{"id":423,"date":"2010-02-28T00:38:18","date_gmt":"2010-02-27T23:38:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/look-at-it\/?p=423"},"modified":"2012-01-06T13:47:05","modified_gmt":"2012-01-06T12:47:05","slug":"cebit-2010-raus-aus-den-kartoffeln-rein-in-die-kartoffeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2010\/02\/28\/cebit-2010-raus-aus-den-kartoffeln-rein-in-die-kartoffeln\/","title":{"rendered":"CeBIT 2010: Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die weltgr\u00f6\u00dfte Computermesse will wieder mehr Verbraucherthemen ansprechen &#8211; eine neuerliche Abkehr vom Fokus rein auf IT-Profis.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist kurz vor der allj\u00e4hrlichen Computermesse CeBIT. Auch f\u00fcr mich steht inzwischen der 14. Besuch in Folge an, den ich trotz allem gerne absolviere. Trotzdem &#8211; oder gerade deshalb &#8211; f\u00fchle ich mich langsam wie Bill Murray in \u201eUnd t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Murmeltier&#8220;. Denn \u00e4hnlich wie sp\u00e4twinterliche Schnee- und Regenschauer p\u00fcnktlich zur CeBIT \u00fcber Hannovers Messegel\u00e4nde fegen, \u00fcben sich Bef\u00fcrworter und Kritiker der IT-Leistungsschau Jahr f\u00fcr Jahr im medialen Fingerhakeln.<\/p>\n<p>Die einen monieren &#8211; nicht zu unrecht &#8211; die seit Jahren fallenden Aussteller- und Besucherzahlen: Beim Allzeithoch kurz vor dem Platzen der Internetblase 2001 dr\u00e4ngelten sich mehr als 870.000 Besucher durch die Messehallen in Hannover, um die St\u00e4nde von mehr als 9000 Ausstellern zu bewundern. <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/s\/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9\/Doc%7EE0AC36C20A7314A88A55AC4B4B88DF18A%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html\" target=\"_blank\">2009, also nur acht Jahre sp\u00e4ter, hatten sich beide Zahlen halbiert<\/a>. In der vergangenen Woche musste CeBIT-Chef Ernst Raue dann noch einen drauflegen, als er einen neuerlichen R\u00fcckgang bei den Ausstellern verk\u00fcndete: 4157 Unternehmen haben sich demnach f\u00fcr die diesj\u00e4hrige Messe angemeldet; noch einmal deutlich weniger als die 4300 Firmen im Jahre 2009 &#8211; <a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/computer\/cebit-wieder-mit-weniger-ausstellern--27333405.html\" target=\"_blank\">und \u00fcberdies die niedrigste Teilnehmerzahl seit 20 Jahren \u00fcberhaupt<\/a>.<\/p>\n<p>Andere wiederum, wie etwa Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg, machen trotzdem in Optimismus und verk\u00fcnden, der Messe habe die Kehrtwende bereits erfolgreich vollzogen. \u201eF\u00fcr uns ist die CeBIT eine richtige Perle&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.computerwoche.de\/software\/software-infrastruktur\/1930405\/index.html\" target=\"_blank\">so Berg k\u00fcrzlich gegen\u00fcber der Deutschen Presseagentur dpa<\/a>. Das freilich klingt schon ein wenig wie das Pfeifen im Walde &#8211; schlie\u00dflich ist Microsoft einer der gr\u00f6\u00dften CeBIT-Aussteller; und Microsoft-Boss Ballmer wird bei Berg gewiss freundlich, aber bestimmt, nachfragen, ob denn die Marketing-Euros in Hannover noch so gut angelegt sind.<\/p>\n<p><strong>Kr\u00e4ftig beim Messekonzept nachgearbeitet<\/strong><\/p>\n<p>Die unerwartet positive Sichtweise Bergs d\u00fcrfte jedoch auch den Umstand geschuldet sein, dass der CeBIT-Veranstalter, die Deutsche Messe AG, nach den schleppenden Anmeldungen im vergangenen Herbst beim Messekonzept kr\u00e4ftig nachgearbeitet hat: So soll in diesem Jahr auch der Verbraucheraspekt innerhalb der IT wieder auf die CeBIT zur\u00fcckkehren, <a href=\"https:\/\/www.messe.de\/presse_archiv_d?pm=cb10-051-d\" target=\"_blank\">zum Beispiel durch die Einbeziehung von Musik und IT in Form einer Untermesse namens CeBIT Sounds<\/a>. Grund: Viele IT-Innovationen kommen inzwischen erst beim Endkunden zum Durchbruch, bevor sie dann ins Gesch\u00e4ftskundensegment einziehen. Beispiele daf\u00fcr sind laut Microsoft-Deutschland-Chef Berg etwa die wachsende Verbreitung von Smartphones: \u201eDas hat die CeBIT verstanden, und das sehen wir extrem positiv.&#8220;<\/p>\n<p>Ob dem wirklich so ist, muss sich freilich erst noch erweisen. Ein Blick in die Vergangenheit stimmt diesbez\u00fcglich jedenfalls nicht sehr hoffnungsfroh. Denn die Deutsche Messe hat sich in den vergangenen Jahren gerade bei der Behandlung der Themen Unterhaltungselektronik und Verbraucher-IT nicht eben mit Ruhm bekleckert. Von einer wirklichen Strategie konnte kaum die Rede sein &#8211; vielmehr glich das Vorgehen mehr dem schon sprichw\u00f6rtlichen \u201eRein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln.&#8220;<\/p>\n<p>Ende der 90er Jahre versucht die Deutsche Messe\u00a0 erstmals, auf das wachsende Interesse der Nichtprofis an IT-Themen einzugehen &#8211; freilich in einem Schritt eher ablehnender Natur: Sie ruft mit der CeBIT Home einen Messeableger ins Leben, um so eine Trennung zwischen den IT-Fachbesuchern und den Massen der von Profis gerne abf\u00e4llig \u201eBeutelratten&#8220; genannten Guckbesucher hinzubekommen. Doch das Konzept geht nicht auf: Nach zwei m\u00e4\u00dfig erfolgreichen Unterhaltungselektronik-Messen in Leipzig in den Jahren 1996 und 1998 wird die 2000er CeBIT Home mangels Ausstellerinteresse erst abgesagt; <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Endgueltiges-Aus-fuer-CeBIT-Home-33369.html\" target=\"_blank\">Ende 2000 verk\u00fcndet die Deutsche Messe dann das endg\u00fcltige Aus f\u00fcr die kleine CeBIT-Schwester<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Private IT-Schmuddelkinder<\/strong><\/p>\n<p>In den Folgejahren lautet die erkl\u00e4rte Marschrichtung der CeBIT: Die Messe ist eine Business-Veranstaltung, Unternehmens-IT kommt ins Zentrum, und die privaten IT-Schmuddelkinder sind bestenfalls geduldet. Fast schon legend\u00e4r ist beispielsweise ein Zwischenfall aus dem Jahr 2002: Seinerzeit muss Sony nach einer Beschwerde von Microsoft seine Spielkonsole Playstation 2 vom Messestand r\u00e4umen. Microsoft hatte kurz zuvor seine eigene Daddelmaschine Xbox auf den Markt gebracht, diese aber auf der CeBIT nur hinter Plexiglas gezeigt, w\u00e4hrend Sony die Besucher an seinen Ger\u00e4ten auch spielen lassen will &#8211; <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article379792\/Microsoft_laesst_Sonys_Playstation_2_von_der_Cebit_verschwinden.html\" target=\"_blank\">in den Augen von Microsoft ein Versto\u00df gegen die CeBIT-Regel, dass auf der Messe keine Unterhaltungselektronik gezeigt werde d\u00fcrfe<\/a>.<\/p>\n<p>Doch auch diesen Kurs halten die Hannoveraner angesichts der seit 2001 deutlich fallenden Aussteller- und Besucherzahlen nicht lange durch: 2006 will die Deutsche Messe die wachsende Bedrohung durch die Unterhaltungselektronikmesse IFA in Berlin mit einer Sonderschau namens \u201eDigital Living&#8220; kontern. Doch der Spagat zwischen Publikumsschau und Fachmesse misslingt &#8211; <a href=\"https:\/\/www.macwelt.de\/artikel\/_News\/335956\/kritik_an_cebit_sonderschau_digital_living\/1\" target=\"_blank\">viele renommierte Aussteller wie Sony oder Philips sagen ihre Teilnahme ab<\/a>.<\/p>\n<p>2008, nur zwei Jahre sp\u00e4ter, die n\u00e4chste Rolle zur\u00fcck: Zur\u00fcck zur Profimesse, mehr Fachbesucher, weniger \u201ePlastikt\u00fctentr\u00e4ger&#8220;, so lautet die Devise. Damit wolle man das Profil der CeBIT wieder sch\u00e4rfen, <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/technik-wissen\/cebit-startet-neuanfang-267506\/\" target=\"_blank\">verk\u00fcndet die Deutsche Messe AG kurz vor Messebeginn<\/a>. Der Ausgang ist bekannt &#8211; der R\u00fcckgang von Ausstellern beschleunigt sich sogar noch: Von 5800 Unternehmen im Jahre 2008 auf 4300 im vergangenen Jahr. Und jetzt, zwei weitere Jahre sp\u00e4ter, hei\u00dft&#8217;s also wieder Kehrtwende und Marsch, Marsch in Richtung Unterhaltungselektronik und Privatkunden.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Konsumerierung der IT&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ob der Schwenk diesmal gelingt, ist fraglich. Zu unterschiedlich scheinen die Interessen der im Branchenverband Bitkom zusammengeschlossenen Unternehmen, die im Messebeirat der CeBIT eine wichtige Rolle spielen. Dies scheint auch der Hauptgrund f\u00fcr das strategische Rumeiern der vergangenen Jahre zu sein. Dabei ist die Erkenntnis \u00fcber die wachsende Bedeutung der Endkunden-IT auch f\u00fcr das Business-to-Business-Segment nicht wirklich neu: Schon im Jahr 2005 hat das amerikanische IT-Strategieberatungsunternehmen Gartner die so genannte <a href=\"https:\/\/www.gartner.com\/press_releases\/asset_138285_11.html\" target=\"_blank\">\u201eKonsumerierung der IT&#8220; als den wichtigsten Branchentrend innerhalb der n\u00e4chsten zehn Jahre ausgemacht<\/a>. Vor dem Hintergrund scheinen denn auch Forderungen der Kollegen von der \u201eFTD&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.ftd.de\/it-medien\/it-telekommunikation\/:computermesse-alleine-geht-s-fuer-die-cebit-nicht-mehr\/50080578.html\" target=\"_blank\">die CeBIT mit der Hannover Messe zusammen zu legen<\/a>, eher kontraproduktiv zu sein.<\/p>\n<p>Was also dann? Zugegeben, das aktuelle Konzept von CeBIT-Chef Raue zur Umgestaltung der Branchenschau soll erst 2011 komplett umgesetzt sein. Aber ob es ausreicht, um mittelfristig gegen die Konkurrenz der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas und den Mobile World Congress (MWC) in Barcelona zu bestehen? Sp\u00e4testens am 6. M\u00e4rz, wenn die diesj\u00e4hrige CeBIT ihre Pforten schlie\u00dft, sehen wir erste Indikatoren: Schafft die CeBIT eine wirkliche Trendumkehr und kann wieder mehr Besucher ansprechen? Zu w\u00fcnschen w\u00e4re es &#8211; nicht zuletzt, um eine wichtige Leitmesse in einer immer noch enorm wichtigen Branche im Lande zu halten. Die Hoffnung jedenfalls, sie stirbt zuletzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der am Dienstag startenden Computermesse CeBIT sollen Privatkunden mehr in den Mittelpunkt r\u00fccken \u2013 ein Strategieschwenk, wieder einmal: Bis heute hat der Veranstalter Deutsche Messe AG, kein \u00fcberzeugendes Konzept gefunden, IT-Fachmesse und Unterhaltungselektronik unter einen Hut zu bringen. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2010\/02\/28\/cebit-2010-raus-aus-den-kartoffeln-rein-in-die-kartoffeln\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[14],"class_list":["post-423","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-cebit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=423"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}