{"id":1481,"date":"2010-11-02T09:42:35","date_gmt":"2010-11-02T08:42:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/look-at-it\/?p=1481"},"modified":"2010-11-02T09:42:35","modified_gmt":"2010-11-02T08:42:35","slug":"showdown-zwischen-sap-und-oracle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2010\/11\/02\/showdown-zwischen-sap-und-oracle\/","title":{"rendered":"Showdown zwischen SAP und Oracle"},"content":{"rendered":"<p>Der eigentliche Hintergrund des jahrelangen Streits zwischen SAP und Oracle gilt l\u00e4ngt als unstrittig: Im Jahr 2007 reichen die Amerikaner eine Klage wegen Industriespionage gegen die Deutschen und ihr Tochterunternehmen Tomorrow Now ein. Sp\u00e4ter kam noch der Vorwurf der Patent-\u00a0und Urheberrechtsverletzung dazu. SAP hatte Tomorrow Now 2005 gekauft; der Service-Anbieter wartete im Kundenauftrag Software-Pakete von Oracle. Im Rahmen dieser Software-Pflege durften die Mitarbeiter von Oracle-Rechnern Programme herunterladen. Dabei stie\u00dfen sie offenbar mehrfach \u00fcbers Ziel hinaus, wie SAP Mitte 2007 erstmals einr\u00e4umte. Erst im August dieses Jahres gab SAP <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/look-at-it\/2010\/08\/06\/gewagtes-eingestandnis-von-sap\/\" target=\"_blank\">die Verst\u00f6\u00dfe seiner 2008 geschlossenen Tochter erneut zu und r\u00e4umte eine finanzielle Verantwortung ein<\/a>.<\/p>\n<p>Gestern hat der Prozess vor einem Gericht in Oakland nahe San Francisco <a href=\"https:\/\/online.wsj.com\/article\/BT-CO-20101101-717768.html\" target=\"_blank\">mit der Auswahl der achtk\u00f6pfigen Jury durch die beiden Parteien<\/a> begonnen. Wegen des Schuldeingest\u00e4ndnisses durch SAP geht es in dem eigentlichen Verfahren &#8222;nur&#8220; noch um die Frage der finanziellen Entsch\u00e4digung von Oracle. Und diesbez\u00fcglich k\u00f6nnten die Erwartungen der Kontrahenten kaum weiter auseinander liegen. Oracle fordert nicht nur eine Kompensation von tats\u00e4chlich entgangenen Ums\u00e4tzen, sondern will hier auch die im US-Recht vorgesehenen &#8222;Was-w\u00e4re-wenn&#8220;-Ums\u00e4tze miteinbeziehen. So kommen die Amerikaner auf eine Forderung von insgesamt rund zwei Milliarden Dollar. SAP h\u00e4lt dagegen maximal einen zweistelligen Millionenbetrag f\u00fcr angemessen, hat aber <a href=\"https:\/\/www.sap.com\/germany\/about\/press\/archive\/press_show.epx?ID=4627\" target=\"_blank\">im Bericht f\u00fcrs dritte Quartal in der vergangenen Woche die R\u00fcckstellungen f\u00fcr den Gerichtsprozess von 100 auf 160 Millionen Dollar erh\u00f6ht<\/a>.<\/p>\n<p><strong>SAP f\u00fcrchtet &#8222;Medienzirkus&#8220; durch Oracle<\/strong><\/p>\n<p>Gleichzeitig f\u00fcrchten die Deutschen, dass Oracle-Boss Larry Ellison die urspr\u00fcnglich bis Mitte Dezember terminierte juristische Auseinandersetzung vor allem auch als Showb\u00fchne in eigener Sache nutzen wird &#8211; und zur Blo\u00dfstellung missliebiger Konkurrenz. Das betrifft gar nicht mal nur SAP, sondern l\u00e4ngst auch andere Unternehmen. So keilte Ellison in der vergangenen Woche im gro\u00dfen Stil gegen Hewlett-Packard. Grund: Zeitgleich mit dem Prozessbeginn startet die Amtszeit des neuen HP-Chefs L\u00e9o Apotheker &#8211; der bis Februar dieses Jahres noch an der Spitze von SAP stand. <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/larry-ellison-hp-should-change-the-hp-tagline-from-invent-to-steal-2010-10\" target=\"_blank\">&#8222;Leo wusste von dem Datenklau. [&#8230;] HP sollte seinen Slogan von &#8218;Invent&#8216; zu &#8218;Entwenden&#8216; \u00e4ndern&#8220;, lie\u00df sich der Oracle-Chef in der vergangenen Woche gewohnt markig zitieren<\/a>.<\/p>\n<p>Auch aus diesem Grund preschten die Walldorfer Mitte vergangener Woche mit einem erneuten Kotau vor: In einem Schreiben an das zust\u00e4ndige kalifornische Gericht betonen die SAP-Anw\u00e4lte, sie wollten k\u00fcnftig die Vorw\u00fcrfe von Oracle unwidersprochen hinnehmen, auch das Management von SAP &#8211; und nicht nur die Mitarbeiter von TomorrowNow &#8211; h\u00e4tten von dem Datendiebstahl gewusst (das Schreiben und viele weitere Details finden sich auf <a href=\"https:\/\/www.tnlawsuit.com\/\" target=\"_blank\">einer von SAP eingerichteten Webseite zu dem Verfahren<\/a>). In den Augen von SAP \u00e4ndert das nichts an der Ausgangslage, da man die Verantwortung f\u00fcr den Missbrauch ja bereits einger\u00e4umt habe.<\/p>\n<p>Der Schritt soll den Prozess abk\u00fcrzen, um Ellison so die B\u00fchne f\u00fcr einen geplanten &#8222;Medienzirkus&#8220; zu entziehen. &#8222;Der Punkt ist, dass Oracle schlicht und einfach vorhat, das wochenlange Verfahren zu nutzen, um seine Wettbewerber zu schikanieren&#8220;, so SAP-Anwalt Tharan Lanier in dem Schreiben\u00a0an die zust\u00e4ndige Richterin Phyllis Hamilton. Die gab dem Antrag tats\u00e4chlich statt &#8211; wenn auch in geringerem Umfang als von SAP urspr\u00fcnglich beabsichtigt &#8211; und k\u00fcrzte die Redezeit beider Parteien von 36 auf jeweils 30 Stunden. Einen von SAP ebenfalls beantragten <a href=\"https:\/\/de.reuters.com\/article\/companiesNews\/idDEBEE69T02I20101030\" target=\"_blank\">&#8222;Maulkorb&#8220; f\u00fcr die Prozessbeteiligten verwarf Hamilton dagegen am vergangenen Freitag ebenso wie den Antrag von Oracle auf Vertagung des Prozessauftaktes<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Fragw\u00fcrdige SAP-Strategie<\/strong><\/p>\n<p>Kann die SAP-Strategie tats\u00e4chlich aufgehen, mit derart weitreichenden Gest\u00e4ndnissen die finanziellen Auswirkungen des Verfahrens gering zu halten? Immerhin entscheidet \u00fcber die Strafe eine Geschworenen-Jury. Ob die neutral ist gegen\u00fcber beiden Verfahrensparteien angesichts des seit Wochen andauernden Vorgepl\u00e4nkels? Das ist zumindest schwer vorstellbar. Zumal <a href=\"https:\/\/www.informationweek.com\/news\/global-cio\/legal\/showArticle.jhtml?articleID=228000313\" target=\"_blank\">bereits erste US-Medien nach dem neuerlichen SAP-Eingest\u00e4ndnis der vergangenen Woche nun eher ein Strafma\u00df in der N\u00e4he der Oracle-Forderung von zwei Milliarden Dollar<\/a> f\u00fcr wahrscheinlich halten.<\/p>\n<p>Zudem bleibt die Frage, wer letztlich alles vor Gericht aussagen muss. Auf einer Liste m\u00f6glicher Zeugen hat Oracle als Kl\u00e4ger die ehemaligen SAP-Vorstandschefs Henning Kagermann und L\u00e9o Apotheker ebenso wie den SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner benannt. Sollte tats\u00e4chlich auch der SAP-Mitgr\u00fcnder Plattner aussagen m\u00fcssen, d\u00fcrfte es besonders spannend werden. Wie spinnefeind er und Ellison sich sind, haben <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/blogs\/look-at-it\/2010\/10\/14\/sap-hasso-befragt-plattner\/\" target=\"_blank\">die beiden Software-Ikonen in der Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellt<\/a>. Eins indes scheint bereits jetzt klar zu sein: Die kommenden Wochen d\u00fcrften noch so manche \u00dcberraschungen bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach jahrelangem Hin und Her zwischen den beiden Erzrivalen hat in den USA der Gerichtsprozess um Industriespionage begonnen. Im schlimmsten Fall k\u00f6nnte SAP zu einer Strafzahlung in Milliardenh\u00f6he verdonnert werden. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2010\/11\/02\/showdown-zwischen-sap-und-oracle\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[32,33,45,56,62],"class_list":["post-1481","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","tag-hasso-plattner","tag-hewlett-packard","tag-larry-ellison","tag-oracle","tag-sap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1481","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1481"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1481\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1481"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1481"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1481"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}