{"id":24798,"date":"2014-09-03T07:30:46","date_gmt":"2014-09-03T05:30:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/?p=24798"},"modified":"2014-09-03T17:30:23","modified_gmt":"2014-09-03T15:30:23","slug":"3-fragen-zur-fahr-app-uber-die-taxi-vertreter-wollen-vor-allem-wettbewerb-verhindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2014\/09\/03\/3-fragen-zur-fahr-app-uber-die-taxi-vertreter-wollen-vor-allem-wettbewerb-verhindern\/","title":{"rendered":"3 Fragen zur Fahr-App Uber: &#8222;Die Taxi-Vertreter wollen vor allem Wettbewerb verhindern&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am amerikanischen Taxi-Konkurrenten scheiden sich die Geister: Uber &#8211; ein Aufbrecher alter Zunftstrukturen oder der Sieger im Brachial-Kapitalismus?<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-24805 alignleft\" style=\"border: 0px;margin-right: 5px;margin-top: 0px;margin-bottom: 0px\" alt=\"\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2014\/09\/KlemensKibicki_Schnitt.jpg\" width=\"146\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2014\/09\/KlemensKibicki_Schnitt.jpg 460w, https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2014\/09\/KlemensKibicki_Schnitt-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 146px) 100vw, 146px\" \/><a href=\"https:\/\/twitter.com\/KlemensSkibicki\" target=\"_blank\"><em>Klemens Skibicki <\/em><\/a>besch\u00e4ftigt sich seit Jahren mit Themen rund um den digitalen Stukturwandel und Social Media. Der studierte Volks- und Betriebswirt sowie promovierte Wirtschaftshistoriker ist seit 2004 Professor f\u00fcr Economics, Marketing und Marktforschung an der Cologne Business School in K\u00f6ln. Als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer\u00a0der von ihm mitgegr\u00fcndeten Unternehmensberatung Convidera ber\u00e4t er zudem Unternehmen bei der digitalen Transformation.\u00a0Seit Januar 2013 ist Skibicki \u00fcberdies Mitglied des <a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/DE\/Ministerium\/beiraete,did=545858.html\" target=\"_blank\">Beirats \u201eJunge Digitale Wirtschaft\u201c des Bundeswirtschaftsministeriums<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-24845\" style=\"border: 0px\" alt=\"\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2014\/09\/UberTeaser.jpg\" width=\"157\" height=\"105\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2014\/09\/UberTeaser.jpg 400w, https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/files\/2014\/09\/UberTeaser-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 157px) 100vw, 157px\" \/><\/p>\n<p><strong>Wegen <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/taxi-konkurrenz-gericht-verbietet-uber-deutschlandweit-13130485.html\" target=\"_blank\">einer einstweiligen Verf\u00fcgung<\/a> darf Uber keine Fahrten in Deutschland mehr anbieten (<a href=\"https:\/\/de.reuters.com\/article\/companiesNews\/idDEKBN0GX14520140902\" target=\"_blank\">macht aber trotzdem weiter<\/a>).\u200e Brauchen wir Uber \u00fcberhaupt? Welche Probleme l\u00f6st die App, die andere Anbieter nicht bereits l\u00f6sen?<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Andere Apps haben nur einen Teilaspekt einer regulierten Branche tangiert \u2013 etwa wie bei Mytaxi nur das Vermittlungsmonopol der Taxizentralen gebrochen. Statt eines Anrufs und ungenauer Minutenangabe kann ein Kunde \u00fcber GPS exakt sehen, wie lange ein Taxi zu ihm braucht und direkt mit wenigen Klicks buchen. Anschlie\u00dfend kann er einfach mit der hinterlegten Kreditkarte bezahlen \u2013 etwas, was heute leider auch nicht bei allen Taxis geht. Der Taxifahrer und Kunden wurden bei solchen Apps wesentlich direkter verkn\u00fcpft, aber der Fahrer bekam keine Konkurrenz durch nicht-lizensierte Taxifahrer, wodurch erst der Preiswettbewerb entsteht wie bei Uber. Durch Uber wird es also f\u00fcr den Kunden nicht nur praktischer, sondern auch billiger. Es steht also eine ganze Branchenregulierung auf dem Pr\u00fcfstand, nicht nur Nuancen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Wieso ist Deutschland als Standort innovationsfeindlich, wenn Bedenken wie etwa der Versicherungsschutz bei der Fahrt, die Pr\u00fcfung des Fahrtanbieters oder die Frage der Steuerzahlung von Uber ernst genommen werden?<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Dies sind Detailfragen, die gekl\u00e4rt werden m\u00fcssen und k\u00f6nnen \u2013\u00a0aber deswegen darf nicht grunds\u00e4tzlich abgelehnt werden, die volkswirtschaftliche Rechtfertigung, die zur Marktregulierung f\u00fchrte dahingehend zu pr\u00fcfen, ob die Voraussetzungen im digitalen Zeitalter noch gegeben sind. Versicherungsschutz muss heute sowieso jedes Auto auf deutschen Stra\u00dfen haben. Und dass sich bei dem Volumen, das Uber verspricht, ein Versicherungsanbieter findet, der gerne ein Paket mit Personenbef\u00f6rderung anbietet, steht f\u00fcr mich au\u00dfer Frage. Auch dass man Autofahren kann, muss heute jeder durch F\u00fchrerschein nachweisen. Bei Mitfahrzentralen wird auch nicht mehr als das gefordert &#8211; und trotzdem kommt es nicht zu massenhaften Unf\u00e4llen. Fr\u00fchere Pr\u00fcfbestandteile wie etwa die umfangreiche Orts- und Stra\u00dfenkenntnis sind in Zeiten von GPS und Navigationssystemen schlichtweg \u00fcberfl\u00fcssig. Die Steuerzahlung kann durch die hohe Transparenz der App-Buchung sogar leichter gew\u00e4hrleistet werden, muss aber nat\u00fcrlich \u00fcberwacht werden \u2013\u00a0wie in jeder anderen Branche auch. Die Taxi-Vertreter f\u00fchren solche Regulierungen wie die genannten und von Uber nicht beachteten ins Feld, um ein Verbot von Uber durchzusetzen. Sie k\u00f6nnten alternativ den Wegfall nicht mehr notwendiger Regulierungen f\u00fcr sich selbst fordern. Dass sie gerade dies nicht tun, kann man als Indiz werten, dass sie vor allem Wettbewerb verhindern wollen.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Selbst das US-Debattenportal <a href=\"https:\/\/www.salon.com\/2014\/08\/31\/why_uber_must_be_stopped\/\" target=\"_blank\">Salon.com hat Uber k\u00fcrzlich wegen seines brachial-kapitalistischen Vorgehens gegen Wettbewerber kritisch be\u00e4ugt<\/a>. Sehen Sie keine Gefahr darin, wenn ein Startup mit praktisch unbegrenztem Zugang zu Investorengeldern Regulierungsl\u00fccken ausnutzt, so die regulierte Konkurrenz verdr\u00e4ngt \u2013 und dann letztlich das Angebot monopolisiert?<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Es werden viele martialische Ausdr\u00fccke f\u00fcr Wettbewerb verwendet \u2013 vor allem, wenn es offiziell oder inoffiziell von denen kommt, die ihn verhindern wollen. Als Wirtschaftshistoriker k\u00f6nnte ich aus jeder Epoche Regulierungs-Beispiele nennen, die Jahre sp\u00e4ter nur noch als Posse der Geschichte bel\u00e4chelt wurden. Ich denke, dass nur ein so kr\u00e4ftig finanziell ausgestattetes Start-up wie Uber in der Lage ist, den Besitzstandswahrern die Stirn zu bieten und schneller den Strukturwandel einzuleiten, wo sich die Lobbyisten noch sehr lange gegen kleinere Innovatoren h\u00e4tten durchsetzen k\u00f6nnen. Wie geschildert sehe ich auch keine Regulierungsl\u00fccke, sondern ein Aufzeigen, dass viele der Regulierungsbestandteile im digitalen Zeitalter keine volkswirtschaftliche Rechtfertigung mehr haben. Da, wo fr\u00fcher staatlich \u201eQualit\u00e4t\u201c gesichert werden musste, sorgen heute etwa in gro\u00dfem Stile bei Ebay Bewertungsmechanismen durch K\u00e4ufer f\u00fcr die Qualit\u00e4tssicherung der Anbieter \u2013 ein Fahrer mit schlechten Bewertungen wird schlechter verkaufen und deswegen selbst f\u00fcr Qualit\u00e4t sorgen. Genauso w\u00fcrde es bei Uber funktionieren. Gerade der Wegfall staatlicher Regulierung wird mehr Wettbewerb erm\u00f6glichen, in dem Monopole mittelfristig noch nie Bestand hatten.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Verwandte Artikel:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2014\/05\/06\/in-eigener-sache-die-wiwo-vergibt-digital-transformation-award-schirmherr-dobrindt\/\" target=\"_blank\">In eigener Sache: Die WiWo vergibt Digital Transformation Award; Schirmherr Dobrindt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2014\/04\/09\/internet-der-dinge-big-data-50-milliarden-gerate-bis-2020-doppelt-so-viele-wie-2015\/\" target=\"_blank\">Internet der Dinge &amp; Big Data: 50 Milliarden Ger\u00e4te bis 2020 \u2013 doppelt so viele wie 2015<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2014\/03\/10\/big-data-umsatze-in-deutschland-verdoppeln-sich-bis-2016-auf-14-milliarden-euro\/\" target=\"_blank\">Big Data: Ums\u00e4tze in Deutschland verdoppeln sich bis 2016 auf 14 Milliarden Euro<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2013\/11\/19\/cloud-computing-wachst-24-prozent-pro-jahr-funf-mal-so-stark-wie-die-it-insgesamt\/\" target=\"_blank\">Cloud Computing w\u00e4chst 24 Prozent pro Jahr \u2013 f\u00fcnf Mal so stark wie die IT insgesamt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am amerikanischen Taxi-Konkurrenten scheiden sich die Geister: Uber &#8211; ein Aufbrecher alter Zunftstrukturen oder der Sieger im Brachial-Kapitalismus? 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