{"id":29552,"date":"2015-05-11T07:30:19","date_gmt":"2015-05-11T05:30:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/?p=29552"},"modified":"2015-05-13T16:30:49","modified_gmt":"2015-05-13T14:30:49","slug":"google-facebook-als-retter-des-journalismus-oder-den-bock-zum-gartner-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2015\/05\/11\/google-facebook-als-retter-des-journalismus-oder-den-bock-zum-gartner-machen\/","title":{"rendered":"Google &amp; Facebook als Retter des Journalismus &#8211; oder den Bock zum G\u00e4rtner machen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Welche Alternativen bleiben Verlagen, da Online-Anzeigen nicht funktionieren? Sollen sie auf die Lockangebote von Google und Facebook eingehen?<\/strong><\/p>\n<p>In j\u00fcngster Zeit habe ich mich hier im Blog ja \u00f6fters auch mit der Zukunft des Journalismus besch\u00e4ftigt. Schlie\u00dflich hat die vielbeschworene digitale Transformation gerade auf Medien und Verlage besonders weitreichende Konsequenzen auf die Gesch\u00e4fts- und Erl\u00f6smodelle.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt auch aus diesem Grund hat sich die &#8222;WirtschaftsWoche&#8220; selbst in den vergangenen Wochen einer weitreichenden Radikalkur unterzogen, die das Heftdesign, die Ressortstruktur, den Erscheinungstermin bis hin zum Logo betrifft (die Details gibt&#8217;s unter <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/dasneueheft\/\" target=\"_blank\">www.wiwo.de\/dasneueheft\/<\/a>). Alles mit dem Ziel, das Heft zu modernisieren und damit letztlich auch neue Leser anzusprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-29660\" style=\"border: 0px\" alt=\"\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2015\/05\/WiWo20_Teaser.jpg\" width=\"620\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2015\/05\/WiWo20_Teaser.jpg 620w, https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2015\/05\/WiWo20_Teaser-300x168.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2015\/05\/WiWo20_Teaser-500x281.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/p>\n<p>Denn wie ich hier vor einer Woche unter dem Titel &#8222;erste und zweite Apokalypse der Medien&#8220; bereits dargelegt habe: Eine nur auf Reichweiten und Internet-Anzeigen basierte Finanzierung funktioniert beim \u00dcbergang von Print zu online und vor allem mobil nicht: Denn aus <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2015\/05\/04\/die-erste-und-die-zweite-apokalypse-der-medien-und-was-sie-fur-die-verlage-bedeuten\/\" target=\"_blank\">1000 Dollar Anzeigenerl\u00f6se im Print-Magazin werden 10 Dollar auf Smartphones &amp; Tablets<\/a> &#8211; das kann kein Gesch\u00e4ftsmodell der Welt kompensieren.<\/p>\n<p>Welche Alternativen bleiben den Verlagen dann? Erst k\u00fcrzlich hat etwa der amerikanische Internet-Riese Google seine K\u00f6der in Richtung Verlagsh\u00e4user ausgeworfen. Mit der \u00fcberraschenden Ank\u00fcndigung, <a href=\"https:\/\/www.horizont.net\/medien\/nachrichten\/Digital-News-Initiative-Google-investiert-150-Millionen-in-digitalen-Journalismus-134117\" target=\"_blank\">150 Millionen Euro in den n\u00e4chsten drei Jahren in Europa in digitalen Journalismus investieren zu wollen, hat Google Freund und Feind \u00fcberrascht<\/a>.<\/p>\n<p>Was genau die Amerikaner vorhaben, ist noch unklar. Manche Medien, wie etwa <a href=\"https:\/\/meedia.de\/2015\/04\/28\/der-google-pakt-mit-faz-zeit-co-als-hoffnungsschimmer-fuer-die-news-branche\/\" target=\"_blank\">die &#8222;FAZ&#8220; und die &#8222;Zeit&#8220; haben bereits angek\u00fcndigt, bei der &#8222;Digital News Initiative&#8220; dabei sein zu wollen und sehen das Projekt verhalten optimistisch als Hoffnungsschimmer<\/a>. Andere wie etwa Christoph Lauer, fr\u00fcher Chef der Piratenpartei in Berlin und seit kurzem bei Axel Springer\u00a0f\u00fcr strategische Innovationen zust\u00e4ndig, <a href=\"https:\/\/meedia.de\/2015\/05\/01\/christopher-lauer-verlage-sollten-auf-leistungsschutzrecht-statt-auf-google-kooperation-setzen\/\" target=\"_blank\">sehen darin vor allem eine Nebelkerze von Google im Streit um das Leistungsschutzrecht<\/a>. Vom EU-Kartellverfahren gegen den US-Riesen ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Google-Rivale Facebook hat die Verlage ebenfalls erst k\u00fcrzlich ins Visier genommen. Der Plan von Facebook-Gr\u00fcnder Mark Zuckerberg: Medien wie etwa die <a href=\"https:\/\/media.fb.com\/2015\/05\/12\/instantarticles\/\" target=\"_blank\">&#8222;New York Times&#8220; oder &#8222;Buzzfeed&#8220; sollen einen Teil ihrer Inhalte direkt in dem weltgr\u00f6\u00dften sozialen Netzwork<\/a> publizieren &#8211;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/technology\/archive\/2015\/03\/facebook-as-a-press-baron\/388559\/\" target=\"_blank\">Zuck, der kommende Presse-Baron, sozusagen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-29687\" style=\"border: 0px\" alt=\"\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2015\/05\/Zuck_Atlantic.jpg\" width=\"615\" height=\"355\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2015\/05\/Zuck_Atlantic.jpg 615w, https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2015\/05\/Zuck_Atlantic-300x173.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2015\/05\/Zuck_Atlantic-500x288.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 615px) 100vw, 615px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Mark Zuckerberg, der kommende Presse-Baron?<\/strong> (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/technology\/archive\/2015\/03\/facebook-as-a-press-baron\/388559\/\" target=\"_blank\">The Atlantic<\/a>)<\/p>\n<p>K\u00f6dern will Zuckerberg die von der Digitalisierung angeschlagenen und nach neuen Erl\u00f6sen lechzenden Verlage mit einem Angebot, das diese auf den ersten Blick gar nicht ablehnen k\u00f6nnen: Facebook will den Medienh\u00e4user bei der Funktion namens <a href=\"https:\/\/meedia.de\/2015\/05\/04\/instant-articles-facebook-ueberlaesst-medien-unternehmen-werbe-erloese\/\" target=\"_blank\">&#8222;Instant Articles&#8220; einen Teil der dortigen Werbe-Einnahmen \u00fcberlassen &#8211; und das sogar komplett, sofern die Verlage jene selbst heranschaffen<\/a>.<\/p>\n<p>Bei Lichte betrachtet sind es aber vor allem die Verlage, die bei den Angeboten von Google wie Facebook verlieren: Schlie\u00dflich w\u00fcrden sie dadurch noch deutlich st\u00e4rker von den US-Riesen abh\u00e4ngig als bisher bereits.\u00a0Was passiert, wenn Google nach drei Jahren den Geldhahn f\u00fcr die Verlage wieder zudreht? Und was, wenn Facebook mal wieder an seinen Algorithmen schraubt und so die Reichweite dort publizierter Beitr\u00e4ge und damit auch der Werberl\u00f6se sinkt? Keine attraktiven Aussichten also &#8211; beides w\u00e4re ein St\u00fcck weit so, als w\u00fcrde man den Bock zum G\u00e4rtner machen.<\/p>\n<p>Bleiben also nur \u00f6ffentlich-rechtlicher Journalismus und M\u00e4zen-finanzierte Medien &#8211; beides in meinen Augen keine wirklich erstrebenswerten Alternativen: Die Akzeptanz eines von Zwangsgeb\u00fchren finanzierten Journalismus d\u00fcrfte im Zeitalter von L\u00fcgenpresse &amp; Co. nicht eben weiter steigen &#8211; von Staatsferne ganz zu schweigen: Man erinnere sich blo\u00df an die Aff\u00e4re <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/fall-brender-im-selbstbedienungsladen-union-missbraucht-zdf-1.135638\" target=\"_blank\">um die Absetzung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender im Jahr 2010<\/a>, vor allem betrieben vom damaligen hessischen Ministerpr\u00e4sidenten Roland Koch.<\/p>\n<p>Aus demselben Grund muss man im Prinzip auch einen reichen M\u00e4zen als Geldgeber ablehnen: So positiv etwa Amazon-Gr\u00fcnder Jeff Bezos als Besitzer der &#8222;Washington Post&#8220; f\u00fcr die Mitarbeiter des Verlags ist &#8211; aus journalistischer Sicht kommt dies der Preisgabe der redaktionellen Unabh\u00e4ngigkeit preis: So d\u00fcrfte man etwa kritische Berichte \u00fcber die Arbeitsverh\u00e4ltnisse in den Logistikzentren des E-Commerce-Riesen in der altehrw\u00fcrdigen &#8222;Post&#8220; vergeblich suchen. Nix mehr Woodward &amp; Bernstein, also.<\/p>\n<p>All dies zeigt: Einstweilen bleibt den Verlagen keine andere Alternative, als ihre Medieninhalte im Web in irgendeiner Form zum Verkauf anzubieten, sei es in Form von Online-Abo-Modellen, sei es mittels Paywalls oder durch iPad- und Smartphone-Apps.<\/p>\n<p>Zusammengefasst auch hier: Die Suche nach dem heiligen Gral einer erfolgreichen digitalen Transformation in der Medienindustrie geht einstweilen weiter.<\/p>\n<p><strong>Verwandte Artikel:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2015\/05\/04\/die-erste-und-die-zweite-apokalypse-der-medien-und-was-sie-fur-die-verlage-bedeuten\/\" target=\"_blank\">Die 1. und die 2. Apokalypse der Medien \u2013 und was sie f\u00fcr die Verlage bedeuten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2015\/05\/04\/die-erste-und-die-zweite-apokalypse-der-medien-und-was-sie-fur-die-verlage-bedeuten\/\" target=\"_blank\">Preisverfall bei Google-Anzeigen: So kaputt ist der Markt f\u00fcr Online-Werbung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2013\/10\/16\/digitale-medien-in-deutschland-plus-84-prozent-pro-jahr-bis-2017-dann-42-prozent-am-umsatz\/\" target=\"_blank\">Digitale Medien in Deutschland: Plus 8,4 Prozent pro Jahr bis 2017<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2013\/06\/06\/jeder-dritte-web-nutzer-liest-medien-digital-aber-nur-jeder-sechste-wurde-dafur-zahlen\/\" target=\"_blank\">Jeder dritte Web-Nutzer liest Medien digital \u2013 aber nur jeder Sechste w\u00fcrde zahlen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2012\/11\/23\/google-epic-oder-googlezon-ein-alternativer-blick-auf-die-medienkrise-video\/\" target=\"_blank\">Google Epic oder Googlezon \u2013 ein alternativer Blick auf die Medienkrise<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Alternativen bleiben Verlagen, da Online-Anzeigen nicht funktionieren? Sollen sie auf die Lockangebote von Google und Facebook eingehen? In j\u00fcngster Zeit habe ich mich hier im Blog ja \u00f6fters auch mit der Zukunft des Journalismus besch\u00e4ftigt. 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