Die Finalisten (3): Nimm‘ mein Auto!

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Das eigene Auto verleihen – für ein paar Euro an einen Fremden? In Zukunft könnte das selbstverständlich sein, wenn es dem Aachener Unternehmen Tamyca („take my car“) gelingt, seine Idee bekannt zu machen. Das Startup bringt Autobesitzer mit Fahrern zusammen, die selbst kein Auto haben, aber eines brauchen.

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Dazu hat Tamyca die nach eigenen Angaben erste Carsharing-Plattform für Privatleute in Deutschland ins Leben gerufen: Auf tamyca.de können Autobesitzer ihr Fahrzeug eintragen und eine Miete festsetzen. Wer selbst kein Auto hat, kann dann über eine Landkarte nach verfügbaren Wagen in seiner Umgebung suchen und das passende Modell mieten – vom Cabrio bis zum Transporter.

Die fünf Finalisten im Porträt

Von dem Modell sollen alle Beteiligten profitieren: Die Fahrzeugbesitzer können mit ihrem Auto etwas hinzuverdienen, anstatt es ungenutzt stehen zu lassen. Die Mieter finden günstige Autos von vertrauenswürdigen Menschen in ihrer Nachbarschaft, ohne auf teure Mietwagen ausweichen zu müssen. Und Tamyca? Das junge Unternehmen berechnet pro Tag und Fahrer 7,50 Euro Gebühr; eine Vollkasko-Versicherung, die ein Versicherungsunternehmen eigens für Tamyca entwickelt hat, inklusive (siehe Infografik-Interview vom März 2011).

Eine sinnvolle Idee, denn in Deutschland gibt es mehr als 40 Millionen Autos, die Abermillionen von Stunden am Tag ungenutzt herumstehen. Umgekehrt gibt es viele Menschen, die kein Fahrzeug haben, aber gelegentlich eines brauchen. Würden sie die Autos untereinander teilen, würde das auch die Umwelt schonen, weil insgesamt weniger Autos gebraucht würden. Jede über tamyca.de vermittelte Fahrt spare so im Schnitt 1,64 Kilogramm Kohlendioxid ein, hat Tamyca ausgerechnet. Wer ganz klimaneutral fahren will, kann bei der Buchung drei Cent pro Kilometer in ein Aufforstungsprojekt in Afrika stecken.

Die Tamyca-Gründer Dariusch Malekzadeh, Markus Harmsen, Justus Lauten, Andreas Krüger und Michael Minis
(von links) stellen Ihr Unternehmen der Jury des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs vor.

Mit der Idee setzt Tamyca auf einen aktuellen Trend, den Forscher wie Rachel Botsman als „collaborative consumption”, also „kollaboratives Konsumieren“ bezeichnen. Anstatt sich alles selbst anzuschaffen, teilt und tauscht man heutzutage seinen Besitz – egal ob Autos, Wohnungen oder beliebige Gegenstände. Internetplattformen – sogenannte „peer-to-peer-Marktplätze“ – wie Tamyca.de machen es möglich.

Die Tamyca-Gründer sind zuversichtlich, dass sich ihre Plattform durchsetzt: Seit dem Start vor knapp zehn Monaten haben dort bereits mehr als 1000 Autobesitzer ihre Fahrzeuge angemeldet. Das Gründerteam hat einen ersten Businessplanwettbewerb gewonnen und führt Gespräche mit Investoren über eine Finanzierungsrunde, die helfen soll, das neuartige Konzept auch in Europa populär zu machen. Ungenutzte Autos stehen schließlich überall herum.

Der WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb

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Der WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb wird jedes Jahr im Frühjahr ausgeschrieben, im Jahr 2012 bereits zum sechsten Mal.

Die Sieger erhalten von den Partnern des Wettbewerbs ein Jahr lang Unterstützung im Gesamtwert von rund 300 000 Euro.

Und so sieht das Paket aus:

  • Die Kanzlei Osborne Clarke berät die Sieger in Rechtsfragen – etwa zur ersten Finanzierungsrunde, bei der Ausgestaltung des Geschäftsmodells oder internet- und markenrechtlichen Themen.
  • Das Business-Angels-Netzwerk b-to-v Partners unterstützt die Sieger bei
    der Suche nach Investoren und hilft, Kontakte über ihr Netzwerk zu knüpfen. Ein Angel coacht die Gewinner für ein Jahr in Alltagsfragen.
  • Die Markenprofis der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt beraten das Gewinnerteam bei der Markenstrategie und ihrem Kommunikationsauftritt.
  • Die Personalberater von ­Heidrick & Struggles beraten das Gründerteam bei der Personalauswahl und Organisation und helfen beim Aufbau eines Beirats.
  • Alle fünf Finalisten werden vom ­internationalen Unternehmernetzwerk ­Entrepreneurs’ Organization ein Jahr lang im Accelerator Program geschult.
  • Die Sieger berichten regelmäßig im ­Gründertagebuch der WirtschaftsWoche über ihre Fortschritte.

Das nächste Mal wird der Wettbewerb im Frühjahr 2012 ausgeschrieben. Wenn Sie benachrichtigt werden möchten, wenn es soweit ist, tragen Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse in dieses Formular ein.

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Über Jens Tönnesmann

Jens Tönnesmann, 36, ist freier Journalist. Seit 2008 berichtet er als Gründerreporter für die WirtschaftsWoche über junge Unternehmen und Trends in der Gründerszene und koordiniert den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Außerdem lehrt er an der Kölner Journalistenschule, an der er das journalistische Handwerk selbst gelernt hat. Parallel zur journalistischen Ausbildung hat er Volkswirtschaftslehre und Politik in Köln und Vancouver studiert. An der University of British Columbia belegte er einen Entrepreneurship-Kurs, der mit einem Businessplanwettbewerb endete. Seitdem weiß er, wie schwierig es ist, eine tragende Geschäftsidee zu entwickeln, und wie leicht die Arbeit fällt, wenn man die zündende Idee gefunden hat und für sie brennt.

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Alle Kommentare [10]

  1. Ich dachte es gibt bereits einen Gründerwettbewerb? Er heißt „Wirtschaft“… Schwer zu verstehen, warum man noch das hier braucht.

  2. sind hier nicht unversicherte Fahrzeuge unterwegs auf der Straße?
    Melden denn die Vermieter Ihrer Privat-Versicherung, dass ihr Fahrzeug entgeltlich vermietet wird, und zahlen dafür die viel höhere Versicherungsprämie?

  3. Die Autos sind alle ordentlich versichert, dafür wird ja extra über Tamyca eine kurzfristige Zusatzversicherung abgeschlossen…

  4. Wer sein Auto schnell mal an einen Freund verleiht und dieser einen Unfall baut, kann sich mit dem Freundschaftsdienst schnell Ärger einhandeln. Streit mit der Versicherung und den Unfallbeteiligten sind da vorprogrammiert. Doch dazu muss es nicht kommen, wenn man beim privaten Auto verleihen ein paar Grundregeln beachtet.

  5. Privat Auto verleihen: Ärger mit dem Fahrer vermeiden

    Wer Autos privat an einen anderen Fahrer verleihen möchte, kann unnötigen Ärger vermeiden, indem man sich vorher einen gültigen Führerschein zeigen lässt. Versäumt man dies, und der Fahrer hat gar keinen Führerschein, haftet man auch bei Unfällen und muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Weiterhin ist zu prüfen, ob der Entleiher auch wirklich nüchtern ist. Wer sein Auto an einen Betrunkenen verleiht wird bei Unfällen eventuell von der Versicherung in Haftung genommen. Besteht Zweifel über den Zustand des Fahrers, sollte man vom Auto verleihen absehen. Strafzettel müssen meist vom Halter bezahlt werden. Weigert sich der Entleiher, den Verstoß zuzugeben, wird der Halter belangt oder dazu verpflichtet ein Fahrtenbuch zu führen, aus dem hervorgeht, wann wer mit dem Auto gefahren ist. Dies ist nicht nur nervig, sondern kostet auch unnötig viel Zeit.

  6. Privat Auto verleihen: Versicherung und Leihvertrag

    Werden Schäden an Anderen verursacht, muss immer die Versicherung des Halters zahlen. Dabei steigt man auch in eine höhere Schadensklasse auf und muss mehr Beträge zahlen. Daher sollte man sich genau überlegen, wem man sein Auto verleiht. Am besten verleiht man nur an Personen, bei denen man im Notfall auch mit einer Ausgleichszahlung für die gestiegenen Versicherungsbeträge rechnen kann. Sicherheit kann hier auch durch einen Leihvertrag erreicht werden, in dem der Entleiher dem Halter schriftlich versichert, für auftretende Schäden aufzukommen, wenn welche vorkommen sollten. Diese Vorgehensweise ist zwar unbequem, kann aber im Fall der Fälle auch eine Freundschaft erhalten, die bei ungeklärten Verhältnissen eventuell zu Bruch gegangen wäre.

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