Ist der Zug schon abgefahren?

Kaum steigen die Aktienkurse und die Stimmung an den Märkten hellt sich auf, sind die Pessimisten wieder zur Stelle. Dabei sind wir noch weit von alten Höchstständen oder einer Übertreibung entfernt.

Nein, der Zug ist noch nicht vollkommen abgefahren, bin ich der Meinung. Als wirklich gutes Instrument für die Lage an den Aktienmärkten hat sich der 200-Tage-Durchschnitt herausgestellt, den Börsenpfarrer Uwe Lang berechnet. Der Chartverlauf zeigt an, wie viel Prozent der 34 verschiedenen Aktienmärkte derzeit über ihrem Durchschnittkurs der vergangenen 200 Tage liegen. Aktuell sind es 68 Prozent – bis 100 Prozent ist noch ein weiter Weg (siehe Grafik).

200-Tage-Chart (Stand: 6.2.2012)

200-Tage-Chart (Stand: 6.2.2012)

Zudem sind M-Dax-, Dax- und Euro-Stoxx–Werte mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von durchschnittlich unter 1 noch niedrig bewertet (siehe Tabelle). Die Rally sollte also weiter gehen.

Durchschnittswerte verschiedener Indizes (Stand: 14.2.2012)

Durchschnittswerte verschiedener Indizes (Stand: 14.2.2012)

Irrwitzig, finde ich die unterschiedlichen Geschichten von Handelsblatt (siehe: Topmanager trauen der Dax-Rally nicht mehr) und Financial Times Deutschland (siehe: Zuversicht in der Chefetage) vom gestrigen Tag. Während das Handelsblatt die Käufe und Verkäufe eigener Aktien von Insidern, also gutinformierten Vorständen und Aufsichtsräten, als Indiz für möglicherweise fallende Kurse heranzieht. Kommt die Financial Times Deutschland mit Bezug auf Insider-Käufe auf die umgekehrte Schlussfolgerung. Womöglich ist die zweite Betrachtung näher an der Realität. Doch ich rate Ihnen, Insider-Transaktionen nicht gebündelt zu betrachten. Schauen Sie sich sie lieber einzeln für Ihre potenziellen Kauf- oder Verkaufskandidaten an. So macht es etwa Anthony Gallea sehr erfolgreich, den ich schon einmal vorgestellt habe (siehe: Warum es uns so schwer fällt, in der Baisse Aktien zu kaufen). Sie finden die Daten dazu bei der BaFin (siehe: Director’s Dealings) oder bei Insiderdaten.de. (Wer ein Bloomberg-Terminal benutzen kann, gibt einfach das Kürzel GPTR ein.)

Fazit: Sie sollten jetzt ihre persönliche Aktienquote voll ausschöpfen und investieren – aber nur in noch günstig bewertete Titel etwa mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis und Kurs-Buchwert-Verhältnis von jeweils unter 1.

Wie ist Ihre Meinung? Wer hat Ihrer Meinung nach die Insider-Transaktionsdaten richtig gedeutet – Handelsblatt oder Financial Times Deutschland? Ich bin gespannt auf Ihre Antworten,

Ihr Ulrich W. Hanke

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Alle Kommentare [4]

  1. @Tim Schäfer: Grundsätzlich ist Ihre Argumentation logisch. Wenn man jedoch die Aktien der vormaligen Krisenfirmen (mit KBV <1,0) kauft, wenn diese ihre operativen und strategischen Hausaufgaben gemacht haben, macht man mit "KBVs <1,0-Aktien" tolle Gewinne, Grüsse aus der Schweiz

  2. Sehr guter Artikel. Ihr Blog ist wirklich klasse. Gratulation zum Buch.

    Ich stimme mit Ihnen in fast allen Punkten überein. Aktien sind günstig. Und die führenden Weltbörsen wie der Dow Jones Index steigen seit 100 Jahren ununterbrochen. Von Korrekturen einmal abgesehen.

    Allerdings stimme ich Ihnen nicht beim Kurs-Buchwert-Verhältnis unter 1 zu. Wenn eine Gesellschaft unterhalb der Substanz notiert, dann hat das immer einen Grund. Irgendwo ist der Pferdefuss. Oder kennen Sie eine Firma mit einem KBV unter 1, der es prächtig geht? Ich kenne jedenfalls keine … leider.

    Aus dem Grund bezahle ich lieber mehr als 1,0 und weiß dann, was ich habe. Qualität hat immer Ihren Preis. Auch an der Börse.
    Beste Grüße nach Düsseldorf

  3. Na, Herr Hanke – hat Ihnen unser Kommentar nicht „geschmeckt“??? – Nicht vergessen: Auch wenn mensch sich umdreht, derweil ein Tankzug auf ihn zurast, nur um dann sagen zu können: „Da ist kein Tankzug.“, so bleibt die Tatsache doch die Tatsache.

  4. „Dabei sind wir noch weit von …einer Übertreibung entfernt“ – Was nimmt der Autor denn für Drogen??? Oder ist es gar Finanz-BSE im Endstadium??? Die größte Wechselreiterei aller Zeiten alias Kapitalisierung der Zukunft hat in den letzten dreißig Jahren die Gewinne von fünf Milliarden Ewigkeiten im Voraus „realisiert“.