Kupfer: Liebling der Massen

Kupfer hat seit Jahresanfang sechs Prozent an Wert gewonnen. Warum das Industriemetall weiterhin der Favorit von Jochen Hitzfeld und vielen anderen Rohstoff-Experten ist und warum ich das eher kritisch sehe.

Die International Copper Study Group, kurz ICSG, meldet zwar, dass sie für 2013 den ersten Angebotsüberschuss seit drei Jahren erwartet. Doch Jochen Hitzfeld von der UniCredit bringt das nicht ins Schwitzen. Schließlich habe die ICSG die Kupferminenproduktion regelmäßig zu optimistisch eingeschätzt und die Marktteilnehmer hätten mit einem Überschuss von 600.000 bis 800.000 Tonnen gerechnet. Rund 360.000 Tonnen wie von der ICSG prognostiziert (siehe Grafik), sprächen da eher für steigende Kupferpreise. Die Branche fördere zwar reichlich Kupfer, aber es kommt in immer geringeren Mengen im Gestein vor. „Der Infrastrukturboom in den Schwellenländern trifft auf zunehmende Angebotsprobleme bei den Kupferminen“, heißt es beim UniCredit-Research.

Angebot laut ICSG

Angebot laut ICSG

Noch euphorischer klingen die Experten von Morgan Stanley: Erst nach dem Jahr 2014 sei damit zu rechnen, dass eine deutlich wachsende Produktionsmenge der weltweiten Kupferminen für eine Entspannung der knappen Versorgungslage am Kupfermarkt sorgen wird. Bis dahin sei mit weiterhin hohen Preisen zu rechnen, schreibt Vontobel und übernimmt gleich mal die Argumentation von Morgan Stanley. Vontobel will freilich Kupfer-Zertifikate verkaufen.

Man findet kaum Marktteilnehmer, die nicht bullish sind. So etwas ruft bei mir immer Skepsis hervor! Und kann ein guter Kontra-Indikator sein. Immerhin: Blogger Jochen Stanzel empfiehlt , Kupfer leerzuverkaufen (siehe: godmode-trader.de). Sein Kursziel sind 7500 Dollar, aktuell steht Kupfer bei 8000 Dollar. Seine Argumentationsgrundlage ist allerdings nur die Charttechnik.

Kupfer-Lagerbestände weltweit

Kupfer-Lagerbestände weltweit

Mal abgesehen von dem Szenario, dass China crasht – spricht aber etwas ganz anderes gegen einen Kupferboom. Zwar haben die Lagerbestände in London deutlich abgenommen, aber die in den USA und China kaum. Weltweit betrachtet sind die Läger voll (siehe Grafik). Die Erklärung laut Lupus Alpha: Die Unterschiede seien „auf regionale Ungleichgewichte und auf Lagerbestands-Umschichtungen zurückzuführen.“ Und das spricht für fallende Kurse.

Ihr Ulrich W. Hanke

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Alle Kommentare [1]

  1. Ich bin der Meinung, die Preise werden so wie so nicht sonderlich sinken. Kupfer ist derzeit sehr wertvoll für die Industrie. Die Lagerbestände werden in der Zukunft auf eine entsprechende Nachfrage treffen.