Ausgezeichnet ausgründen

Deutschlands Hochschulen tun mehr denn je für Gründer – Nachholbedarf haben sie trotzdem.

Wenn Andreas Pinkwart an diesem Montag Journalisten und Gründer durch die Leipziger Baumwollspinnerei führen wird, dann hat er gleich zwei Mal Grund zu feiern. Der Rektor der HHL Leipzig wird demonstrieren, wo zwischen Ateliers und Ausstellungen, Künstlern und Designern im Januar das SpinLab eröffnet: ein „Accelerator“, der nicht nur Start-ups aus Hochschulen beschleunigen soll, sondern auch Gründer mit etablierten Unternehmen vernetzen soll. Zum anderen, weil die HHL Leipzig ausgezeichnet wird: als diejenige kleine Hochschule in Deutschland, die ihren Studenten die beste Gründungskultur bietet.

Das Spin-Lab entsteht: Die Homepage des neuen HHL Accelerators ist seit heute online. Foto: Screenshot

Das Spin-Lab entsteht: Die Homepage des neuen HHL Accelerators ist seit heute online. Foto: Screenshot

Das ist das Ergebnis des Gründungsradars 2013 des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. Neben der HHL liegen die TU München (Kategorie „große Hochschulen“) und die Leuphana Universität Lüneburg („mittlere Hochschulen“) vorne. Alle drei hatten bereits im vergangenen Jahr Spitzenplätze belegt. Am stärksten verbessert haben sich die Universitäten in Trier und Passau sowie die WHU – Otto Beisheim School of Management.

Auf den ersten Blick erfreulich: An den deutschen Hochschulen wurden im Jahr 2013 fast 1800 Start-ups gegründet – etwa 600 mehr als im Vorjahr. Grafik:Stifterverband

Auf den ersten Blick erfreulich: An den deutschen Hochschulen wurden im Jahr 2013 fast 1800 Start-ups gegründet – etwa 600 mehr als im Vorjahr. Grafik:Stifterverband

Insgesamt scheinen die Ergebnisse der Studie erfreulich: An den deutschen Hochschulen wurden im Jahr 2013 fast 1800 Start-ups gegründet – etwa 600 mehr als im Vorjahr, was laut Stifterverband „nicht nur auf eine bessere Dokumentation zurückzuführen ist“. Das Gesamtbudget der Hochschulen für Gründungsförderung sei um 28 Prozent auf knapp 63 Millionen Euro gestiegen. Allerdings sollte man sich damit nicht zufrieden geben, rät der Stifterverband: Gründungsförderung stehe an Hochschulen nach wie vor „nicht an vorderster Stelle“, das Gesamtniveau der Gründungen sei weiter niedrig. Der Stifterverband bemängelt, dass Gründungsförderung weitgehend über zeitlich begrenzte öffentliche Drittmittel finanziert werde, und rät dem Bund, sich stärker dauerhaft zu beteiligen.

In Leipzig will man darauf nicht angewiesen sein – obwohl der sechsmonatige Aufenthalt in der Baumwollspinnerei für Gründer kostenlos bleiben soll; auch Anteile müssen die Jung-Unternehmer nicht abgegen. „Das SpinLab wird sich aus Beiträgen etablierter Unternehmen und Venture-Capital-Gebern finanzieren“, sagt HHL-Rektor Andreas Pinkwart, „so wollen wir gründungsbegeisterte Studenten und Wissenschaftler aus ganz Deutschland und darüber hinaus nach Leipzig locken“.

Die fünf besten Unis:

Große Hochschulen
Name der Hochschule Punktwert
1. Technische Universität München 11,8
2. Hochschule München 11,7
3. Karlsruher Institut für Technologie (KIT) 10,9
4. Technische Universität Berlin 10,8
5. Universität Potsdam 10,6
Mittelgroße Hochschulen
Name der Hochschule Punktwert
1. Leuphana Universität Lüneburg 11,3
2. Europa-Universität Viadrina 11,0
3. Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg 10,8
4. Technische Universität Kaiserslautern 10,3
5. Technische Universität Bergakademie Freiberg 10,2
Kleine Hochschulen
Name der Hochschule Punktwert
1. HHL Leipzig Graduate School of Management 11,5
2. WHU – Otto Beisheim School of Management 11,2
3. Private Hochschule Göttingen 10,4
4. Fachhochschule Mainz 10,3
5. Fachhochschule Potsdam 10,2

QUELLE: Gründungsradar / Stifterverband


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Über Jens Tönnesmann

Jens Tönnesmann, 36, ist freier Journalist. Seit 2008 berichtet er als Gründerreporter für die WirtschaftsWoche über junge Unternehmen und Trends in der Gründerszene und koordiniert den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Außerdem lehrt er an der Kölner Journalistenschule, an der er das journalistische Handwerk selbst gelernt hat. Parallel zur journalistischen Ausbildung hat er Volkswirtschaftslehre und Politik in Köln und Vancouver studiert. An der University of British Columbia belegte er einen Entrepreneurship-Kurs, der mit einem Businessplanwettbewerb endete. Seitdem weiß er, wie schwierig es ist, eine tragende Geschäftsidee zu entwickeln, und wie leicht die Arbeit fällt, wenn man die zündende Idee gefunden hat und für sie brennt.

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