang 1999 etwa stolperte Intel bei der Ver\u00f6ffentlichung seines neuen Pentium-III-Prozessors. US-Datensch\u00fctzer hatten herausgefunden, dass <a href=\"https:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/vdi-nachrichten\/aktuelle_ausgabe\/akt_ausg_detail.asp?cat=2&amp;id=473\" target=\"_blank\">jeder Chip eine eindeutige und von au\u00dfen auslesbare Seriennummer erhalten<\/a> sollte. Damit lie\u00dfe sich jeder PC in Datennetzen identifizieren. Nach Protesten und Boykottaufrufen knickte Intel ein und stellte die Auslesbarkeit der ID standardm\u00e4\u00dfig ab; in Nachfolge-Prozessoren wurde sie nicht mehr eingebaut.<\/p>\n<p>Kurz darauf sorgte der Softwaregigant Microsoft f\u00fcr einen Aufschrei der Entr\u00fcstung, als bekannt wurde, dass die Redmonder in ihre Windows- und Office-Software eindeutige Identifikationsnummern eingebaut und diese heimlich in einer Datenbank gesammelt hatte. Microsoft sprach seinerzeit \u00fcbrigens ebenfalls von einer Panne.\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/ct\/artikel\/Big-Brother-Bill-286892.html\" target=\"_blank\">&#8222;Big Brother Bill&#8220; lautete denn auch der wenig schmeichelhafte Titel einer im Juni 1999<\/a> in der Fachzeitschrift &#8222;c&#8217;t&#8220; erschienen Geschichte. Insbesondere Microsoft, zu jener Zeit ohnehin mit dem Stigma des Quasi-Monopolisten behaftet, haftete\u00a0der Ruf\u00a0des heimlichen Datensp\u00e4hers viele Jahre an &#8211; ein wichtiger Grund auch f\u00fcr das Erstarken von Konkurrenten wie Google.<\/p>\n<p>Sollte Google jetzt nicht eine glaubw\u00fcrdige Kehrwende vollziehen, d\u00fcrfte das Image des einstmaligen Gutmenschen-Konzerns stramm in ebenjene Richtung des ungeliebten (um nicht zu sagen verhassten) Erzrivalen aus Redmond marschieren. Bisher scheint es freilich nicht so, als sei den Verantwortlichen im Googleplex in Mountain View\/Kalifornien diese Gefahr\u00a0bewusst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der amerikanische Internet-Gigant hat pers\u00f6nliche Funknetzdaten gespeichert &#8211; &#8222;aus Versehen&#8220;, wie er beteuert. Mit solchen Begr\u00fcndungen ist Google auf dem besten Wege, fr\u00fcheren Datens\u00fcndern wie Microsoft oder Intel nachzueifern. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2010\/05\/20\/google-the-good-the-bad\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[19,28,38,40,52,70],"class_list":["post-625","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-datenschutz","tag-google","tag-intel","tag-internet","tag-microsoft","tag-street-view"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/625","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=625"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/625\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=625"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=625"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=625"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}