Dell ist doch nicht blöd – oder?

Diese Meldung vom vergangenen Donnerstag ist meines Erachtens relativ unbeachtet geblieben. Dabei gilt Dell als Erfinder des direkten PC-Verkaufs übers Internet und war der Konkurrenz lange aufgrund seiner effizienten Logistik weit enteilt. Doch nach diversen Problemen vollzieht der US-Computerbauer Dell nun auch in Deutschland eine Kehrtwende um 180 Grad und sagt: „Das ist mein Laden!“ Im Klartext: Künftig können Kunden die Rechner des Unternehmens aus Austin/Texas in Deutschland in der Elektrohandelskette MediaMarkt begutachten und kaufen.

Warum ich das bemerkenswert finde? Zugegeben: Dell ist schon länger kein reinrassiger Direktversender mehr. Getrieben durch schwindende Marktanteile startete der Konzern bereits vor zweieinhalb Jahren in den USA den indirekten Vertrieb über den Handelsgiganten Wal-Mart. Inzwischen sind Dell-Rechner dort auch in Ketten wie etwa BestBuy oder Staples erhältlich, in Großbritannien ist Dixons der Handelspartner, in Frankreich Carrfour.

Speziell in Deutschland spielt Dell bis heute jedoch beim Endkunden keine große Rolle. Das wollte der Konzern lange Zeit auch nicht – trotz vieler Forderungen, den reinen Direktvertrieb aufzugeben und mit Partnern zusammen zu gehen. Solange wenigstens das Wachstum im Unternehmensgeschäft funktionierte, konnte sich Dell ohne größere Blessuren aus dem Preiskampf um die Endkunden raushalten. In den vergangenen zwei Jahren stockte jedoch vor allem das Geschäft mit PCs für Firmen, hierzulande ebenso wie in anderen Industriestaaten.

Zum Pakt mit dem Handel gezungen

Dass die Texaner zum Pakt mit dem Einzelhandel beinahe gezwungen sind, unterstreichen denn auch Zahlen, die zeitgleich am vergangenen Donnerstag veröffentlicht wurden. So konnten die PC-Hersteller im vierten Quartal 2009 zwar das stärkste Wachstum seit sieben Jahren erzielen, wie das amerikanische IT-Analyseunternehmen Gartner berichtete. Wichtigste Treiber waren dabei aber vor allem günstige PCs für Endkunden sowie Mini-Notebooks, die so genannten Netbooks.

Genau diese Entwicklung trifft Dell mitten ins Herz: Wer als interessierter Computerkäufer in Deutschland in eine Handelskette oder einen Fachladen geht, findet dort bis heute Rechner von Hewlett-Packard (HP), Acer, Fujitsu, Toshiba und vielen anderen Herstellern – aber nie Dell. Dies schlägt sich seit geraumer Zeit in den Marktanteilen nieder: Weltweit betrachtet ist der einstige Marktführer Dell schon auf den dritten Platz hinter HP und Acer zurück gefallen, wie die Gartner-Zahlen zeigen. In Europa droht Dell sogar auf Rang vier durchgereicht zu werden, weil von hinten Asus – der Erfinder der boomenden Netbooks – mit großen Schritten näher kommt.

Um das zu verhindern, verbündet sich Dell fortan also auch hierzulande mit dem Elektronikhandel, der lange als erklärter Gegner galt. Das dürfte noch manch spannende Entwicklungen mit sich bringen. Immerhin haben in der Vergangenheit auch MediaMarkt & Co. die langjährige Handels-Abstinenz von Dell mal klagend, mal hämisch kommentiert. Den Kunden indes – zumindest er ist gewiss nicht blöd – kann all das nur freuen, schließlich wird die Auswahl von PCs und Notebooks im Laden vor Ort noch größer als bisher.

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