{"id":169,"date":"2010-01-17T13:17:34","date_gmt":"2010-01-17T12:17:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/look-at-it\/?p=169"},"modified":"2012-01-06T13:45:41","modified_gmt":"2012-01-06T12:45:41","slug":"wer-braucht-amd-vor-allem-einer-%e2%80%93-intel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2010\/01\/17\/wer-braucht-amd-vor-allem-einer-%e2%80%93-intel\/","title":{"rendered":"Wer braucht AMD? Vor allem einer \u2013 Intel"},"content":{"rendered":"<p>Die Idee f\u00fcr diese Blog-Story kam mir am vergangenen Freitag nach einer Diskussion mit einem Kollegen. Der weltgr\u00f6\u00dfte Halbleiterhersteller Intel hatte in der Nacht zuvor die M\u00e4rkte mit st\u00e4rker als erwarteten Zahlen f\u00fcrs vierte Quartal 2009 \u00fcberrascht: Durch einen <a href=\"https:\/\/www.intc.com\/releasedetail.cfm?ReleaseID=437807\" target=\"_blank\">Umsatz von 35 Milliarden Dollar und einem Gewinn in H\u00f6he von 4,4 Milliarden Dollar<\/a> konnte der US-Gigant beinahe nahtlos an die Zeit vor der Wirtschaftskrise angekn\u00fcpfen. Vor dem Hintergrund fragte der Kollege s\u00fcffisant, wer eigentlich dessen Konkurrenten AMD brauche.<\/p>\n<p>Klingt auf den ersten Blick zugegebenerma\u00dfen reichlich platt, ist es aber nicht. Denn am Bestand des seit Jahren ums \u00dcberleben k\u00e4mpfenden Chipherstellers AMD hat bei Lichte betrachtet vor allem einer ein vitales Interesse: Erzrivale Intel selbst. Denn so sehr der Chipgigant aus Santa Clara in Kalifornien gesch\u00e4ftlich von Erfolg zu Erfolg eilt, desto argw\u00f6hnischer beobachten ihn &#8211; und vor allem sein Gesch\u00e4ftsgebaren &#8211; die Kartellbeh\u00f6rden rund um den Globus.<\/p>\n<p>So verurteilte etwa die EU-Kommission Intel im M\u00e4rz 2009 nach einem jahrelangen Kartellverfahren wegen des Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung und der Behinderung von Wettbewerbern <a href=\"https:\/\/europa.eu\/rapid\/pressReleasesAction.do?reference=IP\/09\/745&amp;format=HTML&amp;aged=0&amp;language=DE&amp;guiLanguage=en\" target=\"_blank\">zu einer Strafe in H\u00f6he von 1,06 Milliarden Euro<\/a> (Intel hat gegen das Urteil Berufung eingelegt). Und selbst in der unternehmensfreundlichen Heimat r\u00fccken die Wettbewerbsh\u00fcter Intel immer mehr auf die Pelle: Erst im vergangenen November hat der <a href=\"https:\/\/www.oag.state.ny.us\/media_center\/2009\/nov\/nov4a_09.html\" target=\"_blank\">Generalstaatsanwalt des Bundesstaats New York gegen Intel eine Kartellklage vor einem US-Bundesstaat <\/a>eingereicht. Der Vorwurf:\u00a0 Der Konzern habe mit illegalen Rabatten f\u00fcr Computerhersteller gegen US-Recht versto\u00dfen.<\/p>\n<p>Sollte in dieser Situation mit AMD der Hauptwidersacher von Intel im Markt f\u00fcr Computerprozessoren &#8211; diese Chips bilden das Gehirn jedes Computers &#8211; verschwinden, d\u00fcrften die Kartellbeh\u00f6rden noch viel genauer hinschauen. Grund: Dann w\u00e4re Intel in jenem Gesch\u00e4ft ein reinrassiger Monopolist. F\u00fcr Unternehmen mit einer derartigen Marktposition gelten jedoch in vielen Staaten &#8211; selbst in den USA &#8211; noch deutlich strengere Regeln, insbesondere was die Eroberung neuer M\u00e4rkte betrifft. Doch in der IT hat sich das Wachstum weg von Computern hin in Richtung Mobilgesch\u00e4ft mit Handys und Smartphones verlagert. Genau da will Intel hin, weil der Konzern in jenem Segment bis heute gegen\u00fcber Konkurrenten wie Texas Instruments oder Qualcomm hinter hinkt. Ein Vorhaben, dem die Kartellbeh\u00f6rden dann enge Grenzen auferlegen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Microsoft als Vorbild f\u00fcr Intel? Der Apple-Deal von 1997<\/strong><\/p>\n<p>Wie eng die Grenzen f\u00fcr einen anerkannten Monopolisten sein k\u00f6nnen, musste der langj\u00e4hrige Intel-Partner Microsoft in den vergangenen Jahren erfahren. Dem Softwarehersteller wurde in mehreren Kartellverfahren untersagt, sein marktberherrschendes Betriebssystem Windows standardm\u00e4\u00dfig mit neuen Produkten wie Multimedia-Software (Media-Player) oder Internet-Browser zu koppeln. So beendete etwa die <a href=\"https:\/\/europa.eu\/rapid\/pressReleasesAction.do?reference=IP\/09\/1941&amp;format=HTML&amp;aged=0&amp;language=DE&amp;guiLanguage=en\" target=\"_blank\">EU-Kommission ein langj\u00e4hriges Verfahren gegen Microsoft<\/a> im Dezember 2009 erst, nachdem der Konzern einwilligte, Windows-Nutzern k\u00fcnftig automatisch mehrere Browser-Programme zur Auswahl anzubieten.<\/p>\n<p>Bleibt die Frage, ob Intel etwas Vergleichbares tun m\u00fcsste, um das \u00dcberleben seines Widersachers AMD zu sichern. In jenem Kontext erinnerten mein Kollege und ich uns an eine interessante historische Begebenheit mit Microsoft, die vielen heute gar nicht mehr pr\u00e4sent ist: Mitte 1997 sorgte der Microsoft-Gr\u00fcnder und damalige Konzernchef Bill Gates h\u00f6chstpers\u00f6nlich daf\u00fcr, dass bei Arbeitsplatz-Computern eine Alternative zu den eigenen Produkten am Leben bleibt. Nur zur Erinnerung: Das alternative Computer-Betriebssystem Linux spielte seinerzeit bestenfalls an Unis eine Rolle, der Internet-Gigant Google war noch nicht einmal gegr\u00fcndet. Und dem einzigen nennenswerten Microsoft-Widersacher, dem heutigen B\u00f6rsenliebling Apple, stand damals das Wasser bis zum Hals; Steve Jobs war erst kurz zuvor an die Spitze des von ihm gegr\u00fcndeten Unternehmens zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p>Im August 1997 \u00fcberraschten Gates und Jobs die Welt mit einem regelrechten Coup: Die Rivalen legten ihren langj\u00e4hrigen Streit bei, und Microsoft gab Apple durch den Kauf von Aktien im Wert von 150 Millionen Dollar eine dringend ben\u00f6tigte Kapitalspritze (sch\u00f6n nachgezeichnet im Blog von dpa-infocom-Chefredakteur Christoph Dernbach <a href=\"https:\/\/www.mr-gadget.de\/tech-history\/2004-01-24\/dpa-bericht-zur-macworld-expo-in-boston-1997\/\" target=\"_blank\">mit der originalen dpa-Meldung vom 07.08.1997<\/a>). Der Rest ist Geschichte. Die lehrt in jenem Fall freilich auch: Vielleicht w\u00e4re Microsoft im Nachhinein froh, Apple nicht den finanziellen Rettungsanker hingeworfen zu haben. Denn in vielen wichtigen Zukunftsm\u00e4rkten wie etwa dem digitalen Musikvertrieb oder intelligenten Smartphones ist Apple seinem damaligen Retter heute l\u00e4ngst weit enteilt.<\/p>\n<p>Tja, sollte Intel also \u00e4hnlich verfahren wie Microsoft anno 1997 &#8211; sprich: in AMD investieren, um einem schw\u00e4chelnden Wettbewerber aus kurzfristigem Eigeninteresse das \u00dcberleben zu sichern &#8211; auch auf die Gefahr hin, sich damit m\u00f6glicherweisen langfristig das Leben schwerer als n\u00f6tig zu machen? Was meinen Sie?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Intel hat einmal mehr \u00fcberzeugende Zahlen geliefert. Und was ist mit dem ewigen \u2013 und ewig schw\u00e4chelnden \u2013 Rivalen AMD? <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2010\/01\/17\/wer-braucht-amd-vor-allem-einer-%e2%80%93-intel\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[5,7,31,38,52],"class_list":["post-169","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-amd","tag-apple","tag-halbleiter","tag-intel","tag-microsoft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=169"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}