{"id":29479,"date":"2015-05-04T07:30:24","date_gmt":"2015-05-04T05:30:24","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/?p=29479"},"modified":"2020-02-13T15:05:50","modified_gmt":"2020-02-13T14:05:50","slug":"die-erste-und-die-zweite-apokalypse-der-medien-und-was-sie-fur-die-verlage-bedeuten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2015\/05\/04\/die-erste-und-die-zweite-apokalypse-der-medien-und-was-sie-fur-die-verlage-bedeuten\/","title":{"rendered":"Die erste und die zweite Apokalypse der Medien &#8211; und was sie f\u00fcr die Verlage bedeuten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die nackten Zahlen beim \u00dcbergang vom station\u00e4ren zum mobilen Internet erschweren journalistische Gesch\u00e4ftsmodelle noch st\u00e4rker als gedacht.<\/strong><\/p>\n<p>Dass der Medienmarkt seit vielen Jahren unter Druck steht, ist kein Geheimnis. Zwei aktuelle Str\u00f6mungen erschweren nun den Verlagen die Suche nach neuen Gesch\u00e4ftsmodellen noch weiter.<\/p>\n<p>Wie ich in der vergangenen Woche mit Blick auf die j\u00fcngsten Google-Zahlen analysiert habe, ist das Gesch\u00e4ft mit Online-Anzeigen seit Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig: Seit dem <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2015\/04\/28\/preisverfall-bei-google-anzeigen-so-kaputt-ist-der-markt-fur-online-werbung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dritten Quartal 2011 schrumpfen die durchschnittlichen Cost-per-Click-(CPC)-Preise, die Google erl\u00f6st<\/a>. Google selbst kann dies durch maximale Ausdehnung der Online-Werbefl\u00e4chen noch halbwegs kompensieren, allerdings erlahmt auch hier langsam das Wachstum.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle anderen Unternehmen, die mit Internet-Anzeigen irgendwie Geld verdienen wollen, sind die Zahlen aber noch viel ern\u00fcchternder \u2013 zeigen sie doch, dass der Markt f\u00fcr Online-Anzeigen regelrecht kaputt ist. Bisher galt als Faustregel, dass f\u00fcr jeden im Print-Gesch\u00e4ft weggebrochenen Umsatz-Dollar oder -Euro online nur ein Zehntel erl\u00f6st werden kann.<\/p>\n<p>Die r\u00fcckl\u00e4ufigen CPC-Preise lassen diese Schere nun noch weiter aufgehen: Es ist die erste Apokalypse der Medien &#8211; weil sich zeigt, dass rein auf Online-Werbung basierte Gesch\u00e4ftsmodelle nicht funktionieren. Denn selbst stetig steigende Zugriffszahlen sorgen wegen der sinkenden Werbepreise nicht f\u00fcr Mehreinnahmen: Online-Newsseiten k\u00f6nnen wachsenden Web-Traffic also gar nicht mehr monetarisieren &#8211; was letztlich dem Tod Reichweiten-orientierter Gesch\u00e4ftsmodelle gleichkommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: 0px\" src=\"https:\/\/www.journalism.org\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2015\/04\/PJ_2015-04-29_SOTNM_overview_01.png?w=417\" alt=\"Mobile Drives Online Traffic\" width=\"417\" height=\"234\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.journalism.org\/2015\/04\/29\/state-of-the-news-media-2015\/pj_2015-04-29_sotnm_overview_01\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Pew Research Center<\/a><\/p>\n<p>Die zweite Apokalypse der Medien versch\u00e4rft die Schwierigkeiten glatt um eine Gr\u00f6\u00dfenordnung: Der amerikanische Think-Tank Pew Research Center hat in der vergangenen Woche seine aktuelle Studie &#8222;State of the News Media 2015&#8220; zum Zustand der US-Medien vorgelegt. Ein wichtiger Befund ist der anhaltende Trend der Nutzer in Richtung Mobile.<\/p>\n<p>So erhalten in den USA bereits 39 von 50 Nachrichten-Webseiten mehr Traffic von Smartphones und Tablets als von herk\u00f6mmlichen Arbeitsplatz-PCs. Gleichzeitig verbringen aber nur bei 10 von jenen 50 Webseites die Mobil-Nutzer mehr Zeit pro Besuch als die Desktop-User.<\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: Es greifen zwar immer mehr Nutzer per Mobilger\u00e4t auf Online-Nachrichtenangebote zu, dies aber k\u00fcrzer als am gro\u00dfen Computerbildschirm. Ein Trend, der weiter anhalten d\u00fcrfte: Laut US-Marktforscher Comscore gab es in Amerika im M\u00e4rz 2015 erstmals mehr &#8222;Nur-Mobil&#8220;-Nutzer als &#8222;Nur-PC&#8220;-Nutzer.<\/p>\n<p>Zur zweiten Apokalypse der Medien wird dieser Trend durch die reine Metrik beim \u00dcbergang vom station\u00e4ren zum mobilen Internet: Wie der fr\u00fchere &#8222;Financial-Times&#8220;-Journalist und Medienbeobachter Tom Foremsky bereits im vergangenen Jahr analysierte, erl\u00f6sen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.siliconvalleywatcher.com\/mt\/archives\/2014\/06\/the_media_industrys_m.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mobilanzeigen auf Smartphones und Tablets wiederum nur ein Zehntel der Ums\u00e4tze von Internet-Werbung auf PCs<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" style=\"border: 0px\" src=\"https:\/\/www.comscore.com\/var\/comscore\/storage\/images\/media\/images\/single-platform-users-share-of-total-digital-population4\/1500725-1-eng-US\/Single-Platform-Users-Share-of-Total-Digital-Population_reference.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"369\" align=\"\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.comscore.com\/Insights\/Blog\/Number-of-Mobile-Only-Internet-Users-Now-Exceeds-Desktop-Only-in-the-U.S\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Comscore<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Das bedeutet: Aus 1000 Dollar Ums\u00e4tzen mit Print-Anzeigen werden 10 Dollar in der Mobil-\u00c4ra &#8211; ein Shift, den kein journalistisches Gesch\u00e4ftsmodell der Welt wird ausgleichen k\u00f6nnen, meint Foremsky. Die &#8222;Lousy Pennies&#8220; der Online-Welt schrumpfen in der mobilen Welt noch weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Was bedeutet dies f\u00fcr die Verlage? Die reinen Zahlen zeigen, dass werbefinanzierte Gesch\u00e4ftsmodelle nicht funktionieren. Fraglich ist zudem, ob Bezahlschranken das Bild bessern. Die ruhmreiche &#8222;New York Times&#8220; etwa versucht seit geraumer Zeit, ein Online-Abo-Modell zu etablieren. Doch trotz eines Plus bei den Digital-Abos und Internet-Erl\u00f6sen hat der Verlag <a href=\"https:\/\/www.finanzen.net\/nachricht\/aktien\/New-York-Times-kaempft-mit-Anzeigenschwund-und-roten-Zahlen-4317190\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">im ersten Quartal 2015 mit r\u00fcckl\u00e4ufigen Ums\u00e4tzen zu k\u00e4mpfen und ein Minus von 14,3 Millionen Dollar eingefahren<\/a>.<\/p>\n<p>Schon buhlen US-Internetriesen um die Medienh\u00e4user: Facebook-Gr\u00fcnder Mark Zuckerberg etwa will, dass <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/technology\/archive\/2015\/03\/facebook-as-a-press-baron\/388559\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Verlage einen Teil ihrer Geschichten direkt auf seiner Plattform ver\u00f6ffentlichen<\/a> &#8211; und bietet ihnen bereits <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/article_email\/facebook-offers-to-let-publishers-keep-revenue-from-certain-ads-1430515600-lMyQjAxMTA1MDA5MTQwNzE3Wj\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">finanzielle Schmankerl wie das \u00dcberlassen bestimmter Anzeigen-Erl\u00f6se<\/a>.<\/p>\n<p>Google wiederum hat k\u00fcrzlich angek\u00fcndigt, in Europa im Rahmen des <a href=\"https:\/\/www.horizont.net\/medien\/nachrichten\/Digital-News-Initiative-Google-investiert-150-Millionen-in-digitalen-Journalismus-134117\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Projekts &#8222;Digital News Initiative&#8220;\u00a0in den kommenden drei Jahren 150 Millionen Euro in den Journalismus investieren zu wollen<\/a>. F\u00fcr die Verlage sind beides nicht gerade attraktive Alternativen, w\u00fcrden sie die Abh\u00e4ngigkeit von den US-Konzernen doch noch st\u00e4rker als bisher bereits steigern.<\/p>\n<p>Zusammengefasst: Die Suche nach dem heiligen Gral einer erfolgreichen digitalen Transformation in der Medienindustrie geht einstweilen weiter.<\/p>\n<p><strong>Verwandte Artikel:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2015\/04\/28\/preisverfall-bei-google-anzeigen-so-kaputt-ist-der-markt-fur-online-werbung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Preisverfall bei Google-Anzeigen: So kaputt ist der Markt f\u00fcr Online-Werbung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2013\/10\/16\/digitale-medien-in-deutschland-plus-84-prozent-pro-jahr-bis-2017-dann-42-prozent-am-umsatz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Digitale Medien in Deutschland: Plus 8,4 Prozent pro Jahr bis 2017<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2013\/06\/06\/jeder-dritte-web-nutzer-liest-medien-digital-aber-nur-jeder-sechste-wurde-dafur-zahlen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jeder dritte Web-Nutzer liest Medien digital \u2013 aber nur jeder Sechste w\u00fcrde zahlen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2012\/11\/23\/google-epic-oder-googlezon-ein-alternativer-blick-auf-die-medienkrise-video\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Google Epic oder Googlezon \u2013 ein alternativer Blick auf die Medienkrise<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2012\/09\/06\/die-ewiggestrigen-totholz-publikationen-oder-die-unehrlichkeit-der-internet-szene\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ewiggestrige Totholz-Publikationen oder die Unehrlichkeit der Web-Szene<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die nackten Zahlen beim \u00dcbergang vom station\u00e4ren zum mobilen Internet erschweren journalistische Gesch\u00e4ftsmodelle noch st\u00e4rker als gedacht. 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