Der Goldrausch ebbt ab – vorübergehend

Wohin der Preis fürs gelbe Edelmetall treibt – und warum gerade Bundesbürger für den schlimmsten Fall gut gerütstet sind.

Einer der von der Goldrally bisher ordentlich profiert hat, ist Jürgen Müller. Der schwäbische Physiker hat eine Einkaufsgemeinschaft für Gold und Silber gegründet – eine Art Fonds, der Barren kauft und einlagert. Und seine Gemeinschaft verzeichnet einen regen Zulauf. Müller zitierte mir gegenüber jetzt den chinesischen Philosophen Laotse, der im 6. Jahrhundert vor Christus gelebt haben soll: „Diejenigen, die weissagen, haben kein Wissen. Diejenigen, die wissen, weissagen nicht.“ Den künftigen Goldpreis will er demzufolge nicht vorhersagen. Dann rückt er doch noch mit einer konkreten Aussage heraus: „Ich persönlich bin gerade long positioniert und beachte als Stop-Loss die 1700-Dollar-Marke.“ Aktuell steht der Goldpreis pro Unze nur etwa 30 Dollar über dieser Marke, klingt also irgendwie vorsichtig bis abwartend.

Im Moment heißt es scheinbar: Erst einmal Tee trinken. Banker sprechen von einer Seitwärtsbewegung um die Marke von 1700 Dollar pro Unze, 2000 Dollar sehen viele dennoch als langfristiges Kursziel beim Gold. Jede Rally braucht eine Verschnaufpause. „Europäische Anleger sind hin- und hergerissen zwischen der guten Aktienmarktperformance und den griechischen Unwägbarkeiten“, sagt Sven Streitmayer aus dem Researchteam der LBBW, der derzeit den Seitwärtsverlauf für am wahrscheinlichsten hält. Dabei meldet die Produzentenvereinigung World Gold Council gerade starke Nachfragezahlen. 4067 Tonnen wurden 2011 nachgefragt. Das sind zwar nur 0,4 Prozent mehr als noch 2010, dennoch der höchste Stand seit 1997. China schickt sich zudem an, Indien als größten Gold-Konsumenten abzulösen. Aber das war schließlich im vergangenen Jahr.

Die Stimmen, die den Untergang des Euro vorhergesehen haben, werden dann gerade auch leiser. Zeit, mal das Thema mit weniger Emotionen zu beleuchten. Sollte es zum Worst-Case-Fall kommen, über den sich so schön schreiben lässt, und Gold ersetzt in irgendeiner Form das Papiergeld oder dieses wird an Gold gekoppelt, sind wahrscheinlich die Länder am besten gestellt und dürfen bei einer Neuordnung mitreden, die hohe Gold-Vorräte besitzen. Doch wie wahrscheinlich kommt es dazu?

Bundesbank gut gerüstet

Bundesbank gut gerüstet

Deutsche brauchen sich für den unwahrscheinlichen Fall keine Sorgen machen. Die Bundesbank hält immerhin mehr Gramm Gold pro Bundesbürger als Reserve (etwa 1,3 Unzen pro Kopf) als die USA (siehe Tabelle), wenngleich viele bundesdeutsche Vorräte wohl dort lagern. Bis die Förderung von Gold merklich zurückgeht, dauert es noch bis mindestens 2027 – hat Jürgen Müller errechnet. Seine Promotion dazu ist jetzt erschienen (Modellierung der globalen Goldproduktion durch Anwendung der Hubbert’schen Peak-Oil Methodik, BoD-Verlag Norderstedt). Beim Portal Goldseiten.de hat er seine Ergebnisse nochmals zusammengefasst (siehe auch: Jürgen Müller: 2027 ist der Peak bei der Goldförderung erreicht). Wie die Faust aufs Auge passt dazu die Grafik „Der Baum des Goldes“ von Trustablegold.de, die ich Ihnen nicht vorenthalten will (für eine größere Version bitte darauf klicken).

Trinken wir also erst einmal eine Tasse Tee und behalten die 1700-Dollar-Marke im Auge. In diesem Sinne,

Ihr Ulrich W. Hanke

Der Baum des Goldes

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Alle Kommentare [5]

  1. Halb so schlimm, ist trotzdem ein super Artikel. Und wer richtig liest, wird selber feststellen, dass es nicht stimmen kann -oder wie gesagt zum denken angeregt.

  2. @Wolfgang: Vielen Dank für den Hinweis. Da hat sich tatsächlich der Fehlerteufel eingeschlichen. Gemeint waren g also Gramm nicht kg, Kilogramm. Ich habe dies korrigiert. An der Aussage ändert es aber nichts, Deutschland steht im Verhältnis zu anderen Staaten besonders gut da.

    @WolfgangZwo: Danke für den Buchtipp.

  3. 41,5 Kilogramm pro Bundesbürgernase sollten reichen, bei 41,5 Gramm
    sieht’s dagegen mau aus.

  4. 41,5 Kilo Gold pro Einwohner? Das sind 1334 Feinunzen pro Einwohner!
    Diese hätten einen Wert von 1,54 Mio(!) Euro.

    In diesem Zusammenhang empfehlenwert ist das Buch:
    „Zahlenblind. Mathematisches Analphabetentum und seine Konsequenzen“ (ISBN-10: 3453036239)

    Jeder Politiker und jeder Journalist sollte es gelesen haben.

  5. Wieviel Kilo hat eine Tonne ?
    Sehr geehrter Herr Hanke, offensichtlich haben Sie beim Schreiben Ihres Artikels Kilogramm und Tonne verwechselt, oder eine Quellenangabe übernommen, die fehlerhaft ist. Deutschland hat ca. 3396 Tonnen Gold, was bedeutet, dass auf jeden Bürger gerade mal 41,5 Gramm kommen. Für mich kein Grund zum Teetrinken. Schade, dass einem Wirtschafts-redakteur so ein gravierender Fehrler unterläuft. Andererseits regt dies den Leser zu eigenem Denken an.