Interview: „Dax bester Index Europas 2012“

Russell Investments ist Anlegern durch den Index Russell 1000 – der Konkurrenz zum S&P 500 – oft ein Begriff. Über den Sinn und Unsinn passiv in einen solchen Index zu investieren, sprach ich mit Sebastian Hofmann-Werther und Andreas Mittler, den beiden Chefs des deutschen Russell-Büros in Frankfurt.

S. Hofmann-Werther

S. Hofmann-Werther

Andreas Mittler

Andreas Mittler

Herr Hofmann-Werther, Herr Mittler, Ihr Arbeitgeber Russell Investments ist vor allem durch seine Indizes bekannt. Sie berechnen mehr als 50.000 verschiedene Barometer. Sie verwalten aber auch Gelder. Kreieren Sie etwa Ihre eigenen Vergleichsindizes?

Hofmann-Werther: Wir verwalten Vermögen im Rahmen von Multi-Manager-Lösungen, das heißt wir konstruieren für unsere Kunden Portfolios, die von, durch unser Manager-Research ausgewählten Spezialisten verwaltet werden. Um die Leistung dieser Manager besser messen zu können, sind in den frühen 80er Jahren die bekannten Russell-Indizes entstanden. Da ihr Bekanntheitsgrad mittlerweile auch in Europa stark gestiegen ist, vergleichen wir die Wertentwicklung unserer Produkte auch auf Multi-Manager-Ebene mit den entsprechenden Russell-Indizes.

Beißt sich nicht passives Investment mit aktiver Vermögensverwaltung?

Mittler: Ein Index kann zu unterschiedlichen Zwecken verwendet werden, als Research-Instrument um Transparenz in Risiko- und Renditetreiber globaler Aktienmärkte zu erhalten, als Benchmark, um die Leistung aktiver Manager verstehen und bewerten zu können, oder als Basis für passive Investments. Mit Hilfe unserer Indizes, wie der Stability-Index-Familie lassen sich Aktienmärkte passiv abbilden, die das Risiko auf intelligente Art und Weise diversifizieren. In manchen Segmenten des Aktienmarktes kann es schwierig sein, besser als der Markt abzuschneiden und passive Strategien können effizienter sein.

Passives Investment liegt im Trend. Sind in einem Markt viele Akteure investiert, die eine passive Strategie verfolgen, dann erhöht das doch die Chance eines aktiven Managers ein Alpha zu erzielen, also den Markt zu übertreffen, oder?

Mittler: Manche aktive Manager konnten ihre Alpha-Ziele nicht immer erreichen und so die Gebühren für aktives Management rechtfertigen. Vor diesem Hintergrund gehen mehr und mehr Investoren dazu über passiv zu investieren. Es ist nicht einfach, Manager mit stetigem Alpha in ihrer Anlageklasse zu finden. Dies sind oftmals Boutiquen, die in Deutschland keine Repräsentanz haben. Nicht jeder Investor kann im Dialog mit mehr als 8000 Managern stehen, wie wir das tun, so dass passives Investieren oft als naheliegende Lösung gewählt wird.

Die Anteile in einem Index bestimmt häufig der Börsenwert, also der Kurs multipliziert mit der Aktienanzahl, der am Markt frei verfügbaren Papiere. Das ist doch ein recht fragwürdiger Maßstab, wenn der Kurs als Bestandteil herangezogen wird?

Mittler: Indizes dienten lange Zeit nicht als Investmentvehikel, sondern als Maßstab dafür, wie sich Märkte entwickeln. Da der Aktienmarkt kapitalisierungsgewichtet ist sind auch Indizes kapitalisierungsgewichtet. Marktkapitalisierte Indizes als Investmentvehikel erfahren die Kritik, dass regelmäßig überbewertete Aktien übergewichtet und unterbewertete Aktien untergewichtet sind.

Wer also in einen Index investieren will, fährt mit einem gleichgewichteten oder fundamental gewichteten besser. Wozu dann noch die alte Generation von Indizes?

Hofmann-Werther: Die Indexwelt wird schnelllebiger, heute gibt es fundamental gewichtete Indizes, die sich nach Umsatz, Buchwert, Cashflow und Dividende zusammensetzen oder Volatilitätsindizes, die die Kursschwankungen an der Börse messen. Russell hat auch einen solchen, den Russell Fundamental. Doch ein nach Börsenwert gewichteter Index wie der Russell 1000, misst vor allem die Papiere, in die Anleger auch wirklich investieren können und die liquide sind. Er hat also nicht ausgedient.

Was glauben Sie, wo steht der Dax am Ende des Jahres und wo der Russell 1000?

Hofmann-Werther: Trotz der aktuell relativ schwachen Wertentwicklung der Aktienmärkte in Kontinental-Europa hat sich der deutsche Aktienmarkt gut gehalten. Deutschland ist durch seine hohe Exportleistung sehr abhängig von den Entwicklungen der globalen Märkte. Dennoch glauben wir auch aufgrund der relativ sicheren makroökonomischen Situation, dass der Dax der sich wohl am positivsten entwickelnde Aktienmarkt in Europa 2012 sein wird. Eine zunehmende schwache Wirtschaft in den USA sowie Verlangsamung des Wachstums in China können die positive Entwicklung des Dax jedoch negativ beeinträchtigen. Die Bewertung des US-Large-Cap-Marktes sehen wir aktuell als verhältnismäßig und keinesfalls als günstig bewertet. Wir gehen wenn überhaupt von einem nur moderaten Wachstum des Russell 1000 für den Rest des Jahres aus.

Dax im Vergleich zum Russell 1000 (3 Jahre)

Dax (hellgrau) im Vergleich zum Russell 1000 (3 Jahre); Quelle: Bloomberg

Souverän Investieren

Souverän Investieren

Meine Buchtipps zum Thema: Auf jeden Fall empfehlenswert ist das neueste Buch von Joel Greenblatt, Das Geheimnis erfolgreicher Anleger (siehe: Besser als der gesamte Aktienmarkt), zu fundamental gewichteten Indizes. Auch lesenswert ist Souverän Investieren mit Indexfonds und ETFs von Gerd Kommer (Campus, 2007), der wie Martin Weber (Genial einfach investieren; siehe: Ein Professor bringt die Finanzwelt ins Schwitzen) ein Verfechter der effizienten Märkte ist, bei denen aktives Management keinen Sinn macht. Etwas älter, aber noch immer für einen Überblick gut ist auch Der große Index Guide (FinanzBuch Verlag, 2006), den Christian W. Röhl und Werner H. Heussinger herausgegeben haben.

Viel Spaß bei der Lektüre und wie immer viel Anlageerfolg,

Ihr Ulrich W. Hanke

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