Eine US-Börsenlegende als Peter Zwegat

Mathematik kann nicht nur trocken sein, sie kann auch faszinieren. Haben Sie schon einmal von der 72er-Regel gehört? Wenn ja, wissen Sie wovon ich rede, wenn nicht, hier ein Wunder der Finanzmathematik, das ein Schuldnerberater nicht besser im Repertoire haben könnte.

Nehmen wir an, Sie bekommen drei Prozent Zinsen pro Jahr, dann brauchen Sie 72 geteilt durch 3 = 24 Jahre, um Ihr Geld zu verdoppeln. Erzielen Sie eine Rendite von 20 Prozent sind es: 72 geteilt durch 20 = 3,6 Jahre. Oder umgekehrt: Wenn Sie wissen, dass sich Ihr Geld in zwölf Jahren verdoppelt, dann rentiert es mit 6 Prozent (natürliche ohne Berücksichtigung der Inflation; wer es genauer wissen will: http://de.wikipedia.org/wiki/72er-Regel). 72 ist also die magische Zahl, die man sich unbedingt merken sollte.

Die Grundlagen der Geldanlage

Die Grundlagen der Geldanlage

Die Regel führt Burton G. Malkiel in Die Grundlagen der Geldanlage auf (Börsenmedien 2010). Malkiel ist als Verfechter der Effizienzmarkthypothese bekannt. Diese besagt, dass die Finanzmärkte effizient sind, dass also alle vorhandenen Informationen bereits in den Kursen eingepreist sind und somit niemand in der Lage zu dauerhaft überdurchschnittlichen Gewinnen ist. Wie erwartet und wenig überraschend empfiehlt Malkiel deshalb in seinem Buch auch börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Spannend finde ich allerdings seine generellen Überlegungen zur Geldanlage – er mutiert praktisch zum amerikanischen Peter Zwegat, sind seine Argumente zum effizienten Markt doch schnell dargelegt.

Malkiel ist ein Fürsprecher des Zinseszinses, wie das Beispiel mit der 72er-Regel zeigt. Seine Tipps zum „kleinen Sparen“ sind etwa: „Kaufen Sie Ihre Weihnachtskarten am 27. Dezember – für das nächste Jahr.“ Anstatt ins Kino zu gehen, rät die Investmentlegende zum Heimkino, anstelle von neuen Büchern zu gebrauchten von Amazon oder Ebay. Wer gerne essen geht, sollte sich zwei Gerichte auf der Speisekarte aussuchen, die er mag, und dann den Preis entscheiden lassen. Das Heizungsthermostat kann man im Winter niedriger einstellen und stattdessen einen Pulli anziehen, Urlaub in der Nebensaison machen und – ganz wichtig – über Ausgaben Buch führen.

Sparen im Großen geht laut Burton „Pete Z.“ Malkiel wie folgt:

  • 1.) Die günstigste Risikolebensversicherung im Internet suchen.
  • 2.) Geldanlagen nur bei Managern mit niedrigen Gebühren tätigen.
  • 3.) Ein gebrauchtes und/oder kleines Auto kaufen.
  • 4.) Ausgaben auf das Niveau von vor drei Jahren zurückschrauben.
  • 5.) Den Arbeitgeber bitten, beim Sparen zu helfen, etwa indem er automatisch Geld einbehält und für Sie beiseitelegt.
  • 6.) Sich einen „Save More Tomorrow Plan“ machen.
  • 7.) Sich vom Staat beim Sparen helfen lassen.
  • 8.) Hausbesitzer werden, Kreditkartenschulden dagegen vermeiden.
  • und natürlich: 9.) In einen Index investieren. Denn: „Niemand weiß mehr als der Markt.“

Eine Beichte muss Malkiel dann aber doch machen: „Einer der beiden Autoren“, also er oder sein Co-Autor Charles D. Ellis, habe selbst in ein einzelnes Unternehmen investiert – in Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Auch aus meiner Sicht ein klarer Kauf!

In diesem Sinne viel Erfolg beim Sparen und viel Anlageerfolg,

Ihr Ulrich W. Hanke

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